Giganten im Ring

Henry Maske spielt Max Schmeling

Das Leben eines Jahrhundert-Sportlers kommt auf die Leinwand - und die Legende Max Schmeling wird von keinem Geringeren als Gentleman-Boxer Henry Maske verkörpert. Ein Besetzungs-Coup, der neugierig macht.

Der Film zeigt alle wichtigen Stationen in Leben und Karriere Schmelings: den Weltmeisterschaftssieg im Schwergewicht 1930 durch Disqualifikation seines Gegners Jack Sharkey, den überraschenden Triumph gegen Joe Louis 1936 und die desaströse Niederlage gegen ihn im Rückkampf 1938.


Natürlich auch die Bilderbuch-Ehe mit seiner großen Liebe, der tschechischen Filmschauspielerin Anny Ondra, die Vereinnahmung des Vorzeige-Athleten durch die Nazis und sein Comeback aus dem Nichts nach dem Krieg.

Meistert Maske die Rolle?

Mehr noch als die filmische Biografie Schmelings dürfte das Publikum interessieren, wie Henry Maske diese Rolle meistert. Seine Besetzung ist leider nicht mehr als ein Marketingcoup. Dass der Weltklasse-Boxer kein schauspielerisches Schwergewicht ist, verwundert kaum - seine Darstellung überzeugt in den Kampfszenen - in den Dialogszenen wirkt er eher hölzern und unfreiwillig komisch. Und doch gelingt es Maske, dem großen Verehrer Schmelings, etwas von dessen sympathischer, bescheidener, grundanständiger Ausstrahlung zu vermitteln. Richtig K.O. geht Maske durch das spannungslose Drehbuch und die einfallslose Regie.

Die Nazis: allesamt klischeehaft tumb - Max Schmeling als eindimensionaler, edler Held ohne charakterliche Entwicklung, die Handlung ohne dramaturgischen Bogen. Zwar zeigt der Film historisch korrekt, dass das NS-Regime den bei den Massen enorm populären Schmeling als Beweis für die Überlegenheit der arischen Rasse benutzte, ihn als Werbeträger für das Deutsche Reich einsetzte - aber soviel Distanz zu den Nazi-Größen wie im Film wahrte Schmeling nicht.

Seine Rolle im NS-System war ambivalent: er wehrte sich kaum gegen seinen Einsatz als Propagandafigur und warb beispielsweise in den USA vor der Olympiade 1936 damit, dass in Nazi-Deutschland alles korrekt zugehen werde.

Schmeling: Goebbels' häufiger Gast

Er und seine Frau waren häufig bei Goebbels zu Gast. Hitler traf Schmeling über ein Dutzend Mal. Dass es Kalkül war, einem weltweit berühmten und beliebten Sportler zu gestatten, kein Parteimitglied zu sein und sogar seinen jüdischen Manager zu behalten, weil gerade diese scheinbare "Toleranz" dem System Pluspunkte verschaffen sollte - offensichtlich zu komplex für diesen Film.

Schmeling - durchweg stilisiert als Held, der unter anderem (und auch das ist verbürgt) in der Reichspogromnacht zwei jüdische Kinder rettet. Dass aber dieser Schmeling nach seiner Niederlage gegen den Schwarzen Joe Louis so in Ungnade gefallen sei, dass man ihn deshalb zum Kriegsdienst eingezogen habe, in der Hoffnung, er möge fallen - ist schlicht Legendenbildung des Films. Dabei hat die reale Figur Max Schmeling eine solch unglaubwürdige Überhöhung gar nicht nötig. Er war ein gutmütiger, anständiger Kerl mit großem Herz, ohne Star-Aallüren und Skandale, dazu ein fairer Sportler, der seinen Gegnern stets Respekt zollte.

Ein filmischer Tiefschlag

Max Schmeling ist bis heute ein Idol und braucht keinen Film, der ihn dazu macht. Regisseur Uwe Boll, selbst Hobbyboxer, gilt als "schlechtester Regisseur" der Welt. Zur Zeit sorgt der brutale, degoutante Trailer für sein neues Projekt "Auschwitz" für Aufruhr. Doch so schlimm wie viele erwarten, kommt es bei "Max Schmeling" nicht. Filmisch ist das Werk eher ein Tiefschlag - schade um den großartigen Stoff. Da in Nebenrollen anderer Boxer noch Artur Abraham und Yoan Hernandez zu sehen sind, dürfte er bestenfalls bei Boxfans punkten.


"Max Schmeling - eine deutsche Legende" ab 07. Oktober im Kino

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