Hollywoods Anti-Star

Zum 100. Geburtstag der Schauspielerin Luise Rainer

Vor über 70 Jahren gewann Luise Rainer den Oscar als beste Hauptdarstellerin, und das gleich zwei Mal hintereinander. Doch anstatt zu einem Hollywoodstar à la Greta Garbo zu avancieren, kehrte die gebürtige Deutsche der amerikanischen Traumfabrik alsbald den Rücken. Sie wollte vor allem als Schauspielerin wahrgenommen werden und nicht als Filmstar. Am 12. Januar 2010 feiert Luise Rainer ihren 100. Geburtstag. Wir haben uns mit ihr in ihrem Appartment in London über Hollywood, Max Reinhardt und das Leben unterhalten ...

Luise Rainer

Mit 13 Jahren besucht die deutsche Jüdin Luise Rainer zum ersten Mal das Theater. Sie sieht "Der Kreidekreis" von Klabund. Das Stück begeistert sie so sehr, dass sie sich entschließt, ebenfalls Schauspielerin zu werden. "In dem Stück spielte eine Frau mit, die mich sehr faszinierte. Und als ich sie so auf der Bühne spielen sah, dachte ich mir: Das kann ich auch!"

Mit 25 nach Hollywood

Gleich nach der Schule geht sie nach Berlin. An den Berliner Bühnen spricht sie dem großen Regisseur Max Reinhardt vor - erfolglos. "Als ich an der Reihe war, hatte ich meinen ganzen Text vergessen! Alles, was ich sagen konnte, war 'Ja! Ja! Ja!'. Aus dem dunklen Zuschauerraum erschallte lautes Lachen. Ich wäre am liebsten im Boden versunken." Doch Aufgeben kommt für sie nicht in Frage. Sie zieht in ihre Geburtsstadt Düsseldorf. Am dortigen Schauspielhaus bekommt sie ihre erste Hauptrolle, und das ganz ohne Ausbildung. Ihre Auftritte sind ein riesiger Erfolg.

Luise Rainer mit Oscar Quelle: ap

Zwei Jahre später hört auch Max Reinhardt von ihrem Talent und holt die junge Schauspielerin zu sich nach Wien, an das berühmte Theater in der Josefstadt. 1935 wird sie in Wien von einem Hollywood-Agenten entdeckt und geht nach Amerika. Metro-Goldwyn-Mayer, eines der größten Studios der amerikanischen Traumfabrik, nimmt die Deutsche unter Vertrag. Da ist sie gerade einmal 25 Jahre alt. Auf dem Studiogelände teilt sie sich ein Haus mit Joan Crawford, Norma Shearer und Greta Garbo. Sie ist, so scheint es, bei den ganz großen Hollywoodstars angekommen.

"Es ging nur noch um Geld"

Für ihren zweiten Film "Der große Ziegfeld" erhält Luise Rainer 1937 den Oscar als beste Hauptdarstellerin. Die Szene, in der Anna Held, frisch geschieden von Ziegfeld, diesem am Telefon zu seiner neuen Hochzeit gratuliert und dabei ihre Tränen hinter einem Lächeln zu verbergen sucht, schreibt Kinogeschichte. Doch die goldene Auszeichnung bedeutet der jungen Deutschen nur wenig. "Ich bekam diesen Oscar und, nun ja, ich hatte das Gefühl, dass ein Lob von Max Reinhardt mir mehr bedeutet hätte als dieser Oscar in Hollywood."

Luise Rainer beginnt gegen das Studio-System zu rebellieren. Sie will kein MGM-Star werden, kein Teil der oberflächlichen Welt der Hollywoodstars sein. Das Filmbusiness erscheint ihr als zu trivial. Ihr Herz hängt an der Schauspielkunst. "Zuvor ging es in meinem Leben immer um Kunst. Dann drehte sich auf einmal alles nur noch ums Geld. Das hat alles verändert." Ein Jahr später, mit gerade einmal 28 Jahren, gewinnt sie erneut den Oscar, für ihre Hauptrolle in "Die gute Erde". Es ist der Höhepunkt ihrer Hollywoodkarriere.

Zurück zum Theater

Von da an jedoch sinkt das Niveau ihrer Rollen. Luise Rainer soll in Filmen spielen, die sie nicht interessieren. Sie beginnt, Hollywood zu hassen - und kündigt. "Louis B. Mayer, der mächtige Boss von MGM, sagte mir damals: 'Nun, wenn Sie uns verlassen wollen, sollten Sie wissen: Wir haben Sie erschaffen und wir werden Sie auch wieder vernichten!'" Aber die junge Schauspielerin läßt sich von Mayer nicht beeindrucken und verlässt Hollywood, um zurück zum Theater zu gehen.

Sie trifft Geistesgrößen wie Ernest Hemmingway, Bertold Brecht und Albert Einstein. Mit ihm zusammen hilft sie jüdischen Flüchtlingen in die USA. Mehr als 50 Jahre später feiert Luise Rainer ihr kurzes Kino-Comeback in einer Verfilmung von Dostojewskis "Der Spieler". "Blicke ich auf mein Leben zurück", sagt sie, "bedauere ich so einiges. Vor allem, dass ich nicht viel, viel mehr gearbeitet habe." Ihr rebellisches Verhalten hat die Deutsche ihre Hollywoodkarriere gekostet. Das jedoch hat sie nie bereut.

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