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Kein Genozid wie jeder andere – wie wollen wir uns an den Holocaust erinnern?

aspekte vom 28. Januar 2022 - mit Jo Schück

Am 27.1. ist Holocaust-Gedenktag. Die Erinnerung an den Holocaust ist die zentrale Säule der deutschen Erinnerungskultur. Aber wie steht es um die Erinnerung an den Holocaust in der Gesellschaft? Welche Zukunft ist für die Erinnerungskultur wünschenswert?

Videolänge:
43 min
Datum:
28.01.2022
:
UT
Verfügbarkeit:
Video verfügbar bis 28.01.2023

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Der Urgroßvater als Nazi-Henker

Die Täternachfahren und ihr Erbe

Für die 32-jährige Maria Holzgrewe ist die Nazi-Zeit keine entfernte Geschichte, nichts, das ihr weit weg erscheint: ihr eigener Urgroßvater war an grausamen Verbrechen beteiligt, von denen sie selbst erst vor wenigen Jahren erfuhr.

Maria Holzgrewe in der Gedenkstätte Bullenhuser Damm
Maria Holzgrewe in der Gedenkstätte Bullenhuser Damm, Hamburg
Quelle: ZDF

Wilhelm Dreimann war SS-Unterscharführer und galt als „Henker von Neuengamme“. Der Rapportführer ermordete in der Nacht vom 20. auf den 21. April 1945 mit anderen 20 jüdische Kinder im Keller einer Hamburger Schule. Dreimanns Urenkelin Maria Holzgrewe ist heute Lehrerin in Hamburg, Anfang 30, und stellt sich ihrer Familiengeschichte, indem sie für Aufklärung und Gedenken wirbt. „Wir tragen keine Schuld – aber Verantwortung“, sagt sie.

Jo Schück besucht mit ihr den Ort der Tat, den Keller der ehemaligen Schule am Bullenhuser Damm in Hamburg und das KZ Neuengamme.

Erinnerungskultur für Einwanderer?

Historische Verantwortung heute

Mnyaka Mboro
Mnyaka Mboro
Quelle: ZDF

Inwiefern müssen sich Einwanderer mit der deutschen Geschichte und der Verantwortung auseinandersetzen? Diese Frage stellt sich eine Schulklasse des Unesco-Gymnasiums in Essen, in der viele Schülerinnen und Schüler gar nicht in Deutschland geboren sind. Der Aktivist Mnyaka Mboro beklagt sogar, dass die deutschen Kolonialverbrechen im Vergleich viel zu wenig erinnert würden: "Es ist mir verständlich, dass man an Holocaust erinnert, aber es ist mir nicht verständlich, dass man an den Kolonialismus überhaupt nicht erinnert. Es gab Konzentrationslager auch in Namibia. Es war Genozid und nichts anderes."

Verleger Rainer Zimmer-Winkel lädt in seinem Berliner Aphorisma-Verlag, der auf israelisch-palästinensische Vermittlung spezialisiert ist, muslimische und jüdische Stimmen dazu ein, das Thema der "deutschen Erinnerungskultur" miteinander zu diskutieren. Wird damit der Holocaust relativiert? Ist in Deutschland ein neuer "Revisionismus" im Gange, bei dem diesmal ausgerechnet von postmigrantischen und antirassistischen Denker*innen ein "Schlussstrich" unter die deutsche Schuld gezogen werden soll? Der Karlsruher Kulturwissenschaftler Sami Khatib verfolgt diese zum Teil erhitzt geführte Debatte kritisch und wirft an ihr eine tieferliegendere Frage auf: "Vielleicht müssen wir unseren Begriff von deutscher Erinnerungskultur an sich hinterfragen?"

Kolonialismus und NS-Verbrechen

Die Singularität des Holocaust

Meron Mendel
Meron Mendel in der Bildungsstätte Anne Frank, Frankfurt
Quelle: ZDF

Ist der Holocaust historisch singulär - oder darf man ihn mit anderen Genoziden vergleichen? Darüber ist seit dem vergangenen Sommer unter Historiker*innen und Kolonialismusforscher*innen ein Streit entbrannt, der bis heute in der Öffentlichkeit hohe Wellen schlägt. Auslöser war die Polemik des australischen Historikers A. Dirk Moses, der den Deutschen vorwirft, sie würden die Erinnerungskultur als "Religion" und "Katechismus" betreiben. Eine weitere Behauptung von Moses lautet, die exklusive Beschäftigung mit ihren nationalsozialistischen Verbrechen hindere die Deutschen daran, sich mit ihren kolonialen Schandtaten auseinanderzusetzen. Vor allem den palästinensisch-stämmigen jungen Deutschen würden die"Hohepriester" des Holocaust-Katechismus ihre Sichtweise aufzwingen. Dadurch würde die Leidenserfahrung von deren Großeltern im Zuge der israelischen Staatsgründung nicht anerkannt.

Über diese Vorwürfe diskutieren wir mit dem Historiker Steffen Klävers und mit Meron Mendel von der Bildungsstätte Anne Frank in Frankfurt.

Yasmina Rezas Roman „Serge"

Familienausflug ins Vernichtungslager

Autorin Yasmina Reza
Yasmina Reza
Quelle: ZDF

Yasmina Reza, Schauspielerin und Schriftstellerin aus Paris, ist die meistgespielte lebende Bühnenautorin der Welt. Ihr Thema ist die Kommunikation, die sie in Werken wie „Kunst“, „Der Gott des Gemetzels“ oder „Glücklich die Glücklichen“ immer wieder krachend, aber auch sehr komisch scheitern lässt.

Buchcover "Serge" von Yasmina Reza
Quelle: ZDF

Jetzt erscheint Rezas neuester Roman „Serge“ auf Deutsch. Darin begeben sich Serge, seine Tochter Josephine und seine beiden Geschwister, Nachfahren ungarischer Holocaust-Opfer, auf eine Reise nach Auschwitz. Und auch hier ist die Verständigung schwierig: Während Josephine von der Gaskammer zum Lagerbordell pilgert, Handyfotos macht und das Gesehene mit „unfassbar“ quittiert, weigert sich Serge - zwischen Busladungen voller Touristen, fürs Gruppenfoto posierenden Schulklassen und der „Asiatin in Sommerponcho und gelöcherten Gummischlappen“ – irgendeinen Sinn im Besuch, ja in der Existenz dieser Gedenkstätte zu sehen.

Yasmina Reza, selbst Kind eines iranischen Juden und einer ungarischen Jüdin, tritt praktisch nie in der Öffentlichkeit auf. Nach über 20 Jahren hat sie zum Erscheinen von „Serge“ erstmals wieder ein Interview im französischen Fernsehen gegeben.

Überlebende Anita Lasker-Wallfisch

Eine digitales Gespräch

Die Überlebenden des Holocaust, die noch unter uns weilen, gehen auf die Hundert zu. Bald wird es keine Möglichkeit mehr geben, sie persönlich zu treffen. Um ihre Erfahrungen für nachfolgende Generationen aufzubewahren, gibt es eine Vielzahl von Interviewprojekten. Die Shoah Foundation, die schon lange an der Archivierung der Zeitzeugeninterviews arbeitet, hat ein interaktives Programm entwickelt, das im Technikmuseum Berlin in einer Betaversion erbrobt wurde.

Anita Lasker-Wallfisch
Anita Lasker-Wallfisch
Quelle: dpa

Jo Schück testet eine digitale, virtuelle Möglichkeit für Besucher und Besucherinnen, Fragen an die Auschwitz-Überlebende Anita Lasker-Wallfisch zu richten. Die in England lebende Lasker-Wallfisch ist heute 96 Jahre alt. Sie war im Mädchenorchester von Auschwitz. Für das Projekt hat sie über 1000 Fragen beantwortet, die durch eine Künstliche Intelligenz abrufbar sind. Es ist der Versuch, ein echtes Gespräch nachzuempfinden.

Musikgespräch: Sammy Amara, Sänger

Punkrockband "Broilers" gegen rechts

Sammy Amara, Sänger der Band "Broilers"
Sammy Amara von den "Broilers"
Quelle: ZDF

Sammy Amara ist Sänger der Broilers, einer der erfolgreichsten Punkrockbands Deutschlands. Der Band ist es wichtig, in der Musik immer wieder Faschismus, deutsche Vergangenheit und Rechtspopulismus zum Thema zu machen. Für sie sind Erinnerungsstätten, Denkmäler, sichtbare Mahnungen an den Holocaust ein wichtiger Bestandteil der Erinnerungskultur. Für Amara heißt das auch: öffentlich Position beziehen, mit den Mitteln seiner Kunst und der seiner Band - wie in "Keine Hymnen heute", einem Titel von ihrem Album "sic!". Jo Schück trifft Amara am Holocaust-Mahnmal in Berlin.

Stab

  • Moderation - Jo Schück

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