Die Themen am 15. April 2016

Moderiert von Katty Salié und Tobias Schlegl

Kultur | aspekte - Die Themen am 15. April 2016

Der Journalist (SZ) zum Paragraphen 103, der "Majestätsbeleidigung", der für ihn abgeschafft gehört, zur Justiz als "Ent-Erregungsanlage" und über Satire, die zum Freibrief für Hetze werden kann.

Beitragslänge:
7 min
Datum:
Verfügbarkeit:
Video verfügbar bis 14.04.2017, 14:37

Die Themen und Gäste unserer Kultursendung am Freitag um 23.00 Uhr.

Der neue Film "Bauernopfer"

Tobey Maguire als Schachgenie Bobby Fischer

Er war einer der größten Schachspieler aller Zeiten: Bobby Fischer. Die Welt fieberte mit, als er 1972 im "Match des Jahrhunderts" in Island gegen den russischen Weltmeister Boris Spassky antrat. Doch war es nicht nur ein Duell zwischen zwei Großmeistern, sondern auch zwischen zwei Systemen - auf dem Höhepunkt des Kalten Krieges standen sich USA und die Sowjetunion auf dem Schachbrett gegenüber. Ein spannender Spielfilm zeigt jetzt den Lebensweg des Genies Bobby Fischer und die nervenaufreibende Konfrontation in Reykjavík, bei der Fischer nicht nur gegen Spassky, sondern auch gegen seine inneren Dämonen ankämpfte. Nach dem Sieg über Spassky glitt er Zug um Zug in den Wahnsinn ab, spielte kaum je wieder, verlor sich in Hasstiraden, Verschwörungstheorien und Verfolgungswahn. Ab 28. April im Kino.

Georgette Tsinguirides, Choreologin

Ein Leben für den Tanz

Reichsmark, D-Mark, Euro - ihr Gehalt bekam die griechisch-stämmige Georgette Tsinguirides schon in drei Währungen vom Stuttgarter Ballett, einst als Tänzerin und heute als Choreologin. Seit 1945 hatte sie nur einen einzigen Arbeitgeber, vielleicht ein Rekord. Schon kurz nach Kriegsende trat Georgette Tsinguirides ihren Dienst bei den Württembergischen Staatstheatern als "Chortänzerin Anwärterin" an. Heute steht sie noch immer auf der Gehaltsliste des Stuttgarter Balletts, inzwischen als Choreologin und Ballettmeisterin. Sie ist 87 Jahre alt und tanzt nur noch selten, als Choreologin hält sie Tanzschritte in Schrift fest. Chreologin? Tsinguirides galt einst als erste Tanzschrift-Expertin Deutschlands, 2010 bekam sie den Deutschen Tanzpreis. Jeden Tag ist sie im Ballettsaal, hat Größen kommen und gehen sehen. Das Erbe des britischen Choreografen John Cranko am Stuttgarter Ballett ist auf ewig mit Tsinguirides' Namen verbunden, noch heute garantiert die gebürtige Stuttgarterin die werkgetreue Aufführung seiner Ballette, mit Generationen von Tänzern hat sie Crankos Werke einstudiert. Stuttgarts Ballettintendant Reid Anderson, 65, arbeitet seit mehr als 45 Jahren mit Tsinguirides. Sie hat Generationen von Tänzern John Crankos Stücke beigebracht - nicht nur die Schritte, sondern die Intention dahinter, das Gefühl. Diese Frau hat deutsche Tanzgeschichte erlebt und gestaltet, hat auch mit weltweit mehr als 30 Kompanien gearbeitet, kennt das Leid und die Leidenschaft des Tanzes. Das Porträt einer ganz besonderen Frau.

Viel Lärm um Shakespeare

Zum 400. Todestag des King of Drama

Wenn Shakespeare heute in den sozialen Netzwerken unterwegs wäre, hätte er mit Abstand die meisten Follower. Er ist der bekannteste und am meisten verkaufte Autor aller Zeiten, fast jeder kennt eine Textzeile aus seinen Stücken, jede Nation hat ihre Shakespeare Vorliebe, jede Minute wird irgendwo auf der Welt ein Shakespeare-Stück aufgeführt. Es gibt unzählige Shakespeare-Adaptionen und Redewendungen in unserem Sprachgebrauch. Nach 400 Jahren ist Shakespeare so aktuell wie nie zuvor. Selbst die Serienjunkies unter uns, die "House of Cards" oder "Game of Thrones" verfallen sind, schauen dabei Shakespeare. Weil sich genau diese Serien das Grundmuster der Theaterstücke des berühmtesten aller Dichter zu Eigen gemacht haben: Macht, Intrige, Liebe, Tod. Sein altbewährtes Muster funktioniert auch heute noch sehr gut.

Der britische Regisseur Sir Kenneth Branagh, der seit 2014 auch Ehrenpräsident der Deutschen Shakespeare-Gesellschaft ist, hat Shakespeare für das Kino massentauglich gemacht. Seine Shakespeare-Verfilmungen "Henry V.", "Viel Lärm um nichts" oder "Hamlet" gehören zu den großen Meisterwerken der Filmgeschichte. Wie aktuell und erfolgreich Shakespeare in Deutschland auf der Theaterbühne ist, lässt sich am besten an Lars Eidinger festmachen. Er ist der Shakespeare-Schauspieler seiner Generation und spielte die Hauptrollen in fünf Shakespeare-Inszenierungen an der Berliner Schaubühne, aktuell "Richard III". Furios, ordinär, tiefsinnig, ergreifend - so wie Eidinger hat noch keiner vor ihm Shakespeare auf die Bühne gebracht. Sein Hamlet hat mittlerweile Kult-Status erreicht, die Vorstellungen sind immer restlos ausverkauft. Für Richard III. hat die Schaubühne mal eben das Globe Theatre aus London, die originale Aufführungsstätte des großen Meisters, in ihrem Bühnenraum nachbauen lassen - wenn, dann schon richtig authentisch. Warum Lars Eidinger Shakespeare geradezu verfallen ist und warum ihm auch die Stücke von Shakespeare als alleiniges Repertoire im Theater vollkommen ausreichen würden - das kann er uns am besten persönlich erklären. Zum Jubiläumsjahr ist der ausgewiesene Shakespeare-Experte zu Gast im aspekte- Studio.

Satire in der Türkei

Ein Präsident räumt auf

Kaum ein demokratisch gewählter Politiker schlägt dieser Tage bei Kritik und Witz so um sich wie Erdogan. Viele Satiriker trauen sich kaum noch aus der Deckung. Böhmermann wird wegen seines Schmähgedichtes vom türkischen Staatspräsidenten angezeigt. Satiriker, Karikaturisten und Journalisten erleben dies in der Türkei ständig. Über 1800 Verfahren, in denen wegen Beleidigung des Staatspräsidenten ermittelt wird oder wurde, gibt es seit den letzten 20 Monaten. Zeitungsjournalisten werden immer vorsichtiger, nachdem die große Tageszeitung 'Zaman' unter staatliche Aufsicht gestellt und der Chefredakteur von 'Cumhuriyet' der Spionage angeklagt wurde. Der Chefredakteur der Zeitschrift 'Nokta', Cevheri Güven, saß wegen eines Titelblattes im Gefängnis, das eine Erdogan-Fotomontage zeigte. Der Chefredakteur der Satirezeitung 'Leman', Zafar Aknar, berichtet von Repressalien - man nehme immer mehr Abstand davon, Erdogan als Zielscheibe für Cartoons zu nehmen, sagt er. So zeigt Erdogans Strategie Erfolg - auch der Fall Böhmermann, so fürchten die türkischen Satiriker, könnte dazu beitragen.

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