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Kampf um Identität – was ist heute noch "normal"?

aspekte am 23. April 2021 mit Katty Salié.

Was ist diskriminierend und rassistisch? Darf ein weißer Mann Gedichte einer schwarzen Frau übersetzen? Eine weiße Stimme eine schwarze Animationsfigur synchronisieren? Die Meinungen dazu stehen sich immer unversöhnlicher gegenüber.

45 min
45 min
23.04.2021
23.04.2021
UT
UT
Verfügbarkeit:
Video verfügbar bis 23.04.2022

Spaltet Identitätspolitik?

Kulturkampf mit erbitterten Fronten

Was ist eigentlich Identitätspolitik? Für die einen geht es um eine notwendige Korrektur gesellschaftlicher Ungerechtigkeiten, für die anderen um echte oder vermeintliche Sprechverbote. Beide Seiten stehen sich zunehmend unversöhnlich gegenüber und oft geraten die Maßstäbe ins Rutschen. Verlieren wir über dem Streit für Minderheiten den Blick auf das große gesellschaftliche Ganze? Werden hier Kämpfe auf Nebenschauplätzen ausgefochten oder versuchen Privilegierte, ihre Position zu verteidigen? Ein kleiner Überblick über Sinn und Unsinn auf einem weiten Feld.

Der alte weiße Mann

Ein Abschied?

Jahrzehntelang haben weiße Männer, meist fortgeschrittenen Alters, die Geschicke der Welt bestimmt, waren in den entscheidenden Positionen in Politik und Wirtschaft. Und sie blieben, so lange es irgend ging, unter sich. Nach den Bürgerrechtsbewegungen des 20. Jahrhunderts und den Kämpfen der Identitätspolitik ist allerdings die Bezeichnung "Alter weißer Mann" zum ideologischen Kampfbegriff geworden - und seine (manchmal unfreiwilligen) Vertreter zum Feindbild einer offenen und toleranten Gesellschaft. Eine Betrachtung dazu, wie es zu diesem Wandel gekommen ist, wie es der Spezies des alten weißen Mannes damit geht und wie er darauf reagiert.

Gesprächsgäste

Wer darf wen übersetzen?

Die Debatte um Amanda Gorman

Die Debatte zur Identitätspolitik beeinflusst mit ihren Fragen längst auch die Besetzungspraxis in Literatur, Film und Theater. Den Höhepunkt fand sie bei der Übersetzung des Gedichts "The Hill We Climb" von Amanda Gorman. Der Text, den die schwarze Lyrikerin zu Joe Bidens Amtseinführung vortrug, sollte – nachdem bereits verschiedene Aufträge erteilt waren – nicht von Weißen übersetzt werden. Die Diskussion wurde in den Niederlanden von Janice Deul losgetreten. Die zunächst beauftragte nonbinäre Marieke Lucas Rijneveld trat vom Übersetzungsauftrag zurück. In Spanien wurde die Übersetzung einem erfahrenen katalanischen weißen Mann nachträglich entzogen. Zu diesem Zeitpunkt war die deutsche Übersetzung im Verlag Hoffmann und Campe bereits von einem Trio fertiggestellt – mustergültig aus identitätspolitischer Sicht: Die Übersetzerin Uda Strätling wurde flankiert von der Publizistin Kübra Gümüşay und der Journalistin Hadija Haruna-Oelker. Der weiße Übersetzer Frank Heibert kritisiert die Besetzungsentscheidung. Spaltet die aktuelle Identitätspolitik die Übersetzerszene?

Musik

Rapperin Nura

Wer darf wen sprechen?

Schwarz und Weiß im Animationsfilm

In der deutschen Synchronsprecher*innen-Branche werden jetzt lang versprochene Jobs weißen Menschen entzogen und Schwarzen gegeben. Ist das sinnvoll? Führt es zu mehr Gleichgewicht? Auch im Film und auf der Bühne wird die Frage, wer wen spielen darf, immer relevanter: Roma sollen nur noch von Roma gespielt werden, Trans-Menschen von Trans-Menschen. Dabei wird unter dem Stichwort "cripping up" auch die Forderung laut, dass Menschen mit Behinderung nicht mehr von Schauspieler*innen ohne Beeinträchtigung verkörpert werden sollten. Inwiefern wird der Kern der Schauspielerei jedoch infrage gestellt, wenn es nicht mehr darum geht, sich andere Rollen anzueignen, sondern alle nur noch sich selbst repräsentieren dürfen? Wird damit letztlich Diversität und Inklusion in der deutschen Kulturbranche gestärkt? Oder schränken diese Forderungen die Freiheit der Kunst ein?

Nationalkicker - Nationalstolz?

Eine Doku über Schwarze in der Nationalmannschaft

Fußballfans - und nicht nur sie - kennen den ein oder anderen dieser Namen: Jimmy Hartwig, Steffi Jones, Gerald Asamoah, Patrick Owomoyela, Cacau, Guy Acolatse, Jordan Torunarigha oder natürlich Erwin Kostedde. Kostedde war 1974 der erste schwarze Nationalspieler Deutschlands. Er wie all die Genannten trugen den "Schwarzen Adler" im Wappen der Trikots auf der Brust. Der Greifvogel ist auch der Namensgeber einer neuen filmischen Dokumentation, die den Umgang mit Rassismus und Identität in Deutschland rund um die bewegenden Lebensgeschichten der schwarzen Kicker in ein sehr helles, eher schon blendendes Flutlicht stellt. Erwin Kosteddes Stolz ist bis heute ambivalent. Und damit ist er nicht allein. Die Spieler und Spielerinnen erzählen davon, was es bedeutet, die Hymne zu lernen und zu singen - wie auch vor Tausenden im Stadion und vor Millionen zuhause "am Schirm" rassistisch angefeindet zu werden. Oder zumindest mit aus heutiger Sicht unvorstellbarer Art und Weise in TV oder Werbung vorgeführt zu werden. Die meisten von ihnen fühlten und fühlen sich bis heute, trotz aller Ihrer Erfolge und Prominenz, trotz aller gesellschaftlichen Errungenschaften der letzten Jahrzehnte, niemals völlig dazugehörig zur Nationalelf und damit der Nation.

Stab

  • Moderation - Katty Salié
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