Intellektueller Ölprinz

Der Unternehmer und Kunstmäzen Batista ist heimatverbunden und handelt global - wie sein Land jenseits aller Klischees

"Sanctuary" nennt Unternehmer Roberto Viana Batista seinen Wald: Schutzgebiet, Zufluchtsort, Heiligtum. Fünf Quadratkilometer Regenwald sind es, zum Teil wieder aufgeforstet. Einst zog sich so ein Wald über Tausende von Kilometern entlang der Küste, noch artenreicher als der Wald am Amazonas. Wissenschaftler erforschen ihn als Gedächtnis der Natur. Am Amazonas aber und in anderen Gegenden lässt Batista nach Öl und Gas bohren.

Nach dem Ende des staatlichen Monopols wurden die Bohrrechte versteigert. Ein riskantes Spiel, für das die besten Geologen und Ingenieure gerade gut genug sind. Robertos Konzessionen umfassen Flächen in Brasilien, die größer sind als Großbritannien. Seine Firma hat sich verpflichtet, sechzig Prozent des Gewinns für die Erhaltung der Wälder, für Schutzgebiete wie in Recife auszugeben.

Umweltschutz und Kultur verbinden

"Wenn die Ausbeute mittel bis niedrig ist, läuft es für mich gut", so Batista. "Wenn sie sehr groß ist, ist es unbeschreiblich, weil wir dann 50 Schutzgebiete in verschiedenen Teilen der Welt schaffen könnten." Fünfzig Schutzgebiete in aller Welt? Robertos Vision geht weiter. Sein Anliegen ist die Verknüpfung von Umweltschutz und Kultur. Er sammelt prähistorische Steinkunst und baut dafür ein Museum.

Großplastiken aus Granit

Zeitgenössische Künstler antworten mit Großplastiken aus Granit auf die steinzeitlichen Zeugnisse. Die Natur hat sie umhüllt und verändert. "Die Idee ist ein direkter Dialog zwischen dem Museum für prähistorische Kunst und zeitgenössischer Kunst", erklärt Batista. "Und etwas von weit draußen in die Großstadt mit fast vier Millionen Einwohnern zu bringen. Dadurch entsteht ein ganzheitliches, kollektives Gedächtnis innerhalb eines urbanen Raumes." So entstand eine der seltsamsten Kunstsammlungen in einem Regenwald am Rande der Millionenstadt Recife.

"Nur Wächter des Wohlstands"

In Rio trifft Roberto Viana Batista einen Geschäftspartner, den reichsten des Landes: den Deutsch-Brasilianer Eike Batista. Auch er hat in Öl investiert, aber auch in Eisenerz, Überseehäfen, Stahlschmelzen, Kraftwerke. Roberto Viana Batista hält ihn für einen genialen Visionär, der bald der reichste Mann der Welt sein wird. Eike Batista meint: "Die Wirtschaftselite der künftigen Weltmacht Brasilien denkt global und, wenn man so will, sozial-liberal." Roberto Batista ergänzt: "Wenn man ein bestimmtes Niveau an Wohlstand erreicht hat, gehört einem der Wohlstand nicht mehr. Er gehört dann der Gemeinschaft. Du bist nur der Wächter des Wohlstands. Du hast Glück, du bist privilegiert, weil du den Wohlstand in deinen Händen hältst, aber du hast die moralische und die geistige Pflicht, Gutes zu tun."

Eike Batista

Im barocken Olinda im Nordosten, einem Unesco-Kulturerbe, begann Robertos Karriere nach abgebrochenem Medizinstudium als Planungsreferent des Bürgermeisters. Der Spross einer wohlhabenden Familie von Ärzten, Politikern und Unternehmern studierte Philosophie in der Schweiz, Wirtschaft in Cambridge. Die Leute in Olinda kennen ihn, ohne zu wissen, was er genau tut. Noch nie war Batista in den Medien, er will sich frei bewegen.

Jenseits aller Klischees

Er hält sich für einen Linken, lobt die politische Stabilität Brasiliens, aber weiß, dass sich noch viel mehr ändern muss: "Es gibt hier Wandel. Man kann das an den Zahlen sehen. Aber wir brauchen viel stärkeren Wandel. Gemessen am Potenzial Brasiliens ist er noch zu gering." Wuchernde Armensiedlungen, Favelas, muss der Wald weichen. Der Erosion folgt ungezügelte Bebauung. Der Fluss zum Baden mit sauberem Trinkwasser kommt aus dem "Sanctuary", dem Schutzwald Batistas. Auch darauf ist er stolz.

Ölbohrung im Regenwald

Die Veränderungen in der Gesellschaft sind für ihn vor allem ein Problem der Bildung: "Bildung ist das erste, zweite, dritte, vierte und fünfte. Durch Bildung gibt es Fortschritte im Umweltschutz, in der Gesundheit, in der Politik. Bildung ist vielleicht nicht die einzige Lösung, sie trägt aber zur Lösung aller Dinge bei." Ein intellektueller Ölprinz - heimatverbunden, global handelnd, eine ambivalente Mischung, wie sein Land jenseits aller Klischees.

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