Kampf mit der eigenen Legende

Bob Dylan wird 70

Bob Dylan ist eine lebende Legende. Mit Songs wie "Times they are a changing" und "Blowing in the Wind" wurde er zum Sprachrohr seiner Generation. Mit seiner Musik, seinen Texten und seiner Stimme hatte er einen Weg gefunden, das auszudrücken, was viele damals - Ende der 60er - empfanden.

2011: Als Dylan Anfang April in Peking auftritt, singt er weder "Blowing in the Wind", noch erwähnt er den verhafteten Künstler Ai Weiwei.

"Dem Rock 'n' Roll den Geist gegeben"

Robert Zimmerman, Sohn eines jüdischen Elektrowarenhändlers aus Hibbing, Minnesota, kommt 1961 nach New York und wird Bob Dylan - die Stimme des Protests. "Er ist sehr früh in der Lage, mit seinem Instrumentarium aufzufassen, was um ihn herum los ist", sagt Dylan-Biograf Klaus Theweleit, "es wiederzugeben und so zu formulieren, dass Hunderttausende, man muss sagen Millionen in der ganzen Welt sagen: 'Genau, das ist der Ton, das ist der Moment.'"


So wie "A Hard Rain's A-Gonna Fall" - Dylans Kommentar zum Kalten Krieg. "Er ist derjenige, der dem Rock 'n' Roll den Geist gegeben hat", sagt BAP-Frontmann Wolfgang Niedecken. Bob Dylan wollte so berühmt werden wie Elvis Presley. Aber als er es dann war, scheint es ihn ziemlich erschreckt zu haben. "Was wurde nicht alles von ihm verlangt", sagt Niedecken, "wo er voran gehen sollte. Und er sagte 'Moment mal, ich bin nicht der'. 'It ain't me babe.' Davon handelt das Stück." Darin heißt es: "I was an outsider anyway. I come to town as an outsider and they wanted to make me an insider." ("Ich war ein Außenseiter. Ich kam als Außenseiter in die Stadt und irgendwie war ich noch mehr Außenseiter, als ich es je war. Sie wollten mich zum Insider machen.")

Zahlreiche Comebacks

Dylan lässt sich nicht vereinnahmen. Was das für eine Provokation für die Folkfans war, als Dylan zur elektrischen Gitarre griff, lässt sich heute kaum noch ermessen. "Er hat sich prostituiert - Er war ein Scheißkerl in der zweiten Hälfte - Er hat sich gewandelt. Er ist nicht mehr der, der er war" - so skandierten seine Fans damals. Bob Dylans Reaktion darauf: "The buhing didn't really ... I had a perspective on the buhing. You can kill somebody in kindness to." ("Ich hatte eine eigene Sicht auf das Buhen. Mann kann jemanden auch mit Freundlichkeit töten.")

Kurz nach Ende seiner Europatournee 1966 hat Dylan einen Motorradunfall. Er zieht sich ins Privatleben zurück und tritt acht Jahre lang nicht mehr auf. In den Siebzigern hat er sein erstes Comeback. Wieder stößt er allen vor den Kopf: Der Jude Dylan entdeckt das fundamentalistische Christentum, lässt sich taufen und spielt Gospel. "Mich hat das ein bisschen abgestoßen", erinnert sich Wolfgang Niedecken. "Immer wenn ich merke, mich will einer in irgendeiner Form über den Tisch ziehen oder missionieren, dann sage ich 'Moment mal gerade' - selbst wenn es Bob Dylan ist."

Status des Genies


Ende der achtziger Jahre hat er keine Kraft mehr für einen Neuanfang. In seiner Autobiografie schreibt er: "Ich war ein ausgebranntes Wrack. In meinem Kopf rauschte es zu laut, und ich konnte nicht abschalten. Wo ich auch hingehe, bin ich ein Troubadour der Sechziger, ein Folkrock-Fossil." 1997 hat er wieder mal ein Comeback. Kritiker und Publikum sind gleichermaßen begeistert. Und was macht Dylan? Er verkauft den Song an einen Unterwäschekonzern und tritt auch noch selbst im Werbevideo auf. "Man kann immer sagen, Dinge an seiner Musik zu ändern - das ist eine neue Maske", so Klaus Theweleit.

Die Kritiker loben sein Alterswerk, weil er amerikanische Musiktraditionen wiederbelebt. Inzwischen hat er den Status des Genies. Jahr für Jahr wird er für den Literaturnobelpreis vorgeschlagen. Seit fast fünfzig Jahren steht Dylan auf der Bühne. Auf seiner "Never Ending Tour" gibt er über 100 Konzerte im Jahr. Aber wer so viele tolle Songs geschrieben hat, darf damit auch bis an sein Lebensende auftreten.

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