"Katalin Varga"

Von Schuld, Sühne und Erlösung

Ein Racheengel zieht durch die Lande. Die Bäuerin Katalin Varga (Hilda Petér) fährt langsam aber zielstrebig in ihrem Pferdwagen durch die wilde und rauhe Landschaft der Karpaten. Die grandios gefilmte Natur gibt in dem rumänisch-ungarischen Wettbewerbsbeitrag von Peter Strickland die Stimmung vor.

Es ächzt und raunt der dunkle Wald, die Vögel kreischen. Ein Opfer ist auf dem Weg, Vergeltung zu üben und selbst zum Täter zu werden. Eine düsteres und moralisches Märchen, das, so ahnt der Zuschauer von Beginn an, nicht gut enden wird.

Eingeholt von der eigenen Schuld

Wieder steht in diesem Film, wie so oft im Wettbewerb dieses Jahr, eine starke Frauenfigur im Vordergrund, großartig gespielt von Hilda Petér: Katalin Varga wird von ihrem Mann verstoßen, als er erfährt, dass sie vor zehn Jahren vergewaltigt wurde. Sie nimmt ihren Sohn Orbán (Norbert Tankó) mit. Dessen Vater sucht sie nun, den Vergewaltiger Antal (Tibor Pálffy). Sie trifft auf dessen Freund, der damals bei der Tat zusah. Ein ausgelassener Tanz um das Feuer - mit biblischer Symbolik wird hier an keiner Stelle gespart. Katalin Varga verführt ihn und erschlägt ihn mit einem Stein. Jetzt hat sie selbst Schuld auf sich geladen und wird vom Schwager des Opfers verfolgt.

Antal, ihren Peiniger von damals, jedoch findet sie als liebevollen Ehemann auf einem idyllischen Hof. Fast schon Jesus-gleich mit weißem Hemd, braunen Locken und geläutertem Blick empfängt er sie. Doch der Kreislauf von Schuld, Sühne und Gewalt ist nicht mehr zu durchbrechen. Als die Ehefrau des Vergewaltigers zufällig von der grausamen Tat erfährt, erhängt sie sich. Und Katalin Varga wird von ihrer eigenen Schuld eingeholt.

Die Natur spricht mit

Es geht um die ganz großen Themen in diesem Film: Schuld, Sühne, Erlösung. Der Schuldige ist kein durch und durch schlechter Mensch - und das einst unschuldige Opfer begeht eine Todsünde. Der Film von Peter Strickland hat, wie die meisten Wettbewerbsfilme in diesem Jahr, eine ganz eigene Form gefunden. Die Natur spricht mit in dieser Geschichte - in einer eigenartig surrealen Atmosphäre. Diese Mischung aus Realität und märchenhafter, fast schon antiker Tragödie hat ihren eigenen Sog.

Aber in dieser Schwere und wuchtigen biblischen Referenz liegt auch das Problem dieses Films. Die doch recht simple Botschaft - Vergeltung bringt wieder neue Gewalt hervor - ist am Ende dieses Rache-Reigens unbefriedigend.

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