Königin der Leinwand: Meryl Streep

Berlinale-Ehrenbär für die Verwandlungskünstlerin

Spätestens der Film "Jenseits von Afrika" machte Maryl Streep weltweit berühmt - dank einer der anrührendsten Liebesszenen der Filmgeschichte. Jetzt findet sich die Liebhaberin von einst in der Rolle der "Iron Lady" wieder.

Meryl Streep
Meryl Streep Quelle: reuters

Zwei Menschen im Flugzeug geben sich irgendwann die Hand. Eine ganz simple Story. Doch wenn sich im Flieger die Richtigen finden, wird daraus großes Kino. Meryl Streep und Robert Redford lieferten in "Jenseits von Afrika" eine der kürzesten - und anrührendsten - Liebesszenen der Filmgeschichte ab.

Verblüffend als Maggie Thatcher

Jetzt - ein Vierteljahrhundert später - findet sich Meryl Streep im englischen Parlament wieder - in der Rolle von Maggie Thatcher, der eisernen Lady: Eine Frau mit schriller Stimme und dem Gehabe einer rechthaberischen Gouvernante. Die markant-herrische Stimme der "Iron Lady", die sich Maggie Thatcher erst mühsam antrainieren musste, brachte sie schließlich ganz nach oben.

Meryl Streep als Maggie Thatcher in "The Iron Lady"
Meryl Streep als Maggie Thatcher Quelle: reuters

"Das Schwierigste an dieser Rolle ist die Dosierung der Atemluft", sagt Meryl Streep. "Als Maggie Thatcher muss man nicht nur die eigene Meinung loswerden, sondern braucht immer noch eine Menge Luft, um keinen anderen zu Wort kommen zu lassen." Im Kontrast dazu spielt Meryl Streep die heute 80-jährige, an Demenz leidende, Maggie Thatcher bedächtig und anrührend. Wieder gelingt der Streep ein verblüffender Verwandlungsakt. "In mir steckt wohl ein Mix aus den verschiedensten Charakteren", sagt sie, "und als Schauspielerin probiere ich sie aus."

Eroberung von Drama und Komödie

Als Typ der kühlen Intellektuellen hat Meryl Streep 30-jährig debütiert - an der Seite von Woody Allen in "Manhattan". Nur sechs Monate später dann: "Kramer gegen Kramer" - Meryl Streeps Durchbruch im Charakterfach. Der Frauentyp war auch diesmal urban, emanzipiert und emotional zerrissen. Doch jetzt geht sie aus sich heraus - und bekommt dafür ihren ersten Oscar. "Damals war ich sehr jung und dann ein Oscar. Das war schon unglaublich - in diesem Alter", erinnert sich Streep. "Aber soll man dann den Rest seines Lebens an diesem Preis ausrichten? Das ist kein Weltmeistertitel wie im Fußball oder so. Eine Sportlerkarriere dauert einige Jahre, aber Schauspieler bleibt man sein ganzes Leben lang."

Ohne den flirrenden Sexappeal einer Marilyn Monroe - wie überzeugt man da in sinnlichen Rollen? Meryl Streep ging das erotische Fach sparsam an: nur eine Handbewegung, ein Blick. In 30 Arbeitsjahren hat sich Meryl Streep beides erobert: Drama und Komödie. Gnadenlose Arroganz? Auch kein Problem - in "Der Teufel trägt Prada" spielt sie die furchteinflößende Chefredakteurin eines berühmeten Modemagazins.

"Alle sechs Monate ein neuer Job"

Dutzendfach war sie für Oscars und Golden Globes nominiert, 74 Filmpreise hat Meryl Streep erhalten. Und doch scheint es, als müsse sie noch immer etwas beweisen: "Ich bin Schauspielerin - und in diesem Metier lebt man mit Zweifeln. Klar kann ich Interviews geben, in denen ich ganz selbstgewiss rüberkomme. Aber in Wirklichkeit muss ich mir alle sechs Monate einen neuen Job suchen - seit dreißig Jahren bin ich für eine Weile irgendwo dabei - und dann ist wieder Schluss. Immer wieder diese Frage, ob und wo und was ich spielen werde. Vielleicht neigt man dann ein wenig dazu, sich nie ganz sicher zu sein."

Meryl Streep hätte wohl auch eine Gesangskarriere machen können, wie ihre Rolle im Abba-Film "Mamma Mia" zeigt, doch zum Glück blieb sie beim Kino - und ist selbst als eiserne Thatcher noch immer ladylike.

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