Kraft der Komik

Michael Mittermeier kämpft für einen burmesischen Kollegen

Sein Name darf nicht öffentlich ausgesprochen werden, seine Filme und Stücke dürfen nicht gespielt werden. Er sitzt für Jahrzehnte im Knast. Der Komiker Zarganar gilt in Burma als Staatsfeind, ein Mann der mit Witz kämpft und sich nicht mundtot machen lässt.

Zarganars Waffe ist sein Witz - hier einer über drei Angeber: 'Der Amerikaner fängt an: 'Ein einbeiniger Amerikaner hat den Mount Everest zweimal bestiegen.' Meint der Engländer: 'Das ist gar nichts. Vor kurzem hat ein Engländer ohne Arme den Atlantik zweimal durchschwommen.' Darauf sagt der Burmese: 'Ihr Amerikaner und Engländer könnt einem leid tun. Unser Herrscher regiert seit 18 Jahren ohne Kopf!'"

Stand-Up Comedian in jeder Bedeutung

Für Witze wie diesen landete Burmas berühmtester Schauspieler und Komiker für 59 Jahre im Gefängnis. Denn das Regime der Generäle versteht keinen Spaß. Wenn der Begriff Stand-Up Comedian jemals stimmte, dann bei Zarganar. Denn er steht seit Jahrzehnten gegen die Herrscher auf. Er gilt als einer der Ideengeber für den blutig niedergeschlagenen Aufstand von 1988. Er unterstützte die Safran-Revolution der Mönche vor drei Jahren. Er war bereits mehrfach in Haft.

Trotz Verbots traf er 2007 den britischen Dokumentarfilmer Rex Bloomstein. "Die Mächtigen mögen mich nicht. Denn ich bin für sie der Impulsgeber, der Unruhestifter - deswegen mögen sie mich nicht", sagt er in dessen Kamera. Dann wurde er eingesperrt. Drei Jahre später begibt sich Bloomstein erneut auf Spurensuche und findet dabei einen unerwarteten Verbündeten: Michael Mittermeier. Der deutsche Comedian unterstützt seit einer Burma-Reise Waisenhäuser und Hilfsorganisationen und sieht in Zarganar einen Geistesverwandten.

"Ganz Burma liebt diesen Mann"

"Hätte ich als Comedian in der Nazizeit die Eier gehabt, auf die Bühne zu gehen und Witze gegen die Nazis zu machen?", so Mittermeier. "Ich kann diese Frage natürlich nicht beantworten, denn das wäre sehr schäbig zu sagen: Natürlich! Diesen Mut würden nur sehr wenig Menschen auf der Welt aufbringen - auch in der Konsequenz wie Zarganar." Mittermeier und die Filmemacher reisen als Touristen getarnt durch Burma. Zehn Tage lang versuchen sie erfolglos, Freunde und Kollegen Zarganars zu treffen. Alle sagen ab, da sie von der Staatsmacht bedroht worden sind.

Michael Mittermeier im aspekte-GesprächZarganars Strafe wurde von 59 auf 35 Jahre verkürzt, erfahren sie. Sein Geist ist allgegenwärtig. "Sie haben ihn jetzt weggesperrt für 35 Jahre, aber sie trauen sich nicht ihn umzubringen", sagt Mittermeier. "Denn das wäre ein wahnsinniger Gesichtsverlust, weil das ganze Land diesen Mann liebt. Selbst Soldaten oder Leute, die eigentlich für die Regierung arbeiten, sagen hinter vorgehaltener Hand: Zarganar ist so lustig, der ist ganz toll, das ist mein Lieblingskomiker." Die Filmemacher folgen Zarganars Spur bis zu dessen Gefängnis. Mittermeier zeigt sich dabei von einer unbekannten Seite: erschüttert und nachdenklich, politisch und wagemutig.

Filmteam vom Geheimdienst verfolgt

Um dem verehrten Kollegen so nah wie möglich zu kommen, filmt er selbst mit versteckter Kamera Zarganars Gefängnis. Das Team wird entdeckt, kann Spitzeln und Geheimdienst aber knapp entkommen und hört doch immer wieder neue Geschichten vom Gesuchten. "Er hat den Gefängnisaufseher verarscht", weiß Mittermeier zu berichten. "Die Geschichte ist uns von zwei Leuten erzählt worden. Das ist wie Wasser: Das dringt durch die Gefängnismauern, du kannst es nicht aufhalten. Das ist eine unfassbare Kraft."

Als Film ist "This Prison where I live" so rumpelig wie eine burmesische Landstraße. Aber als Dokument von Paranoia und Unterdrückung in diesem vergessenen Land ist der Film ergreifend und wichtig. Und für Mittermeier ein Freundschaftsdienst für einen Unbeugsamen.

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