Krieg gegen die Drogenbarone

"Cobra" - der neue Forsyth

Seit bald vierzig Jahren reist er, von London aus, rund um den Globus, und trifft sich - konspirativ, wie denn auch sonst? - mit Agenten, Militärs, gern auch mit Berufskillern und anderen dunklen Gestalten. Ihn interessiert nur der ganz dicke Fisch. Immer mittendrin, unter den Haien - so sieht er sich gern. Frederick Forsyth, der Nestor des politischen Thrillers, mittlerweile deutlich über Siebzig, ist bis heute in der Welt des schlimmstmöglichen Verbrechens zu Haus.

Dabei ist er eigentlich ein freundlicher älterer Herr. Zu seinen Schrullen gehört das tägliche Anfüttern der Lamas auf der eigenen Farm. Das Vertrauen in die Güte der Menschheit indes hat Forsyth lang schon verloren. Die schlimmstmöglichen Wendungen nehmen folglich auch seine Romane, die bis heute an der Schreibmaschine, nicht am Computer entstehen.

Lichtgestalt oder Schurke

Der Mann, der einst als Journalist in Bonn und Ostberlin Deutsch lernte, hat wenig Zweifel: Die Unterwelt sinnt auf Rache, diesmal erst recht. Denn in "Cobra", dem neuesten Coup, geht Forsyth mit der weltweiten Kokain-Mafia ins Gericht. Die Vertriebswege aus Kolumbien und Guinea-Bissau, die Unterdrückung der kleinen Coca-Bauern, die halbherzige Jagd nach den großen Dealern - all das wird hier minutiös dokumentiert. Über ein Jahr hat Forsyth mit seinem Team recherchiert. Nach vierhundert Seiten darf sich der Leser als Insider fühlen.

Im Weißen Haus nimmt die Geschichte ihren Anfang. Der Präsident persönlich - die Parallelen zu den Obamas sind unverkennbar - befiehlt eine weltweite Aktion gegen das Milliardengeschäft mit dem Kokain. Die Drogenbosse werden - dank einer Gesetzesänderung, die Forsyth zur Nachahmung empfiehlt - gejagt wie Terroristen. Was im Roman folgt, ist viel Action und leider wenig psychologische Zeichnung. Der alte Haudegen kennt einzig Lichtgestalten oder Schurken.

Ruf nach dem starken Mann

Im Buch steht es nicht gut um die Mission gegen das Kokain-Kartell, aller Anfangs-Erfolge zum Trotz. Die Sondervollmachten für den Einsatztrupp unter der Führung eines reaktivierten CIA-Agenten reichen nicht aus. Forsyths Botschaft ist politisch nicht eben korrekt. Doch just darin liegt, wortwörtlich, der Reiz dieses Romans, der unverhohlen nach dem starken Mann ruft.

Da klingt reichlich autoritärer Populismus mit - über den 13. Forsyth-Roman lässt sich trefflich streiten. "Cobra" ist weit mehr als ein routiniert gestrickter Thriller. Es ist die politische Provokation eines Konservativen, vor allem aber ein ungemein perspektivenreiches Aufklärungswerk über die Droge Kokain - Pflichtlektüre für alle Schnüffler des Schnees. Alles in allem eine ganze Menge für ein Stück Unterhaltungsliteratur.

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