Künstler für den guten Zweck

Engagierte Exponate auf der Biennale 2011

Auf der diesjährigen Biennale in Venedig sind auffallend viele Beiträge politisch angehaucht. Neben den Ländern der arabischen Welt, deren Teilnahme oder Nichtteilnahme wegen der politischen Umbrüche naturgemäß ein Politikum sind, gibt es zahlreiche Pavillons, in denen engagierte Kunst gezeigt wird.

Der freie Mensch ist der, der nicht fürchtet, seine Gedanken zu Ende zu denken - so meint der Holländer Han Hoogerbrugge - er zeigt die Ambivalenz der Freiheit. "Ich möchte dem Publikum nicht was auf's Auge drücken", sagt er. "Ich möchte in ihnen nur mehr Fragen provozieren, als sie sich vorher gestellt hatten."

Video des ermordeten Künstlers

Mann? Frau? Die philippinisch-dänische Künstlerin Lilibeth Cuenca-Rasmussen tanzt zwischen den Geschlechtern - als afghanischer Warlord und androgyner Lustknabe Sie sagt: "Ich wollte hier auf der Biennale etwas machen über die arabische Welt. Viele meiner Arbeiten beschäftigen sich mit Geschlechterrollen. Und ich habe diese Arbeit vor der ägyptischen Revolution gemacht."

Kunst wird dort am politischsten, wo die politischen Verhältnisse unsicher sind. Eben in Ägypten. Im ägyptischen Pavillon ist die Performance des Künstlers Ahmed Basiony von 2010 als Video zu sehen. 30 Tage rannte er in einem geschlossenen Raum auf der Stelle. Die Lebensfunktionen wurden dabei aufgezeichnet. Ein Bild für die Unterdrückung. Basiony filmte im Januar auf dem Tahrir-Platz - und wurde von Heckenschützen getötet.

Propaganda versus Original

Auch der Schweizer Pavillon gibt sich engagiert. Doch Thomas Hirschhorns Konsum- und Gesellschaftskritik wirkt im Vergleich wie eine ideologisch veraltete Rümpelkammer mit Sensationseffekt. In Venedig taucht das Politische in diesem Jahr überall auf. Das Motto des dänischen Pavillons: "Speech Matters" - die freie Rede zählt. 18 internationale Künstler gestalten das Gegenprogramm zu Bice Curigers "erleuchteten Nationen". Der Deutsche Thomas Killper hat für die Dänen eine "speakers-corner" gebaut. Als kritischer Kommentar sind hier neben Curiger der Biennale-Chef Baratta und der unvermeidbare Berlusconi in den Boden geschnitzt.

Die Fassadenbilder bringen das Thema China in den dänischen Pavillon. Sie stammen nicht von dem in Peking lebenden Künstler Zhang, der ebenfalls Gast im dänischen Pavillon ist. Er hat in Peking als erster Künstler Graffiti gemacht. In Venedig zeigt er Propagandabilder und konfrontiert sie mit den Originalabzügen. "Viele dieser Fotos sind für die Menschen in China sehr vertraut", sagt er. "Und wenn sie die Originale zu den Propagandabildern sehen, dann sind sie sehr überrascht. Und sie fühlen sich betrogen."

Biennale ermöglicht Begegnungen

In China erreicht Zhang Dali mit seiner "aufklärerischen" Kunst vielleicht sogar mehr Menschen als Megastar AiWeiwei. Zur Situation in seinem Land äußert er sich vorsichtig: "Die Beschränkungen für Kunst sind nichts Neues, die passieren nicht, weil Ai Weiwei getan hat, was er getan hat. Wir müssen nicht über seine Kunst urteilen. Aber wenn es darum geht, ihn als Bürger zu sehen, dann müssen wir ihn unterstützen."

Die Biennale ermöglicht Begegnungen. Sigalit Landau vertritt Israel. Aus dem Pavillon hat sie einen Erlebnisraum gemacht, in dem Wasser aus dem Kanal zirkuliert. Wasser - in Israel auch ein Überlebensfaktor. Genau wie die ständigen Grenzkonflikte. Sie hat ein Spiel installiert, das Jugendliche in der Region spielen - dabei geht es um Territorium. "Ja, das ist ein wunder Punkt mit den Grenzen", sagt Landau, "hier in der Ausstellung ist es ein Spiel, aber für uns in Israel ist es wirklich ermüdend in Anbetracht dieser Konflikte den Alltag zu leben."

"Keine Angst vor der Welt haben"

Landau arbeitet mit starken Symbolen und einfachen Materialien: das Salz des toten Meeres in einem Fischernetz. Zu einem Schuh geformt taut es Löcher in einen See. Ihr Werk verbindet sinnliche Kunst mit einem Projekt, das auch politisch ist: Sie möchte eine Brücke über das tote Meer bauen von Israel nach Jordanien. "Es heißt nicht, dass ich die Welt verändere, wenn ich eine Brücke baue", sagt sie. "Es heißt, dass ich keine Angst vor der Welt habe und ich weiß, dass sie voll ist von Individuen wie mir. Sie sind nicht alle Künstler, aber sie haben Vorstellungskraft." Die Biennale wird mehr und mehr zu einem Vorwärmer für den Kunstmarkt. Kunst, die quer liegt tut da wirklich gut.

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