Künstlersammler mit Haut und Haaren

Thomas Olbricht im Porträt

Ein Sammler hält Hof - Thomas Olbricht im österreichischen Krems.
Eröffnung einer Schau mit seiner Kunst. Willig erklärt er jedes Stück. Lebenslust und Totentanz - der Titel der Ausstellung trifft auf viele seiner Kunstwerke zu. Es geht um: Liebe, Sex, Leiden und Tod. Immer wieder - eindeutig Eindeutiges. Das künstlerisch Subtile muss man suchen.

Übertreibung ist alles

Olbricht erklärt:" Ich sammle hauptsächlich nach diesen Thematiken Liebe, Leben, Tod. Das hat sich so ergeben, weil die Künstler der letzten 500 Jahre diese Themen immer wieder aufgegriffen haben. Weil's eben unser Leben ist, das mit Liebe beginnt. Alterungsprozesse, Terror, Panik - bis hin zum Tod. Das ist banal."

Eine Renaissance-Madonna neben einem Foto von Bettina Rheims - auch irgendwie banal. Expressionisten schauen traurig aus in einer Reihe mit Terry Rodgers, dem neuen Meister alter Begierden. Viel nackte Haut - wenig Zwischentöne. Die Ausstellung in Krems führt den Sammler vor als Mann fürs Grobe. Übertreibung ist alles: Ein Foto aus dem Vietnamkrieg neben einer Skulptur, die ein irakisches Folteropfer zeigt. Hauptsache drastisch. Olbricht ist kein Mann der leisen Töne.

"Ich sehe mich nicht als Intellektuellen, sondern vielleicht als eine Art Künstler - als Sammlerkünstler. Ich sammele und die Werke begegnen sich das erste Mal. Nicht alle Werke passen. Aber indem ich weitersammle, kommen Werke zusammen, die korrespondieren.

"Ich sehe mich nicht als Intellektuellen"

Der Sammler als Künstler. Das ist originell. Als Spross der Wella-Familie und Großneffe des Sammlers Karl Ströher arbeitete Olbricht zunächst als Professor für Endokrinologie - als Hormonspezialist. Jetzt gehts nur noch um die Kunst. Zu der ist er über Spielzeugautos gekommen. Sammeln als Jagd, seine Passion.

"Ich freue mich tierisch, wenn ich ein kleines neues Spielzeugmodell, zum Beispiel einen Krankenwagen aus der Mongolei kriege. Den hab' ich noch nicht. Und genauso, wenn ich einen neuen Künstler oder eine neue Künstlerin erwerbe." Der Essener Olbricht hat jetzt einen Showroom in Berlin. Ein sehr schlichter Bau und eine optische Spaßbremse im spaßbedürftigen Berlin-Mitte.

Der Sammler als "Triebtäter"

Er ist mit seiner Sammlung bewusst nicht in seiner Heimat Essen geblieben. Denn in Berlin kommt nicht nur der OB vorbei, sondern jede Menge Touristen, die gern Kunst gucken. Von innen gibt sich der "ME" Collectors Room großzügiger als von außen. Helle Raumfluchten - Werke die ins Auge springen. Olbricht bleibt sich treu, zeigt Kunst, die niemanden überfordert. Michael Jackson im höfischen Stil. Eine Besonderheit: die Wunderkammer. Der Sammler tut es den alten Fürsten gleich, die in Kuriositätenkabinetten alles vereint hatten, was erstaunte und erschreckte.

"Ich staune über die Schildkröte - über gedrechselte Teile. Und dieses Staunen und Wundern, das möchte ich den Besuchern vermitteln. Das ist eines meiner Ziele." Thomas Olbricht ist als Sammler ein Triebtäter. Das macht ihn sympathisch. Unter seinen über 2000 Kunstwerken sind viele hochkarätige, die er noch nicht gezeigt hat. Dass er mit seinem Geschmack dominieren möchte, so wie die alten Fürsten, ist nicht von der Hand zu weisen.

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