Die Themen am 12. Dezember 2014

Moderiert von Katty Salié und Jo Schück

Die Themen und Gäste unserer Kultursendung am Freitag ab 23.00 Uhr.

Film-Highlight: Stephen Hawkings Leben im Kino

1963 gaben Ärzte ihm noch zwei Jahre zu leben. Heute ist er der älteste ALS-Patient überhaupt und einer der renommiertesten Physiker und Astrophysiker der Welt. Seine Arbeiten zur Kosmologie, Allgemeinen Relativitätstheorie und der Physik der Schwarzen Löcher revolutionierten so Einiges: Stephen Hawking. In seinem 72. Lebensjahr kommt nun ein Spielfilm über ihn in die Kinos: "Die Entdeckung der Unendlichkeit". Wer hier allerdings mehr über Hawkings Theorien erfahren will, wird weiter im Dunklen tappen, denn der Film erzählt die bewegende Liebesgeschichte von Stephen und Jane, seiner ersten Frau. Es war eine Ehe, die 25 Jahre hielt - dann aber unter dem ungeheuren Druck des Ruhms und der Arbeit zerbrach. Der Film lässt keine Emotionen aus, zeigt die ungemein starke Zuneigung Janes für Stephen - aber auch, wie schwierig der Überlebenskampf für Hawking war. Was diesen Film jedoch herausstechend gut macht, sind seine Darsteller: Eddie Redmayne, bisher bekannt aus seichten Komödien und englischen Historien-Schinken, verkörpert Stephen Hawking komplett und total. Er IST Hawking. Die Ähnlichkeit ist verblüffend – selbst Jane Hawking, auf deren Buch der Film basiert, war während des Drehs erstaunt. Eine aspekte-Empfehlung – und garantierte Oscar-Nominierung für Redmayne.

Das Arbeiterkind und die 68er - Ulla Hahns Roman "Spiel der Zeit"

Ulla Hahn, Jahrgang 1945, ist eine der bedeutendsten Schriftstellerinnen Deutschlands. Sie lebt in Hamburg und ist mit einem ehemaligen Bundesminister verheiratet. Dass sie wurde, was sie ist, war angesichts ihrer gesellschaftlichen Herkunft äußerst unwahrscheinlich – denn sie ist "dat Kenk vun nem Prolete", wie sie in ihren drei autobiographischen Romanen "Das verborgene Wort", "Aufbruch" und nun - gerade erschienen - "Spiel der Zeit" schreibt. Ulla Hahn schildert aufs Eindrucksvollste, wie sie durch Bildung der Enge ihrer proletarischen Herkunft entkommt - und dass, obwohl die Eltern im niederrheinischen Mohnheim unbedingt verhindert wollten, dass ihre Tochter "was Besseres wird" als sie selbst. Im dritten Teil des Romans kommt Ulla Hahns Alter Ego Hilla als Studentin nach Köln. Hier, im liberalen Klima der späten sechziger Jahre, gelingt es ihr, das Trauma einer Vergewaltigung zu überwinden, deren Opfer sie als junges Mädchen wurde. Ulla Hahn zeigt mit ihren Büchern, wie schwer es Kindern aus einfachen Verhältnissen gemacht wird, sich aus ihrem Milieu zu lösen und den gesellschaftlichen Aufstieg zu schaffen. Wie keine Andere hat sie den in der Nachkriegszeit geborenen Frauen eine Stimme gegeben. Wir stellen Ulla Hahns neues Buch vor und begrüßen sie als Gast im Studio.

Theater des Jahres: Die Intendantin des "Gorki", Shermin Langhoff

Sie zählt zu den profiliertesten Theatermachern Deutschlands: Shermin Langhoff. Erst vor einem Jahr hat sie das Berliner Maxim Gorki-Theater als Intendantin übernommen und es direkt mit der ersten Spielzeit geschafft: Das Gorki wurde zum "Theater des Jahres 2014" ernannt. Theater, das bedeutet für Shermin Langhoff: Einmischung. Gesellschaftlich relevante Themen will sie verhandeln. Schon immer. Das Kreuzberger Ballhaus Naunynstraße hat sie vor ein paar Jahren zum "postmigrantischen Theater" ausgerufen, in dem die Geschichten der dort lebenden "Gastarbeiter"-Kinder und -Enkel erzählt werden. Langhoff ist selbst als Kind aus der Türkei nach Deutschland gekommen, ihre Mutter war Fabrikarbeiterin - die eigene Biografie als Schlüssel zu ihrem Theaterverständnis. Shermin Langhoffs Engagement beschränkt sich nicht auf die Bühne. Das Gorki ergreift Partei, unterstützt Menschenrechtsaktionen und bezieht klare Stellung in der Berliner Flüchtlingspolitik. Mit Shermin Langhoff hat es eine streitbare - in manchen Kreisen durchaus umstrittene - Intendantin. Wir begrüßen sie als Gesprächsgast in unserer Sendung.

"Propaganda" - das Schlagwort des Jahres 2014

Was stimmt an den Nachrichtenbildern über den Ukraine-Konflikt, was ist falsch, was Propaganda? Russische, ukrainische und westliche Medien liefern unterschiedliche, oft völlig gegensätzliche Berichte und Analysen, je nach Interesse. 25 Jahre nach Ende des Kalten Krieges müssen wir uns wieder klarmachen, was Propaganda eigentlich ist. Wir sprechen darüber mit dem Medienhistoriker Gerhard Paul und dem Publizisten Jakob Augstein. Zur wirkungsvollen politischen Waffe wurde Propaganda vor 100 Jahren, im Ersten Weltkrieg: Film- und Foto-Kameras machten erstmals einen Krieg der Bilder möglich. Was so echt anmutet, wurde in Feuerpausen, manchmal auch jenseits der Schlachten, nachgestellt. Experten schätzen, dass nur 10 Prozent der Archivbilder aus dem Ersten Weltkrieg authentisch sind. Bilder sind bis heute das stärkste, das eindrücklichste Mittel der Propaganda. So auch im großen Konflikt dieses Jahres, der Ukraine-Krise. Im russischen Fernsehen sprach man seit dem Beginn der Proteste auf dem Maidan fast nur von Faschisten und zeigte die ukrainischen Nationalisten der Splitterpartei "Swoboda" mit Nazi-Symbolen. Bilder, die wiederum in westlichen Medien fast gar nicht vorkamen. "Mit Pressefreiheit in unserem Sinne" habe das nichts zu tun, so Jakob Augstein. Aber auch die NATO wende solche Methoden an. Eines allerdings hat sich seit dem Ersten Weltkrieg geändert: Die Bildergläubigkeit ist dahin, die Quellen zu überprüfen wird daher immer wichtiger. Dank des Internets hat jeder die Chance dazu. Theoretisch.

Vorausblick: Kulturmenschen 2015

Wer wird im kommenden Jahr die Kulturlandschaft prägen, welche Newcomer werden uns überraschen? Wir stellen in in sechs Miniporträts vielversprechende Künstler vor, die sich gerade auf dem Absprung zu noch Größerem befinden: die Schriftstellerin Gertraud Klemm, die Schauspieler Jasna Fritzi Bauer und Moritz Gottwald, die Sopranistin Hanna-Elisabeth Müller, der Pianist Daniil Trifonov und die Videokünstlerin Jasmina Metwaly.

Oskar Schlemmer in Stuttgart – die aufregendste Ausstellung 2014

Der weltberühmteste Unbekannte der deutschen Kunstgeschichte ist endlich neu zu entdecken: Oskar Schlemmer. Die Schau "Visionen einer neuen Welt" in seiner Heimatstadt Stuttgart zeigt Werke des Bauhaus-Künstlers in nie gekannter Fülle. Jahrelang hatten Streitigkeiten mit den Erben Präsentationen dieses Künstlers zum Wagnis werden lassen. 70 Jahre nach dem Tod des Bauhaus-Meisters zeigt die Staatsgalerie nun endlich wieder seine Werke. Das Urheberrecht ist erloschen, und die Erben Oskar Schlemmers haben nicht mehr mitzureden, wenn es um die Auslegung seines Werks geht. Meilensteine der Moderne wie sein Gemälde "Baushaustreppe" oder das Bühnenwerk "Das triadische Ballett" werden nun wieder gezeigt. Wir sprechen mit dem Berliner Kunstanwalt Peter Raue und lassen auch Raman Schlemmer, einen Enkel Oskar Schlemmers, zu Wort kommen.

aspekte-Museumslotto: Heinrich-von-Kleist-Museum, Frankfurt/Oder

Im aspekte-Museumslotto, das ein Mal pro Monat einem kleinen Museum die Chance gibt, sich vor einem Millionenpublikum zu präsentieren, hat in der letzten Ziehung das Heinrich-von-Kleist-Museum in Frankfurt an der Oder gewonnen. Ein Team von aspekte ist an die Oder gefahren, um sich dort – in Kleists Geburtsort - genauer umzusehen. Besonders neugierig darauf, welche Exponate am Ende geblieben sind von einem Dichter, der sich schon mit 34 Jahren zusammen mit einer noch jüngeren Frau das Leben nahm.

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