Die Themen am 13. November 2015

Moderiert von Katty Salié und Jo Schück

Tom Hanks in "Bridge of Spies"

Kultur | aspekte - Die Themen am 13. November 2015

Jeppe Hein sprengt mit dem Charme eines kleinen, spielfreudigen Jungen unsere Wahrnehmungsmuster. aspekte-Autor Peter Schiering traf ihn in seiner Ausstellung "This way" im Kunstmuseum Wolfsburg.

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Die Themen und Gäste unserer Kultursendung am Freitag um 23.45 Uhr.

Krimi über die Rätsel des NSU

Die Mörder und der Verfassungsschutz

Die beiden rechtsradikalen Terroristen Uwe Mundlos und Uwe Böhnhardt haben sich am 4.11.2011 auf der Flucht vor der Polizei in einem Wohnmobil in Eisenach selbst erschossen. So lautet die offizielle Version ihres Todes. Wenn man allerdings ein Foto vom Tatort betrachtet, dann müsste hinter Uwe Mundlos, nachdem er sich eine Kugel in den Kopf gejagt hat, ungefähr ein Kilogramm Hirnmasse zu sehen sein. Das aber ist nicht der Fall - im ganzen Wohnmobil findet sich davon keine Spur. Für den Stuttgarter Schriftsteller Wolfgang Schorlau ist dies ein deutlicher Hinweis, dass die offizielle Theorie vom Selbstmord der NSU-Täter nicht stimmen kann. Schorlau hat als erster Autor gewagt, einen Roman über den spektakulärsten und mysteriösesten Kriminalfall der bundesdeutschen Geschichte zu schreiben. Sein bewährter Held, der Stuttgarter Privatermittler Georg Dengler, soll für einen anonymen Auftraggeber herausbekommen, wie die beiden Uwes tatsächlich zu Tode gekommen sind. Die Spur führt ihn zu den deutschen Sicherheitsbehörden. Zentrale Frage: Welche Rolle spielt der Verfassungsschutz? Schorlau gelingt es in seinem Krimi eindrucksvoll, den NSU-Terror so zu erzählen, dass auch der Laie angesichts der vielen Details nicht verzweifelt. Was die bekannten Fakten betrifft, hält sich Schorlau streng an die Realität. Nur im Hinblick auf die Erklärungen der Todesursache erlaubt er sich, eine eigene Theorie zu entwickeln. Er geht sogar so weit, über eine Mittäterschaft von Personen des deutschen Inlands-Geheimdienstes zu spekulieren. Das muss sich der deutsche Verfassungsschutz wohl gefallen lassen, denn bis zum heutigen Tag hat er die Aufklärung des NSU-Terrors und seiner eigenen Rolle dabei behindert - nicht zuletzt durch das systematische Schreddern seiner Akten.

Steven Spielbergs "Bridge of Spies"

Hollywood bei Premiere in Berlin

Großer Aufruhr voriges Jahr in Berlin: Steven Spielberg dreht in der Hauptstadt! Und dazu noch eine Berlin-Geschichte, die Story vom Agentenaustausch auf der Glienecker Brücke. Selbst Angela Merkel wollte da nicht abseits stehen und machte dem Regisseur und seinem Star Tom Hanks die Aufwartung. Spielberg/Hanks sind inzwischen Gewohnheitstäter im Aufarbeiten von Zeitgeschichte, hier ist es die Vita des Juristen James B. Donovan. Und das Material klingt vielversprechend: eine wahre Geschichte aus der Hochphase des Kalten Kriegs. Mauerbau, Spionage auf beiden Seiten und heimliche Strippenzieher hinter den Kulissen. Der Fall: ein empathisch veranlagter Versicherungsanwalt verteidigt zuerst den meistgehassten Mann der USA, den russischen Spion Rudolf Abel, bewahrt ihn vor der Hinrichtung und fädelt später hinter den Kulissen seinen Austausch gegen den abgeschossenen US-Spionage-Piloten Gary Powers zwischen den Geheimdiensten beider Seiten ein. Stoff für ein großes Hollywood-Epos. Ergebnis: Mal sehen.

Der dänische Künstler Jeppe Hein

Labyrinth im Kunstmuseum Wolfsburg

Er hat den Charme eines kleinen Jungen, der gern in seinem Spielzimmer Wunder vorführt. Und der auch manchmal einen diebischen Spaß hat, wenn diese Wunder krachen und physikalische Grenzen überschreiten. Jeppe Hein, gebürtiger Däne, 40 Jahre jung, experimentiert gern mit den Elementen, verblüfft mit slapstikartigen Effekten, wenn zum Beispiel eine Museumsbank plötzlich zur Seite rollt, wenn man sich daraufsetzt, oder Besucher durch einen Springbrunnen laufen können, ohne nass zu werden. Wie geht das denn? Diese Frage kann man sich bei Heins Kunst ständig stellen. So auch in seiner aktuellen Ausstellung im Kunstmuseum Wolfsburg, wenn ein Wasserstrahl von Wand zu Wand "hüpft", ohne dass etwas daneben geht. Mitmachkunst vom Feinsten, die Einen fast vergessen läßt, dass der erfolgreiche Däne einen ausgewachsenen Burnout hinter sich hat. Doch selbst den integriert er in seine erlebnisdichte Wahrnehmungswelt.

Der deutsch-russische Museumsdialog

Zehnjähriges Jubiläum

Mit einem Kolloquium in der Berliner Akademie der Künste begeht der "Deutsch-Russische Museumsdialog" am 16. und 17. November sein zehnjähriges Bestehen. Das klingt erstaunlich positiv angesichts der politischen Gesamtwetterlage zwischen Deutschland und Russland. Tatsächlich wollen die rund 200 Chefs von Museen beider Länder, die im "Museumsdialog" ihre Zusammenarbeit organisieren, den Aufbau vertrauensvoller Beziehungen nicht gefährden. Denn sie haben oft erst seit dem Fall des Eisernen Vorhangs die Chance, in ihrem Metier die Folgen des Zweiten Weltkrieges aufzuarbeiten. Da geht es um Spuren verlorener Kunstschätze – wie bei den jüngst im Moskauer Puschkin-Museum nach 70 Jahren aufgespürten "Donatello"-Skulpturen aus dem Berliner Bode-Museum. Oder um das Zusammenbringen der seit dem Krieg auseinandergerissenen Gothaer Cranach-Sammlung – ein kunsthistorischer Paukenschlag, den sich das Puschkin-Museum und das Gothaer Schloss Friedenstein für 2017 vorgenommen haben. Einfach sind diese Projekte nie, zumal es fast immer um "Beutekunst" geht, über die Deutsche und Russen bekanntlich gegensätzliche Rechtsauffassungen haben. Manchmal wird es noch komplizierter: Seit Jahren bemüht sich das Aachener Suermondt-Ludwig-Museum um Gemälde aus seiner Sammlung, die der Sowjetarmee 1945 in die Hände gefallen waren. Viele dieser Bilder befinden sich heute in Simferopol - auf der Krim. Völkerrechtlich ukrainisch, faktisch russisch. Muss da nicht auch der Museumsdialog zwischen die Stühle geraten?

Diane von Fürstenbergs Autobiografie

"Die Frau, die ich sein wollte"

"Die Frau, die ich sein wollte" - so ist die gerade erschienene Autobiografie der Modemacherin Diane von Fürstenberg überschrieben. Sie ist die Frau, die das Wickelkleid erfunden hat. 1974 hat sie es in New York präsentiert und mit diesem so simplen wie raffinierten Büro-, Ausgeh- und koffertauglichen "Wunderteil" ein unübersehbares Zeichen in der Modewelt gesetzt. Das "Wrap Dress", Symbol für Freiheit, Sexiness und Souveränität, machte die Designerin innerhalb kürzester Zeit berühmt und finanziell unabhängig - verwandelte die glamouröse Jet-Set-Prinzessin aus Europa in eine umtriebige Business-Frau. In einer Zeit, als das noch längst nicht selbstverständlich war, gelang es ihr, Karriere und Kinder zu vereinbaren und ein selbstbestimmtes Leben zu führen. Als der Hype um ihre Mode irgendwann nachließ, machte sie einen Abstecher ins Verlagswesen, kehrte aber bald wieder ins Fashion-Business zurück. Mit über 50 gelang ihr Ende der 90er Jahre schließlich ein fulminantes Comeback. Ein Phänomen: Mit fast 70 ist Diane von Fürstenberg bis heute die beste Botschafterin ihrer Marke - und das, obwohl ihre Entwürfe sich an Frauen richten, die vielleicht halb so alt sind wie sie. Was macht ihre Mode so interessant und vor allem: Warum ist diese Frau noch immer so faszinierend? aspekte trifft sie anlässlich ihrer Buchvorstellung in Berlin.

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