Die Themen am 16. Oktober 2015

Moderiert von Jo Schück und Tobias Schlegl

Die Themen und Gäste unserer Kultursendung am Freitag ab 23.00 Uhr.

Rapper Xatar. Vom Knast in die Charts

Die Autobiographie "Alles oder nix"

Er ist tatsächlich ein 'Multi-Talent': Spricht sechs Sprachen, studierte in London Musik und Wirtschaft, ist vorbestraft wegen Körperverletzung in den USA, verurteilter Goldräuber mit mehrjähriger Haftstrafe in Deutschland, (nicht sehr erfolgreiche) TV-Figur – und erfolgreicher Rapper, einflussreicher Musikproduzent. Giwar Hajabi, genannt "Xatar", wurde als Kurde im Iran geboren, seine Eltern flohen vor Khomeni und später Saddam Hussein, landeten schließlich im Bonner Problemviertel Brüser Berg - Ausgangspunkt für Xatars Karriere. Nun hat Xatar ein Buch veröffentlicht, es ist eine Art Lebensbeichte. Der Titel: "Alles oder Nix". Ein Treffen und ein Gespräch über Werte, Willkommenskultur, Glauben - auch an die Musik.

Richard Fords neues Buch "Frank"

Erschütterung der US-Mittelschicht
Seit fast 30 Jahren schreibt der amerikanische Autor Richard Ford über seinen Kult-Helden Frank Bascombe. Nach den großen Romanen "Der Sportreporter", "Unabhängigkeitstag" und "Die Lage des Landes" erscheint nun der Novellenband "Frank". Im amerikanischen Original heißt er: "Let me be Frank with you", also : '"Lass uns ganz offen sprechen". Und das tut Frank Bascombe, von dem sein Schöpfer Ford immer beteuert, er sei trotz vieler Parallelen zu seinem eigenen Leben nicht sein Alter Ego, im neuen Buch ganz besonders. Frank ist schonungslos und lakonisch, wenn er die Verwüstungen des (eigenen) Lebens und die Entwicklung der amerikanischen Gesellschaft kommentiert. Die vier Novellen des Buchs "spielen" im Dezember 2012, kurz vor Weihnachten. Der Mega-Hurricane Sandy hat vor kurzem die Küstenregion des Bundesstaats New Jersey verwüstet, wo Frank Bascombe lange als Immobilienmakler arbeitete. Frank ist also unterwegs in Ruinen, in denen der Zivilisation - und natürlich seiner Existenz.

Oliver Stone vs. die Weltmacht USA

"Amerikas ungeschriebene Geschichte"
Sind die Vereinigten Staaten von Amerika eine unverzichtbare globale Ordnungsmacht, der internationale Motor von Recht und Freiheit? Oder sind sie ein rücksichtsloses Imperium, das seine Werte mit Füßen tritt, sobald die eigenen Interessen berührt werden? Für den Hollywoodgiganten Oliver Stone liegt der Fall klar: Amerika ist eine von Machtpolitik besessene Weltmacht. Nun hat der Regisseur von Filmen wie "Geboren am 4. Juli", "Wallstreet“ und "Natural Born Killers" gemeinsam mit dem Historiker Peter Kuznick mit der amerikanischen Außenpolitik der letzten 150 Jahre abgerechnet. "Amerikas ungeschriebene Geschichte. Die Schattenseiten der Weltmacht" heißt das Buch. Es beleuchtet die US-Geschichte von der Atombombe und dem Wettrüsten im Kalten Krieg über die Regimewechsel in Asien und Südamerika bis zu den beiden Irakkriegen und den Folgen. Es sei wichtig, die Geschichte genau zu kennen, erklärt Stone, denn nur so gebe es Hoffnung auf politische Veränderung. Vom amtierenden Präsidenten Barack Obama ist er enttäuscht, weil er den imperialen Kurs seiner Vorgänger fortsetzte. Den Europäern empfiehlt er, künftig den eigenen Interessen zu folgen und sich nicht länger von den USA als "Satellit" gegen Russland missbrauchen zu lassen. Stone hat eine eindrucksvolle, enorm faktenreiche und zum Teil erschreckende Gegengeschichte zur oft glorifizierenden offiziellen Darstellung der amerikanischen Weltmachtrolle geschrieben.

Jo Schück auf der Buchmesse

Die Highlights aus Frankfurt

Mit 7200 Ausstellern und rund 4000 Veranstaltungen ist die Frankfurter Buchmesse die größte Bücherschau weltweit. Gastland ist in diesem Jahr Indonesien - ein Land mit einer riesigen Bevölkerung und wenigen Lesern, wie Schriftsteller aus Indonesien selbst sagen. Eine Herausforderung für die Literaten. aspekte-Moderator und -Reporter Jo Schück spricht mit ihnen darüber, was indonesische Literatur ausmacht und worum es ihnen in ihren Büchern geht. Im Fokus der Buchmesse steht auch auch das Thema, das Deutschland aktuell am stärksten beschäftigt: der Umgang mit den Flüchtlingen. Wie sehen das politisch engagierte Autoren wie Rafik Schami oder Feridun Zaimoglu? Warum äußerst sich ein ehemals linker Historiker wie Jörg Baberowski so dezidiert ablehnend? Und Jo Schück trifft Annika Lindgren, die Enkelin der weltberühmten Kinderbuchautorin Astrid Lindgren, deren Tagebücher aus der Zeit des Zweiten Weltkriegs gerade erschienen sind. Außerdem: ein Gespräch mit Frank Witzel, dem Gewinner des Deutschen Buchpreises und - mit Sicherheit - die ein oder andere unerwartete Messe-Entdeckung.

Charlotte Roches "Mädchen für alles"

Ausbruch aus der Mutter-Hölle

Was, wenn die Dinge nicht nach Plan laufen? Was, wenn eine Mutter ihr Kind nicht liebt? Was, wenn die Ehe im Seichten dümpelt? Was, wenn kein Lebensziel in Sicht ist? Was, wenn man sich selbst auch schon gar nicht mehr leiden kann? Glotze an, Drogen her und abwarten. In diesem Zustand befindet sich Chrissi. Und dann stellt ihr Mann ein Kindermädchen ein. Das Erscheinen von Marie verändert alles - es macht Chrissis Leben interessanter, dem Leser das Leben jedoch schwerer. Ja, es gibt wieder Sexszenen, ja, es gibt wieder schamlose Bekenntnisse und ja, es gibt ein verblüffendes Ende. Aber eigentlich hätte man lieber gewusst, wie es mit dem Tabu der nichtexistenten Mutterliebe weitergeht. Wieder einmal ist Charlotte Roche da am besten, wo sie ihr Augenmerk auf die Tabubrüche lenkt. Sie sieht schonungslos in die Tiefe - dorthin, wo viele eher nicht so gerne hinschauen. Banaler wird der neue Roman, wo er auf bewährte Weise versucht, den Leser zu schockieren. Das klappt beim dritten Mal nicht mehr so richtig - zu sehr hat man sich an das skandalträchtige Potential der Roche-Bücher gewöhnt.

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