Die Themen am 17. Juli 2015

Moderiert von Katty Salié und Tobias Schlegl

Die Themen und Gäste unserer Kultursendung am Freitag ab 23.00 Uhr.

Lust am Töten. Was Breivik, IS und Co. vereint

Das Lächeln des Massenmörders Anders Breivik während seines Prozesses - für die Angehörigen der Opfer war es kaum zu ertragen. Bei jedem Schuss laut gelacht haben soll der Täter, als er 2011 auf einer norwegischen Insel 67 junge Menschen ermordete. Eine achtzehnjährige Überlebende, die sich vor ihm ins Wasser retten konnte, erinnert sich: "Hinter uns konnten wir immer noch die Schüsse, das Schreien und das Lachen dieses Bastards hören, während er schoss und schrie 'Ihr kommt nicht davon.'" Was ist dieses Lachen des Killers, fragt Klaus Theweleit in seinem gerade erschienen Psychogramm der Tötungslust. Der Freiburger Kulturwissenschaftler ist ein Experte für männliche Gewaltphantasien. Ende der 70er Jahre analysierte er die faschistoiden Männlichkeitsvorstellungen des soldatischen Körpers - sein Buch wurde Kult. Jetzt knüpft er an seine Theorien von damals an. Er nennt die Täter "frei flotierende SS Männer" und hält ihre Ideologien für austauschbar. Das gelte sowohl für den blutigen Protest-Islam der IS-Kämpfer wie auch für den Islamhass von Anders Breivik. Die Mörder verbinde eine tiefe Krise ihrer Männlichkeit. Das Töten, so lautet Theweleits gewagte These, bringe den Mördern - ganz normalen Männern - eine Art Spannungsausgleich, ein körperliches Gleichgewicht. Homöostase nennt er diesen psycho-physischen Prozess. Wir sprechen mit Klaus Theweleit im Studio über seine Gewalttheorie.

Pep Guardiola Superstar: Der Trainer und die Macht der Poesie

Das kulturelle Ereignis der Saison in München war in diesem Sommer nicht eine Opern- oder Theaterpremiere oder irgendeine Ausstellungseröffnung, sondern ein Fußballtrainer, der Verse vorträgt - und zwar auf Katalanisch. FC Bayern-Trainer Josep Guardiola trat im Münchner Literaturhaus mit Gedichten des katalanischen Nationaldichters Miquel Martí i Pol auf, mit dem ihn - bis zum Tod des Dichters - eine tiefe Freundschaft verband. Obwohl im Publikum kaum jemand Catalan verstand, waren die Leute hingerissen. Unglaublich, dieser Pep! Er ist so viel mehr als ein Trainer, jubelten manche Zeitungen. aspekte denkt nach über den Fußballtrainer, das schillernde Wesen, und seinen Faible für Poesie.

Brotfrucht global - Social Gardening gegen Hungersnöte

Seit einigen Jahren gibt es an der Goethe-Universität Frankfurt/Main die Fachrichtung "Kulinarische Ethnologie". Ihr Erfinder, Prof. Marin Trenk, beschäftigt sich mit der Globalisierung unserer Speisen - von der ersten Globalisierungswelle im 16. Jahrhundert mit Kartoffel und Tomate bis zur dritten großen Welle nach dem  Zweiten Weltkrieg von Pizza-Hut bis Starbucks. In seinem gerade erschienenen Buch "Döner Hawaii" geht es aber auch um jüngste Trends im globalisierten Essen - unter anderem in der "unter Druck geratenen Ess-Provinz Ozeanien".

#abnachhellas
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Von dort stammt die Brotfrucht, die von dem deutschen Naturforscher und Mainzer Revolutionär Georg Forster entdeckt und durch die "Meuterei auf der Bounty" berühmt wurde. Captain Bligh scheiterte Ende des 18. Jahrhunderts im ersten Anlauf daran, Brotfrucht-Pflanzen von Tahiti in die Karibik zu bringen. Dafür sorgen heute unter anderem Deutsche: Denn bei der internationalen Anti-Hunger-Initiative "Global Breadfruit" zur weltweiten Verbreitung der Brotfrucht betreiben Gartenbauspezialisten aus der Forster-Stadt Mainz mittels In-Vitro-Kultivation die massenhafte Vermehrung von Brotfruchtbäumen - in enger Kooperation mit dem Brotfrucht-Institut auf der Hawaii-Insel Kauai. Tausende junge Pflanzen haben Forsters Erben bislang herangezogen und in über 30 Ländern - wie Pakistan, Liberia oder Haiti - kahle Landstriche mit der Brotfrucht wieder aufgeforstet. Mehr als 60.000 Brotfruchtbäume konnten bislang unter Berücksichtigung strenger ökologischer Standards verbreitet werden. Immerhin kann ein Baum bis zu vier Menschen im Jahr mit Proteinen und Kohlenhydraten versorgen - und dies bis zu 50 Jahre lang. Und ständig wächst das Kochbuch der Initiative - es belegt, dass die Brotfrucht als globales Ethnofood der Zukunft taugen könnte.

Inside Iran - Jafar Panahis neuer Film "Taxi Teheran"

"Taxi - Teheran", der jüngste Film des iranischen Regisseurs Jafar Panahi ist bei der diesjährigen Berlinale mit dem Goldenen Bären ausgezeichnet worden. Dabei dürfte es diesen Film eigentlich gar nicht geben. Der Regisseur hat seit 2010 nicht nur Berufsverbot in seinem Heimatland, sondern steht zudem unter Hausarrest. Dennoch gelingt es ihm regelmäßig, Filme zu drehen, in denen er sich mit den politischen Zuständen im Iran auseinandersetzt. Und es gelingt ihm ebenso regelmäßig, diese Filme aus dem Land zu schmuggeln und sie über internationale Festivals weltöffentlich zu machen. In seinem jüngsten Werk "Taxi - Teheran" fährt er als Taxifahrer durch die iranische Hauptstadt, befördert die unterschiedlichsten Menschen. Was zunächst beinahe wie ein Dokumentarfilm anmutet, erweist sich als klug komponiertes Spiegelbild der iranischen Gesellschaft und pointierte Kritik an der Staatsmacht und ist zudem - das ist die große Kunst - ein unterhaltsamer und stellenweise sogar heiterer Film.

Live auf der aspekte-Bühne: Akkordeon-Virtuose Vincent Peirani

Vincent Peirani beherrscht sein Instrument virtuos, und er liebt es leidenschaftich. Der französische Musiker hat das Akkordeon aus der Folklore-Ecke herausgezogen und neu belebt. Bisweilen dient es ihm sogar als "Schlagzeug". Dabei hat er das Akkordeon als Kind gehasst. Der Vater zwang ihn, das Instrument zu lernen, obwohl Vincent viel lieber Schlagzeuger geworden wäre. Peirani, Jahrgang 1980, fing mit elf Jahren an, Akkordeon zu spielen: klassische Musik zunächst. Schon als Jugendlicher gewann er zahlreiche Preise. Mit 16 entdeckte er den Jazz, studierte am Nationalkonservatorium in Paris und begann, sich in der französischen Jazz-Szene einen Namen zu machen. Mittlerweile ist er auch international eine Größe. Vor ein paar Wochen wurde er mit gleich zwei Jazz-Echos ausgezeichnet. Doch er lässt sich auf kein Genre festlegen. Auf seinem neuen Album "Living Being" experimentiert er in Richtung Jazz-Rock - gemeinsam mit einer Band aus seiner Heimatstadt Nizza.

Museumslotto: "Porzellanmuseum Meißen"

Im aspekte-Museumslotto, das ein Mal pro Monat einem Museum die Chance gibt, sich vor einem Millionenpublikum zu präsentieren, hat in der letzten Ziehung das "Porzellanmuseum Meißen" gewonnen, das die über 300-jährige Geschichte des europäischen Porzellans erlebbar macht. Ein Team von aspekte hat sich in die Stadt an der Elbe aufgemacht, nicht nur, um die Elefanten im Meißener Porzellanladen abzulichten …

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