Die Themen heute Abend

Moderiert von Katty Salié und Jo Schück

Die Themen und Gäste unserer Kultursendung am Freitag ab 23.25 Uhr.

Botticelli Renaissance in Berlin

Große Schau in der Gemäldegalerie

Sein Stil wurde Kult unter den damaligen Potentaten. Horden von Museumsbesuchern warten heute tagtäglich vor den Uffizien in Florenz, um für ein paar Minuten "La Primavera" zu sehen, oder "Die Ankunft der Venus". Bilder von Sandro Botticelli, der mit bürgerlichem Namen Alessandro di Mariano Filipepi hieß. Bilder, die in ihrer Zeit überhaupt nicht für ein Massenpublikum bestimmt waren, sondern unter anderem in Schlafgemächern von gegen ihren Willen verheirateten, blutjungen Herrschertöchtern hingen. Die Medici, die legendäre florentinische Adelsfamilie, waren die Großsponsoren von Kunst, Dichtung und Philosophie in der Renaissance. Neben der Kirche waren sie die mächtigsten Auftraggeber. Und Botticelli lieferte. Ob Andachtsbild oder mythologische Verklärung. Eine Schau in der Berliner Gemäldegalerie zeichnet jetzt den Blick der Jahrhunderte auf Botticelli nach. Dabei werden die mangaartigen Versionen der "Venus", geschaffen von der Japanerin Tomoko Nagao, genauso gezeigt wie Cindy Shermans Selbstbildnis als Simonetta Vespucci mit entblößter Brust und Milchstrahl. Auch in Berlin ist mit einem Besucher-Ansturm zu rechnen.

Neil MacGregor über Deutschland

"Erinnerungen einer Nation"

Er ist der Star unter den Museumsdirektoren. Der Leiter des British Museum in London gilt nach seiner fulminanten Ausstellung "Deutschland – Erinnerungen einer Nation" im vorigen Jahr als einer der besten Kenner deutscher Geschichte und Befindlichkeiten. Und: er wird demnächst das Humboldt-Forum in Berlin mit aufbauen. In seinem neu erscheinenden Buch mit dem gleichen Titel - "Deutschland – Erinnerungen einer Nation"- beschäftigt er sich jetzt mit den Widersprüchen und Spannungen in der deutschen Historie - gerade in diesen Tagen ein wichtiger Blick auf unser Land.

Roman der Stunde von Jenny Erpenbeck

"Gehen, ging, gegangen"

Vor einem Jahr machten die Flüchtlinge vom Oranienplatz Schlagzeilen: Hungerstreiks, wildes Campieren, Gewalttaten zwischen Unterstützern und Gegnern. Tiefes Unbehagen gegenüber Fremden aber auch gegen die deutsche Asylpolitik spaltete das sonst so liberale Berlin. Die Schriftstellerin Jenny Erpenbeck hat aus diesen Zutaten ihren neuen Roman "Gehen, ging, gegangen" geschaffen - der es nun auf die Shortlist des Deutschen Buchpreises geschafft hat. Was wurde aus den Flüchtlingen und wie kann die Literatur dazu beitragen, die Realität näher zu bringen? Jo Schück spricht mit Jenny Erpenbeck im aspekte-Studio.

"Der Staat gegen Fritz Bauer" im Kino

Die schwierige Jagd auf NS-Verbrecher
Es war ein Kampf David gegen Goliath: Der hessische Generalstaatsanwalt Fritz Bauer hatte den Staat gegen sich. Er wollte in den 50er Jahren Nazi-Verbrecher vor Gericht bringen. Doch in allen Behörden - ob Bundeskriminalamt oder Bundesnachrichtendienst - hatten ehemalige Nazis ihre Karrieren nach dem Krieg nahtlos fortgesetzt. Es gab in der jungen Bundesrepublik kein Interesse an Aufklärung - im Gegenteil. Fritz Bauer wurde bedroht und behindert. Der jüdische Jurist galt als Störenfried. Er machte trotz Morddrohungen weiter und leistete Unglaubliches. Dieser Film setzt ihm ein spätes Denkmal. Im Kino ab 1. Oktober.

Matthias Lilienthal an den Kammerspielen

Strippenzieher des deutschen Theaters

Der Berliner Theatermacher Matthias Lilienthal wird neuer Intendant an den Kammerspielen in München. Seine Amtszeit läutet er auf der Straße ein: mit temporären, "doppelt schäbigen" Apartments für 35 Euro die Nacht weist er auf die extreme Wohnungsnot in München hin. Wie kommt der Mann, der gerne "so mit Flüchtlingen und freien Gruppen rummacht" in München klar? Um gleich mal klar zu stellen, dass er auch klassisch kann, eröffnet er am 10. Oktober die Spielzeit mit Shakespeare. Das Theater will er nicht als elitären Raum begreifen, sondern als Ort für Reflexion und Begegnung. Kämpfen will er für ein jüngeres Publikum. Dafür richtet er eine "Kammer-Flat" ein, die Kammerspiele sollen zum Wohnzimmer, zum Club werden. Wir begleiten den Strippenzieher der Theaterwelt und fragen ihn, was Theater heute leisten muss, was ihn sorgt und wovon er träumt.

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