Die Themen am 22. Januar 2016

Moderiert von Katty Salié und Jo Schück

Kultur | aspekte - Die Themen am 22. Januar 2016

"Islam und Integration. Schaffen wir das?" Frank Vorpahl hat dazu die Autorin und Journalistin Güner Balci getroffen. Sie ist überzeugt: "Am Ende ist das der Knackpunkt: Es dreht sich alles um Sex."

Beitragslänge:
11 min
Datum:
Verfügbarkeit:
Video verfügbar bis 20.01.2017, 18:44

Die Themen und Gäste unserer Kultursendung am Freitag um 23.45 Uhr

"The Hateful 8"

Der neue Film von Quentin Tarantino

Es ist Winter in Red Rock. In einem Handelsposten vor der Stadt trifft ein Häuflein merkwürdige Gestalten im Blizzard aufeinander: der Henker und seine Gefangene, der Sheriff, der Kopfgeldjäger und einige noch weniger Vertrauen erweckende Gestalten. Etwas ist faul in der Blockhütte, während draußen der Blizzard tobt. Am Ende steht mit Quentin Tarantinos achtem Film der vielleicht redseligste und zugleich blutigste Western der Filmgeschichte in den Büchern - und eine große Hommage an das klassische Westernkino.

Islam und Integration

Schaffen wir das?

Wie gehen Integration im modernen Deutschland mit arabisch-muslimischem Migrations-Hintergrund zusammen? Stichwort: Männlichkeitsrollen, Frauenbilder, Beziehungsmuster - muss es da zwangsläufig zu Konflikten kommen? Dass in der Silvesternacht so viele junge arabische Männer Frauen in Köln, Stuttgart, Hamburg und anderswo sexuell belästigt haben – woher kommt das? Hat die sexuelle Gewaltbereitschaft der Täter etwas mit bestimmten religiösen Vorstellungen in arabischen Ländern zu tun? Wie können so schwerwiegende Übergriffe wie die in der Silvesternacht verhindert werden? Was kann man tun? Und: Auf welche Weise lässt sich ein Generalverdacht gegen Migranten und Flüchtlinge in Deutschland verhindern - der letztlich jede Integration unmöglich machen würde? Fragen, die wir auch mit unserem Studiogast, der Sozialwissenschaftlerin Necla Kelek, besprechen.

Der Regieberserker

Castorf inszeniert Hebbel

Was hat es mit dem Mythos Frank Castorf eigentlich auf sich? Fakt ist: Keiner hat die Theaterlandschaft so entscheidend mitgeprägt wie er. Seit fast 25 Jahren leitet, regiert und inszeniert er an der Berliner Volksbühne. Eine typische Castorf Inszenierung? Videoeinspieler, ein drehbarer Bühnenraum, eine derbe, rücksichtslose Sprache gepaart mit monolithischen Textelementen großer Autoren. Dazu Castorfsche Verfremdungseffekte, Philosophie, Medienkritik, Nabelschau. Jetzt hat er sich Friedrich Hebbels "Judith" vorgenommen - mit Birgit Minichmayr, Martin Wuttke und Jasna-Fritzi Bauer. Eine vielversprechenende Besetzungsliste. Castorf ruft und alle sind dabei. Auch diesmal: Hebbels Textvorlage ist gespickt mit Castorfs Diskursansatz. Von der RAF zum IS. Videoeinspieler, dazu der letzte Bühnenraum des kürzlich verstorbenen Bert Neumann - und ein echtes Kamel.

Hält der Mythos Castorf noch immer, was er verspricht? Das eigentliche Highlight - zumindest der Proben - ist der Berserker Castorf selbst. Und seine Vorstellung von Zusammenarbeit. "Das, was ich fordere, ist eine Überforderung für die Schauspieler."

Heidelberg und Basel zeigen Dubuffet

Wiederentdeckung der Art Brut
Der Name Jean Dubuffet ist weniger bekannt als sein Markenzeichen, die "Art Brut". Eine Kunst, die sich vom kulturell unverbildeten, ursprünglichen Impuls leiten lassen wollte. Dubuffet griff zurück auf Inspirationen aus der Bildwelt psychisch kranker Menschen und auf die unverfälschten Zeichnungen von Kindern. Als Reaktion auf die Schrecken des Zweiten Weltkriegs und als Gegenkunst zu Expressionismus und Surrealismus entwickelte er einen Malstil, der mit Materialien wie Schlamm und Sand arbeitete. Seine Figuren erinnern sowohl an die Venus von Willendorf als auch an Höhlenmalereien. 1950 besuchte er die Sammlung Prinzhorn in Heidelberg. Dort sichtete er die umfangreichen Arbeiten psychisch kranker Menschen, die der Psychiater Prinzhorn in den 20er Jahren des 20. Jahrhunderts zusammengetragen hatte. "Dubuffets Liste" heißt eine Ausstellung in der Sammlung Prinzhorn, die diesen Besuch jetzt dokumentiert und Dubuffets Blick auf die Kunst Geisteskranker (wie Prinzhorn es noch nannte) zeigt.

In der Fondation Beyeler im schweizerischen Riehen werden unter dem Titel "Metamorphose der Landschaft" über 100 große Arbeiten von Dubuffet gezeigt. Besonders herausragend: seine animierte Großinstallation "Coucou bazar", in der 60 Tänzer sich in einer Kulisse bewegen, die rückblickend aussieht, als hätte sie der Streetartist Keith Hearing gemalt. Zwei spannende Ansätze, um sich dem Werk des Meisters Dubuffet zu nähern.

Spekulation statt Kunstgenuss

Wie Stradivaris im Safe verschwinden

"Es gibt keine andere Geige, die solch wundervollen Farbreichtum hat und solche Süße." Das sagte der Stargeiger Frank Peter Zimmermann über seine "Lady Inchiquin", eine Geige des wohl berühmtesten Geigenbaumeisters, Antonio ‪#Stradivari‬, aus dem Jahre 1711. Diese Liaison war ein Märchen, welches ein abruptes Ende nahm: Nach zwölfeinhalb gemeinsamen Jahren musste er seine "Lady Inchiquin" im vergangenen Jahr an deren Besitzer, den Finanzdienstleister Portigon AG, zurückgeben. Dieser hatte sein Kaufangebot über 4,9 Millionen Euro nicht angenommen.

Stradivari - der Kult um die 300 Jahre alten Violinen hat die Preise in Millionenhöhe getrieben. Die Meisterstücke aus Italien sind zum begehrten Investment geworden, für Musiker meist unbezahlbar. Nach einem Jahr auf der Suche hat Frank Peter Zimmermann jetzt eine neue ‪Geige‬ gefunden, wieder eine Stradivari, wieder ausgeliehen von einer Stiftung. Wir treffen den Musiker in New York und Berlin, wo das Instrument erstmals der Öffentlichkeit präsentiert wird, sprechen mit Zimmermann über den Trend zum "Streichinstrument als lukrative ‪‎Kapitalanlage‬" - und warum diese eben nicht in Tresore reicher Leute, sondern auf die Konzertbühne gehören.

Live: Frank Turner

Mit "Get Better" auf der aspekte-Bühne

Angefangen hat alles in einer Hardcore Punk-Band. Doch schon bald erkennt Frank Turner, dass seine Stärken in der rockigen Variante der Singer-Songwriter Abteilung liegen. Mit der Band "Sleeping Souls" nimmt er sieben Alben auf. Seinen Texten merkt man an, dass es um mehr als nur um Fun geht - sie sind sozialkritisch und werfen immer einen besonderen Blick auf die Welt. Eine Welt, die über weite Strecken zu beklagen ist - aber Turner hat sich zunehmend der hellen Seite der Macht verschrieben und produziert auch in seinem jüngsten Album "+ - Positive Songs for Negative People" durchaus hoffnungsfrohe Songs. Manchmal kann der Rock'n Roll eben doch Seelen retten.

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