Die Themen am 27. März 2015

Moderiert von Katty Salié und Jo Schück

Die Themen und Gäste unserer Kultursendung am Freitag ab 22.45 Uhr.

Allein gegen Hitler: Der vergessene Held Georg Elser

Nur 13 Minuten - und Georg Elser hätte die Weltgeschichte verändert. Sein Attentat auf Hitler und die NS-Führungsriege am 8. November 1939 im Münchner Bürgerbräukeller scheiterte geradezu tragisch nur an einem Zufall: Weil Hitlers Flugzeug wegen Nebels nicht starten kann, muss der Diktator den Zug erreichen und verlässt den Saal weit früher als erwartet. Elser wird bereits vor der Explosion auf der Flucht in die Schweiz festgenommen. In den tagelangen Gestapo-Verhören bringt ihn erst schwerste Folter zum Reden. "Ich wollte durch meine Tat ein noch größeres Blutvergießen verhindern", sagt er. Wer ist der Mann, der die Gefahr so früh erkannte? Der den Hitlergruß verweigert, der handelt, als fast alle anderen frenetisch jubeln, mitlaufen oder schweigen? Der Spielfilm "Elser" (Regie: Oliver Hirschbiegel, Hauptdarsteller: Christian Friedel) erzählt vom Menschen Elser, seinen Motiven, wie es zu seiner Tat kam. Jahrelang hielt man Georg Elser in Isolationshaft gefangen. Nur wenige Tage vor Kriegsende wurde er im KZ Dachau erschossen.
Von den Nazis verfemt, von Nachkriegsdeutschland totgeschwiegen - erst seit den 1990er Jahren wird Elser von der deutschen Erinnerungskultur als Widerstandskämpfer gewürdigt. Warum so spät? Weil ein Schreiner im Alleingang beinahe ein Terror-Regime zu Fall gebracht, 55 Millionen Kriegstote und den Holocaust verhindert hätte. Seine mutige Tat straft Millionen Mittäter und Mitläufer Lügen, die behaupteten, man habe gegen die Nationalsozialisten nichts ausrichten können. Wenn dieses Land Helden braucht: Georg Elser ist einer von ihnen.

Wie Kunst Kriege finanziert: Antikenschmuggel aus Syrien

Der Krieg in Syrien geht ins fünfte Jahr, das Nachbarland Irak steht kurz vor dem Zerfall. Mittendrin etablieren Fanatiker ihren sogenannten Islamischen Staat. Eine ihrer Haupteinnahmequellen neben Öl: Antiken. Experten, die undercover das Treiben der Islamisten in Syrien beobachten, berichten, der IS habe die Raubgrabungen monopolisiert, gebe Grabungslizenzen aus, spreche Händler im Ausland an. Zerstören würde der IS nur, was er nicht verkaufen könne - mit den Bildern der Vernichtung wolle er den Westen irritieren.

Alice Goffman - Kriminalisierung der Armen in Amerika

Alice Goffman, eine junge weiße Soziologin, lebt jahrelang in einem schwarzen Armenviertel und beschreibt den Alltag der dort lebenden Menschen. Eine niederschmetternde Bilanz: auf legalem Wege ist das Leben dort als junger Mann fast nicht zu bewältigen. Und Schuld daran ist das System der amerikanischen Polizei und ein Rechtssystem, das an den Möglichkeiten der Menschen vorbei geht - so die Analyse von Alice Goffman.
Es entsteht in den schwarzen Armenviertel eine wahre Gegenkultur - die Kontakte mit der Außenwelt vermeidet, wo es nur geht. Die Unzufriedenheit über diese rassistischen Machenschaften brechen bei Krawallen wie beispielsweise in Ferguson durch und zeigen, dass es sich nicht um einen bedauerlichen Einzelfall handelt, sondern um ein grundlegendes Problem der amerikanischen Gesellschaft. Der Rassismus ist mittendrin, aber die berechtigten Proteste der Schwarzen werden lauter.

Warum Putzen eigentlich philosophisch ist

Schmutz und Staub gibt's überall. Deswegen muss auch immer wieder geputzt werden. Sehen wollen wir allerdings meist weder das Eine noch das Andere - weder den Schmutz, noch das Putzen. Die Philosophin Nikola Karafyllis hat das skeptisch gemacht. Ihr Buch "Putzen als Passion" verteidigt das Saubermachen als erfüllende Tätigkeit und entdeckt Gemeinsamkeiten zwischen der Philosophie und dem Putzen. Und auch Maria Antas hat mit ihrem gerade veröffentlichten Buch "Wisch und Weg" eine Verteidigungsschrift der Kulturtechnik des Putzen geschrieben. Die gemeinsame Botschaft der beiden Autorinnen lautet: Selber putzen macht nicht nur sauber, sondern Sinn.

Live im Studio: Scott Matthew & Band

"Nein, er sei gar nicht traurig" - das sagt Scott Matthew von sich selbst, und auch seine Lieder sind es nicht. Aber sie erzählen von den Licht- und Schattenseiten des Daseins - auf eine Weise, wie man es selten hört. Scott Matthews Stimme ist eine Sensation und erneut gelingt es seinen Mitmusikern, sie richtig in Szene zu setzen. Auf der neuen Platte anders als man es gewohnt ist, aber auch treffend - irgendwie. Seit langem wohnt der Australier schon in New York. Er fühlt sich dem europäischen Kulturgut sehr verhaftet - das hört man. Das Cover ziert ein Gemälde eines dänischen Künstlers, der stets vereinzelte Figuren zum Gegenstand seiner Bilder macht - diesen Figuren fühlt sich Scott verbunden - es ist die positive Einsamkeit, die man in seinen Liedern hört. Die existentielle Einsamkeit des Menschen, der tun kann, was er will - er wird sie nicht loswerden.

Museumslotto: Antikenmuseum Leipzig

Das Leipziger Antikenmuseum ist eine der ältesten deutschen Universitäts-Sammlungen antiker Kunst. Ihre über 16.000 Originalstücke dienen der Ausbildung, dem Studium. Hier können Studenten sehen, was Schliemann im legendären Troja ausgegraben hat. Alle Exponate dienen den Leipziger Archäologiestudenten als Lehrobjekte. Und damit man Echtes von Falschem unterscheiden lernt, gibt es auch handfeste Fälschungen. Den "falschen Augustus“ zum Beispiel: Die Büste ist tatsächlich antik, aber das hellere Gesicht von Kaiser Augustus wurde erst viel später herausgemeißelt. Dass die Sammlung die Bomben des zweiten Weltkriegs überstanden hat, grenzt an ein Wunder: Über 600 Gipsabgüsse antiker Kunstwerke hat das Leipziger Antikenmuseum noch heute. Doch aus den Depots sind sie seit 1945 nie wieder rausgekommen - und bald könnten sie sogar für immer eingemottet werden. Geht es nach der Universität Leipzig, soll bald Schluss sein mit der Archäologie-Ausbildung in Sachsen. Seit Monaten läuft der Protest – auch das Antikenmuseum ist gefährdet. Das Haus selbst soll zwar bleiben, aber es lebt nunmal von den Archäologen, vom Studium, von der Forschung. Wenn die Archäologen gehen, ist das Museum ein toter Ort. Das werden die Götter des Olymp hoffentlich verhindern.

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