Die Themen am 27. November 2015

Moderiert von Katty Salié und Jo Schück

Szenenbild Graf Öderland/Wir sind das Volk" am Staatsschauspiel Dresden

Kultur | aspekte - Die Themen am 27. November 2015

Regisseur Volker Lösch hat Max Frischs Drama "Graf Öderland" inszeniert und es mit Stimmen und Menschen aus Dresden verbunden. Er spürt in Dresden eine "beunruhigende Gesellschaftsfähigkeit von Hass".

Datum:
Verfügbarkeit:
Video leider nicht mehr verfügbar

Die Themen und Gäste unserer Kultursendung am Freitag um 23.00 Uhr.

Pegida am Staatsschauspiel Dresden

Drama über den Aufstand von Rechts

Es ist eine bizarre Stimmung in Dresden am Montagabend dieser Woche. Zur Versammlung vor dem wöchentlichen Pegida-Aufmarsch an der aus Protest abgedunkelten Semperoper werden Weihnachtslieder eingespielt. Und die knapp 5000 Menschen rufen im Chor "Abschieben!", wenn ihr Einheizer Lutz Bachmann auf Asylbewerber zu sprechen kommt. Zur gleichen Zeit wird keine 150 Meter vom Theaterplatz im Staatsschauspiel Dresden ein Stück geprobt - mit einem Bürgerchor, der Pegida-Zitate murmelt wie "Die kommen hierher und kriegen alles" und ebenfalls "Abschieben!" Der Regisseur Volker Lösch hat Max Frischs Drama "Graf Öderland" auf die Bühne gebracht - ein Stück über einen Ausbruch, eine gewalttätige Revolte von Rechts. Und es mit Stimmen und Menschen aus Dresden verbunden. Es ist ein beunruhigendes Stimmungsbild aus Dresden Ende 2015 - und fragt danach, was die Menschen auf die Strasse treibt und wie der Rest der Zivilgesellschaft diesem Hass begegnet.

Filmkomödie: "Das brandneue Testament"

Gott lebt in Brüssel

36 Jahre musste die Welt auf einen würdigen Nachfolger von Monty Pythons Filmsatire "Das Leben des Brian" warten. Der belgische Regisseur Jaco van Dormael stützt seine köstliche Komödie "Das brandneue Testament" auf die Hypothese: Was wäre, wenn es Gott gäbe und er mitten im verregneten Brüssel lebte? Van Dormaels Gott ist ein fieser Sadist, der sich täglich neue Gemeinheiten ausdenkt, um das Leben der Menschen noch beschwerlicher zu machen. Was aber die Welt nicht wusste: Gott hat nicht nur einen Sohn, sondern auch eine zehnjährige Tochter - und die rebelliert. Sie hackt den alten DOS-Computer ihres Vaters und schickt den Menschen ihre Todesdaten aufs Handy - mit unabsehbaren Folgen. "Das brandneue Testament" hat durchaus Tiefgang: Mit leichter Hand berührt der Film auch solche Fragen: Wie wollen wir leben? Worauf kommt es wirklich an? Und nicht zuletzt: Wäre die Welt besser, wenn Gott eine Frau wäre?

Freiheit versus Sicherheit

Dialektik von Terror und Überwachung

Irgendwie fühlen wir uns ertappt. Ertappt bei dem Gedanken: Vielleicht lasse ich den Weihnachtsmarktbesuch dieses Jahr lieber ausfallen?! Und zum nächsten Bundesligaspiel muss ich jetzt auch nicht unbedingt, kann ich mir im Fernsehen sowieso besser ansehen. Keine diffuse, sondern eine konkrete Form der Angst macht sich breit. Eine Angst, die zunehmend unseren Alltag bestimmt und einschränkt, wenn wir sie ernst nehmen. Welche Möglichkeiten bleiben einer Gesellschaft, ohne in Hysterie zu verfallen, mit den gezeichneten Schreckensszenarien umzugehen. Wie weit müssen wir gehen, um vermeintlich sicher zu sein? Ist die Gefahr von terroristischen Anschlägen ein Übel, das eine Gesellschaft hinnehmen muss, ohne sich in ihren Freiheitsbestrebungen einschränken zu lassen? Was bedeutet Sicherheit nach den Anschlägen von Paris? Über diese Fragen sprechen wir mit dem Autor und Juristen Ferdinand von Schirach, der in seinem aktuellen Theaterstück "Terror" das moralische Dilemmata behandelt, dem wir im Folge eines Terrorangriffs ausgesetzt sind. Und wir treffen den Journalisten und Verleger Jakob Augstein, den Politikwissenschaftler Herfried Münkler und den Historiker Michael Wolffsohn.

Star Wars - Ein Menschheitsepos

Die helle Seite der Macht

"Star Wars", so glauben viele, das sind Science-Fiction-Filme von George Lucas. Das allerdings ist vollkommener Unsinn. Denn erstens sind die "Star Wars"-Filme keine Science Fiction – zumindest nicht im üblichen Sinne; nicht, wenn wir unter Science Fiction Zukunftsvisionen verstehen, denn die Saga "Star Wars" spielt schließlich in der Vergangenheit: "Vor langer, langer Zeit in einer weit entfernten Galaxie" nämlich. Und zweitens sind die Erzählungen der Kriege in den Sternen, an die Lucas uns erinnert, kein Film: Sie sind ein Mythos. George Lucas' Epos ist das einzige Werk der jüngeren Kulturgeschichte, das homerische Qualitäten aufweist und dessen Helden nahezu jeder kennt (auch, wenn er die Filme nicht gesehen hat). Lucas erzählt eine Saga über den ewigalten Kampf von Gut gegen Böse, in der die Rollen nur scheinbar klar verteilt sind – und die Teilhabe an der gleichen, geheimnisvollen Macht die Protagonisten einander ähnlicher macht, als sie ahnen. Kurz vor dem Kinostart des siebten Teils der Saga schaut aspekte - nicht hinter die Kulissen, sondern auf die philosophischen Hintergründe des Mythos "Star Wars".

Live auf der aspekte-Bühne: John Grant

John Grant ist wohl das, was man Weltenbummler nennt. Seit Jahren lebt der amerikanische Sänger in Island. Studiert hat John Grant in Heidelberg. Später schlug er sich in Amerika als Kellner und Krankenhausdolmetscher durch, übersetzte aus dem Russischen. Grant liebt neue Wörter, pflückt sie wie Blumen für seine klugen Songtexte. Sechs Sprachen spricht er, einige akzentfrei. In seinen Liedern spricht Grant übers Schwulsein, über das Aufwachsen in einer homophoben, provinziellen Welt, über die Liebe. Es ist seine Therapie. Grant stammt aus einer streng religiösen Familie. Für seinen Vater war Homosexualität eine Krankheit. Jahrzehntelange Depressionen, Alkohol- und Drogensucht folgten. Grants musikalischer Durchbruch gelangt erst, als er sich zu brutaler Offenheit zwangingt. Grants manchmal bittere Wahrheiten erzählt er in Balladenform, schnarrendem Elektropop, oder opulentem Orchestersound, seine Stimme aber ist immer sein Leben.

aspekte-Museumslotto

"Deutsches Spielzeugmuseum Sonneberg"
Im aspekte-Museumslotto, das einmal pro Monat einem kleinen Museum die Chance gibt, sich vor einem Millionenpublikum zu präsentieren, hat in der letzten Ziehung das "Deutsche Spielzeugmuseum Sonneberg" gewonnen. Motto: Selbst aktiv werden, Spiele ausprobieren, den Lauf der Dinge bestaunen - Ganztagsbesucher sind ausdrücklich erwünscht. Die Geschichte der Spielzeugherstellung in Sonneberg ist ein Kapitel für sich. Der Höhepunkt vor 100 Jahren: Sonneberg stellte 40 Prozent der deutschen Spielwaren her, ein Fünftel der Weltproduktion. Geschnitzt, geschneidert und gemalt wurde meistens in Heimarbeit - und ging dann hinaus in alle Welt. "Das Schönste, was ich je gesehen habe" - das sah sie in Sonneberg, so verkündete es 1910 die belgische Königin Elisabeth ...

Um unser Web-Angebot optimal zu präsentieren und zu verbessern, verwendet das ZDF Cookies. Durch die weitere Nutzung des Web-Angebots stimmen Sie der Verwendung von Cookies zu. Näheres dazu erfahren Sie in unserer Datenschutzerklärung.

Gemerkt! Merken beendet Bewertet! Bewertung entfernt Abonniert! Abo beendet