Die Themen am 28. August 2015

Moderiert von Katty Salié und Jo Schück

Die Themen und Gäste unserer Kultursendung am Freitag ab 23.00 Uhr.

Hitlers "Mein Kampf" neu aufgelegt?

Vom Umgang mit der Hetzschrift
Ein Untoter geht um. Zumindest schickt er sich gerade an, seine Gruft zu verlassen. Der Untote zählt zu Deutschlands meistgedruckten Bestsellern (Auflage 12,4 Mio.), auch wenn ihn kaum einer gelesen haben will. Doch Ende des Jahres laufen die Urheberrechte aus, dann kann praktisch jeder, der mag, Adolf Hitlers antisemitische Hetzschrift "Mein Kampf" nachdrucken und in die Buchhandlungen bringen. In Deutschland brennen Flüchtlingsheime und "Mein Kampf" erlebt seine Auferstehung? Wie ist diesem Text beizukommen? Verbieten? Ignorieren? Widerlegen?
Das Münchner Institut für Zeitgeschichte versucht es mit Fußnoten. Erstmals soll dieses Schlüsseldokument des Nationalsozialismus wissenschaftlich gebändigt werden. "Hitler widersprechen zu können, ist ein großer Reiz", sagt Projektleiter Christian Hartmann.
Das Autoren-Regie-Team Rimini Protokoll dagegen setzt auf die Mittel des Theaters. Zurzeit wird in Weimar geprobt. Auch Helgard Haug und Daniel Wetzel wollen den Mythos des berüchtigten Buches zertrümmern und bringen - wie schon bei früheren Arbeiten - "Experten" statt Schauspieler auf die Bühne: u.a. einen israelischen Anwalt, der den Text als Manager-Fibel preist.
Müssen wir das "verbotene" Buch fürchten? Dürfen wir drüber lachen? Oder täten wir gut daran, den Untoten wieder in seine Gruft zu sperren und den Schlüssel wegzuwerfen?
aspekte sucht nach Antworten in München und Weimar.

Günter Grass "Vonne Endlichkait"

Abschiedsgruß eines Nobelpreisträgers

Selten hat ein Buch das „Erscheinen“ so wörtlich genommen. Wer am Erscheinungstag Günter Grass’ letztes Buch, an dem er bis wenige Tage vor seinem Tod im April arbeitete, in den Händen halten wollte, der musste in die niedersächsische Provinz nach Göttingen reisen. Im neu eröffneten Göttinger Günter-Grass-Archiv stellten sein langjähriger Verleger Gerhard Steidl und sein treuer Lektor Dieter Stolz den Band „Vonne Endlichkait“ vor: eine unerwartet leichte und skurril-humorvolle Sammlung von Prosa und Lyrik über die letzten Dinge des Lebens. aspekte war dabei.

    Vonne Endlichkait - Cover

    Günter Grass
    Vonne Endlichkait
    ISBN 978-3-95829-042-6
    Steidl Verlag, Göttingen, erscheint am 28. August 2015

    Bildquelle: Steidl-Verlag

Flüchtlinge machen bessere Nachbarn

Initiative einer Berliner Künstlerin

Jeden Tag neue Schlagzeilen über Flüchtlinge. Deutschland zwischen rechtsradikalen Übergriffen und privaten Hilfsinitiativen. Die Behörden sind überfordert, Notunterkünfte überfüllt. Ohne private Hilfe wäre die Erstversorgung mit dem Einfachsten wie Wasser und Kleidung kaum denkbar.
Doch wenige dieser Privatinitiativen halten so lange durch wie die der Künstlerin Marina Naprushkina. Seit zwei Jahren organisiert sie in Berlin-Moabit eine Nachbarschaftshilfe - bewusst ohne öffentliche Finanzierung. Dreimal die Woche kommen Geflüchtete zum Deutschstammtisch in die "Neue Nachbarschaft // Moabit". Nicht nur um die Sprache zu lernen, sondern auch um soziale Kontakte mit Deutschen zu knüpfen. Marina Naprushkina betreut die Flüchtlinge langfristig, begleitet sie zu Ärzten und Ämtern. Ihre Kunstprojekte befassen sich mit der eigenen Heimat - Weißrussland, auch mit der politischen Situation dort. Anders als andere Künstler, die sich zur Zeit "Flüchtlingsthemen" an die Brust heften, um für die eigene Arbeit Aufmerksamkeit zu bekommen, hilft Naprushkina konkret und unermüdlich als eine Art Mutter Teresa der Nachbarschaftshilfe. Jetzt erscheint ein Buch, in dem sie alltägliche Situationen ihrer Hilfsarbeit beschreibt. "Neue Heimat?". Der Untertitel zeigt einen interessanten Perspektivwechsel: "Wie Flüchtlinge uns zu besseren Nachbarn machen".

Der "Bäumeversteher" Peter Wohlleben

Ein Förster über den Deutschen Wald
Es klingt wie aus einem Fantasy-Film: Bäume leben in einem Sozialverband - sie stillen ihre Kinder über Jahrzehnte, kümmern sich um Alte und Schwache und warnen sich über weite Strecken vor Feinden. "Das geheime Leben der Bäume" ist keine Fiktion, sondern ein Sachbuch. Geschrieben von einem Förster aus der Eifel, der diesen Sommer damit die Bestseller-Listen im Sturm eroberte. Wie sich Bäume umeinander kümmern, sei fast so eine Art Kommunismus, sagt Peter Wohlleben "nur, dass er bei Bäumen eben funktioniert". aspekte hat den Autor und Förster in seinem Revier besucht und sich das Gesellschaftssystem in einem natürlichen Wald erklären lassen.

    39854254

    Peter Wohlleben

    Das geheime Leben der Bäume
    Was sie fühlen, wie sie kommunizieren - die Entdeckung einer verborgenen Welt
    ISBN: 978-3-453-28067-0
    Verlag: Ludwig, 2015

Lisa Batiashvili auf dem Maidan

Musik für die Unabhängigkeit?
Klassische Musik und politische Haltung – geht das zusammen? Die georgische Violinistin Lisa Batiashvili sieht das als ihre Aufgabe. Spielt in Kiew, auf dem Maidan, am ukrainischen Unabhängigkeitstag. Das „Requiem für die Ukraine“ hat sie selbst in Auftrag gegeben. Zusammen mit dem "i, culture orchestra", jungen Orchestermusikern aus den ehemaligen Ostblockstaaten, die sich dem Wandel in postsowjetischen Staaten verschrieben haben, gibt Lisa Batiashvili ein Jahr nach den verheerenden Folgen des Euromaidan und der russischen Annexion der Krim ein Solidaritätskonzert. Mit musikalischen Mitteln wollen sie den Menschen Mut und Kraft für den schwierigen Weg der Identitätsfindung spenden und zeigen, wie ukrainische Kulturpolitik jenseits von russlandfeindlichen Zensurmaßnahmen aussehen könnte.

Dominique Horwitz "Tod in Weimar"

Vom Schauspieler zum Krimiautor
Dominique Horwitz ist ein Multitalent. Er ist Schauspieler und Sänger, Vorleser und Regisseur. Seit bald 40 Jahren steht er auf der Bühne, ist in unzähligen Filmen zu sehen. Seine Bandbreite ist enorm.

    Cover des Buchs "Tod in Weimar" von Dominique Horwitz

    Dominique Horwitz
    Tod in Weimar

    Kriminalroman
    ISBN: 978-3-8135-0663-1
    Verlag: Knaus, August 2015

    Bildquelle: Knaus-Verlag

Er hat den grinsenden Teufel ebenso verkörpert wie den schrulligen Transvestiten, den zynischen Soldaten wie den melancholischen Frisör. In einem seiner ersten Filme spielte er einen jungen Juden im Dritten Reich. Krieg, Nationalsozialismus, Rechtsextremismus - damit war er in seinen Rollen immer wieder konfrontiert. Themen, die er auch in seinem ersten Buch aufgreift, dem Krimi "Tod in Weimar". Warum die Geschichte ausgerechnet in Weimar angesiedelt ist, und in welchem Zusammenhang sie mit seiner persönlichen Biografie steht, darüber spricht Katty Salié mit ihm im aspekte-Studio.

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