Die Themen am 7. August 2015

Erstes Pappröhrenhaus von Shigeru Ban (Copyright: TASCHEN Verlag)

Kultur | aspekte - Die Themen am 7. August 2015

Themen: Wird der kurdische Frühling erstickt?, die Geniestreiche des Shigeru Ban, Alain Claude Sulzers neuer Roman, die Tanz-Kompanie Toula Limnaios. Gäste: Kolumnistin Mely Kiyak und Thomas Gould

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Die Themen und Gäste unserer Kultursendung am Freitag ab 23.00 Uhr.

Wird der kurdische Frühling erstickt?

Zynische Machtspiele am Bosporus

Ost-Türkei: Sie ist die Stimme des freien Kurdistan: Helly Luv, die rothaarige Kurdin in Peschmergakluft ruft ihre Landsleute zum Kampf gegen den mörderischen IS - und für die kurdische Sache. 1,7 Millionen Mal wurde ihr Video abgerufen. Wenn Kurden im Gefecht sterben, tun sie das mit Helly Luvs Stimme im Ohr.
Deutschland: Ins Berliner „Nachbarschaftshaus“ in der Urbanstraße läuft derzeit eine Ausstellung unter dem Titel: „Kurdische Künstler“. Bis zum 27. August sind dort die Werke von elf Künstlern zu sehen. Salar Shareef, der Kurator der Ausstellung meint: „Die einzigen Kämpfer, die in Kurdistan richtig gegen den Terrorismus kämpfen sind die Kurden.“

Großes Geschrei im Fernsehen

Diese kurdischen Kämpfer sind in der Ausstellung als Helden mit vertreten. Selbst Frauen kämpfen bei den Peschmerga mit. Von der Türkei aber werden sie bekämpft. Seitdem der IS vor drei Wochen in der Türkei zugeschlagen und dabei vor allem Kurden getötet hat, bombardiert die Türkei nicht nur den IS, sondern vor allem die kurdische PKK.

Der Theatermann und Schriftsteller Moritz Rinke, der in die Türkei eingeheiratet hat, erlebt das Land zunehmend polarisiert: „Seitdem ich hier in der Türkei bin, gibt es nur Reden von Erdogan. Es gibt im türkischen Fernsehen eigentlich nur Reden von Erdogan, TV Shows und Reden von Erdogan. Aber jetzt bellt, kläfft und vibriert der ganze Fernseher von seiner Schreierei: Krieg gegen die PKK, Krieg gegen die linke, prokurdische HDP, alles Lügner, Schwule, Atheisten, Terroristen“.

Wie „frei“ ist Ai Weiwei?

Chinas berühmtester Künstler durfte ausreisen
Was bewegt Ai Weiwei dieser Tage? Nach vier Jahren voller Repressalien erhielt er überraschend seinen Pass zurück, durfte aus China ausreisen – und zeigt in ersten Interviews im Westen tatsächlich Verständnis für das Vorgehen der chinesischen Staatsmacht. Ist er milde geworden? Verstummt, weil er wieder in seine Heimat zurückkehren dürfen möchte? Gar einsichtig? Wir befragen dazu: Klaus Staeck, politischer Künstler, Karikaturist, Jurist und bis Mai dieses Jahres Präsident der Akademie der Künste in Berlin. Frage an ihn: Wie „frei“ ist Ai Weiwei dieser Tage wirklich?

Desweiteren: Hubertus Knabe, Historiker und Direktor der Gedenkstätte Berlin-Hohenschönhausen – dem ehemaligen Stasi-Untersuchungs-Gefängnis. Und: Roland Jahn, Journalist, Bürgerrechtler und Leiter der Stasiunterlagenbehörde, der „Bundesbeauftragten für die Unterlagen des Staatssicherheitsdienstes der ehemaligen Deutschen Demokratischen Republik“. Wir fragten nach einer Einschätzung: Wie mächtig ist die Staatsmacht China auch außerhalb des Landes? Und ist Ai Weiwei tatsächlich anders gestimmt?

Die Geniestreiche des Shigeru Ban

Sichere Zufluchtsorte aus Papier

Der Architekt Shigeru Ban ist in vieler Hinsicht ein ungewöhnlicher Vertreter seiner Zunft. Er baut prächtige Museumsbauten, noble Firmenzentralen und exklusive Luxusvillen auf der ganzen Welt - und arbeitet seit 20 Jahren auch an temporären Bauten für Flüchtlinge oder Opfer von Naturkatastrophen. Sein Markenzeichen: die Papprolle.

    Buchcover: Shigiru Ban, Complete Works

    Shigeru Ban
    Complete Works (1985-2015)
    TASCHEN Verlag, 2015

    Bildquelle: TASCHEN Verlag

Schon früh hat er begonnen, Pappe und Papier, recyclebare günstige Materialien für seine Bauten zu verwenden. Ein aktualisierter Bildband, der gerade bei Taschen erscheint, zeigt eindrucksvoll seine Arbeit: Der Star-Architekt errichtet spektakuläre Häuser - aber eben auch temporäre Hütten und Notunterkünfte. Architekten seien oft nur dazu da, die Macht und das Geld weniger Leute zu visualisieren, sagt Shigeru Ban - ihn habe es immer enttäuscht, dass ihnen sowenig gesellschaftliche Relevanz zugestanden wird. Das änderte er mit seinen Projekten in Ruanda, Kobe, Haiti und nun auch Nepal.

Alain Claude Sulzers neuer Roman

Schwerelos durch bleierne Zeiten

In seinem neuen Roman "Postskriptum" nimmt der Schweizer Romancier Alain Claude Sulzer seine Leser mit in die 30er Jahre des letzten Jahrhunderts: Der jüdische UFA-Star Lionel Kupfer macht Ferien im Hotel „Waldhaus“ in Sils Maria. Doch seinem Urlaub wird eine lange Emigrationszeit folgen, denn in Deutschland ergreifen die Nazis die Macht. So beginnt für Kupfer eine existentielle Gratwanderung, die ihn ins Exil nach New York bringt, während sein heimlicher Liebhaber in Berlin als Kunsthändler in gefährliche Nähe zu den braunen Machthabern gerät.

Mit sicherem Gespür für biografische Abgründe führt Sulzer seine Figuren durch ein halbes Jahrhundert: Ihre Wege kreuzen sich und gehen wieder auseinander, sie kommen sich ungeahnt nah und werden sich überraschend fremd. In seinem Roman berührt Sulzer zugleich brisante politische Sujets. Sie reichen vom Umgang der deutschen Nachkriegsgeneration mit den Emigranten bis zu noch heute offenen Fragen der Raubkunst. Und immer geht es bei Sulzer um die Liebe - als Unmöglichkeit, als Illusion und schicksalhafte Fügung.

Die Tanz-Kompanie Toula Limnaios

Eruptionen auf glattem Parkett

HALLE TANZBÜHNE in Berlin: Der Zuschauerraum ist brechend voll, acht Tänzer - und Tänzerinnen auf der Bühne. Das erste Paar beginnt, das zweite setzt ein, Eleganz und Schnelligkeit, Präzision und Leichtigkeit - die Bewegungen der Kompanie prasseln mit solch einer Wucht auf den Zuschauer ein, dass einem der Atem stockt. Die Emotionen der Tänzerinen und Tänzer spiegeln sich in ihren Gesichtern, dass ihr Ausdruck den Bewegungen der Körper in nichts nachsteht. Verantwortlich für diesen Gefühls-und Bilderrausch sind Toula Limnaios und Ralf Ollertz. Er komponiert - sie choreografiert. Er schafft akustische Bilderwelten, die sie mit ihrem Tanzensemble "cie. Toula Limnaios" auf der Bühne zum Explodieren bringt.

38 Produktionen in 19 Jahren, dazu Wiederaufnahmen und Welttourneen zeigen die unglaubliche Symbiose und Produktivität der beiden. Sie zählt zu den wichtigsten Choreographinnen des zeitgenössischen Tanzes, hat selbst lange im Folkwang Tanzstudio unter der Leitung von Pina Bausch mitgewirkt. 1996 haben Toula Limnaios und Ralf Ollertz gemeinsam die Kompanie cie.toula limnaios gegründet und 2000 ihre Hauptspielstätte, die Halle Tanzbühne Berlin, eröffnet. Mit ihrer neuen Premiere "la salle" haben sie eine Hommage an "ihren Ort" entworfen; den Ort, an dem alles begann. Die Bühne ist in ein Ballhaus verwandelt. Der morbide Charme des Raumes fängt die Erinnerungen, Sehnsüchte und Träume beider ein - die Tänzer verwandeln sie in ein Fest für die Sinne. aspekte begleitet Toula Limnaios und Ralf Ollertz bei den Proben und Vorbereitungen zu ihrem neuesten Werk.


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