Die Themen am 8. Januar 2015

Moderiert von Katty Salié und Jo Schück

Kultur | aspekte - Die Themen am 8. Januar 2015

Die Journalistin, Bloggerin und Feministin Kübra Gümüşay warnt vor Vorurteilen, vor Arroganz und Rassismus im Umgang mit den Ereignissen in der Silvesternacht in Köln.

Beitragslänge:
15 min
Datum:
Verfügbarkeit:
Video verfügbar bis 07.01.2017, 17:50

Die Themen und Gäste unserer Kultursendung am Freitag um 23.10 Uhr.

Köln, Silvester und die Folgen

Warum die mediale Herumdruckserei?

Das Jahr 2016 startete mit einem Fanal. In einer tief gespaltenen Gesellschaft waren die massiven Übergriffe gegen Frauen in der Silvesternacht in Köln und anderen deutschen Städten - verübt von "nordafrikanisch oder arabisch aussehenden Männern" - Wasser auf die Mühlen der Fremdenhasser von AfD, Pegida und Co. Da manifestierten sich nicht nur die "lüsternen nordafrikanischen Männerhorden", vor denen die Rechtspopulisten schon lange warnen, es zeigte sich auch die ganze Hilflosigkeit im öffentlichen Sprechen über Täter mit Migrationshintergrund. Durch Vertreter der Polizei, der Politik und der Medien. Schnell war der Vorwurf der "Lügenpresse" wieder in der Welt, zumal die Berichterstattung der überregionalen Medien erst spät einsetzte. Hat der Journalismus, nicht zuletzt der Öffentlich-Rechtliche, ein geschöntes Bild der Lage in unserem Land vermittelt? Zählt der Pressekodex in Zeiten der Flüchtlingskrise nicht mehr oder war es richtig, die Herkunft der Täter zu nennen? "Ein guter Journalist", sagte einst Hanns Joachim Friedrichs, "muss Distanz halten, sich nicht gemein machen mit einer Sache, auch nicht mit einer guten.“ Zum Jahresauftakt bemüht sich aspekte um eine selbstkritische Bestandsaufnahme und spricht mit Publizisten, Bloggern und Journalisten. Wir müssen sprechen. Nur wie?

Schrecklich-schöne Fotografien

Das Memorial kollabierender Gletscher

In 50 Jahren werden fast alle Gletscher in der Schweiz verschwunden sein, prognostizieren Glaziologen der ETH Zürich. Die Alpen werden sich dramatisch verändern - nicht nur an ihrer Oberfläche. Schon heute entstehen durch das zunehmend rasante Abschmelzen der Gletscher gigantische Gletscherseen, die sich als Damoklesschwert über Ortschaften sammeln und von denen keiner weiß, wann und wo genau die Wassermassen zu Tal gehen und was sie mit sich reißen werden. Doch nicht nur das Dach Europas kollabiert - wie der Schweizer Fotograf Daniel Schwartz mit seinem Foto-Projekt "Ice Age Our Age" belegt. Er macht sich mit seiner Kamera weltweit ein Bild von den sterbenden weißen Giganten - im Himalaya, im Tienschan oder in Patagonien. Aufnahmen, die Schwartz oft nur aus dem Helikopter und aus 5000 Meter Entfernung, zudem unter den schwierigen Witterungsbedingungen der Hochgebirgs- und Permafrostregionen machen kann. So entstehen die letzten Zeugnisse der Gletscher-Ära: ein atemberaubend schönes und zugleich erschreckendes Memorial der durch den Klimawandel angerichteten Umweltzerstörung. aspekte hat Daniel Schwartz auf seiner Expedition zum 5109 Meter hohen Mount-Stanley-Gletscher in der Grenzregion zwischen Uganda und Kongo begleitet - zu einem der letzten weißen Giganten Afrikas.

Der neue Walser ist da

Starke Liebes-Dialoge im Suizidforum

Ist es der Verrat durch einen Freund oder die Diagnose Darmkrebs? In Martin Walsers neuem Roman "Ein sterbender Mann" loggt sich der in die Jahre gekommene Romanheld Theo Schadt in ein Suizid-Forum ein. Dort fasziniert ihn das Wort "Irreversibilität" - die absolute Gewissheit einer Fest-Entschlossenen, sich aus dem Leben zu verabschieden. "Ein Roman ist immer ein Selbstporträt - aber eben als Roman", merkt der inzwischen 88-jährige Walser zu seinem Schreiben an. Und macht kein Hehl daraus, dass er selbst von einem engen Freund verraten wurde. Doch ist das Internet im Falle eines erschütternden Vertrauensbruchs eine heilsame Option? Die Folgen jedenfalls sind überraschend, nicht nur für den Protagonisten des Romans, sondern auch für seinen Schöpfer Martin Walser, der im tangohaften Wirbel eines literarischen Experiments eine Co-Autorin findet.

Bravo, Stefanie Reinsperger!

Porträt einer Spielsüchtigen

"Ich bin lieber oben auf der Bühne als unten im Leben" - das sagt die Schauspielerin, die letztes Jahr fast alles erreicht hat, was im Theater so geht: Stefanie Reinsperger. Sie hat den österreichischen Nestroy-Preis gewonnen. Sie ist von "Theater heute" zur Schauspielerin und Nachwuchsschauspielerin des Jahres 2015 gekürt worden. Sie war mit zwei Inszenierungen, darunter dem wichtigsten Stück des Jahres, "Die lächerliche Finsternis", zum Berliner Theatertreffen eingeladen. Sie hat nach intensiven Erfahrungen am ehrwürdigen Wiener Burgtheater zur Spielzeit 2015/16 an das alte, neue Wiener Volkstheater gewechselt und setzt dort ihre langjährige Zusammenarbeit mit dem Regiestar Dusan David Parizek fort. Sie hat sich in Peter Handkes "Selbstbezichtigung", einem von ihr und Parizek erarbeiteten Solo-Abend, ihrer bisher größten beruflichen Herausforderung gestellt - natürlich ein hochgelobter Erfolgsabend. Nebenbei hat sie bis 2012 in der gefeierten Serie "Braunschlag" eine Polizistin persifliert. Bei alldem ist Stefanie Reinsperger erstaunlich entspannt geblieben, hat ihre Bodenhaftung nicht verloren. Sie genießt den Erfolg. Und hat noch viel vor. Ein Treffen in Wien.

Die andere Janis Joplin im Dokfilm

Sanft, vertrauensvoll, sensibel

Sie war die Frau mit der Powerhouse-Stimme: Janis Joplin. Trotz ihres frühzeitigen Todes gilt sie auch heute noch als eine der einflussreichsten Rockikonen aller Zeiten, ist im 'Rolling Stone' immer noch als sowohl beste Sängerin als auch beste Künstlerin aller Zeiten gelistet. Bis heute wird Joplin von fast allen weiblichen Rockstars als großes Vorbild genannt. Sieben Jahre arbeitete die Regisseurin Amy Berg an ihrem Dokumentarfilm "Janis: Little Girl Blue", der jetzt in die deutschen Kinos kommt. Für dieses Porträt öffnete das Archiv 'Janis Joplin Estate' zum ersten Mal all seine Türen. Persönliche Briefe und Fotos enthüllen eine überraschend sanfte, vertrauensvolle, sensible Frau, die ihr Leben lang von Unsicherheit und dem Bedürfnis, akzeptiert zu werden, geprägt war. Ihr Leben lang litt die Sängerin mit der Reibeisen-Stimme darunter, als nicht weiblich genug zu gelten, wurde gar als "hässlichster Mann" in einer Studentenzeitung gekürt. In ihrem Geburtsort Port Arthur, Texas war sie eine Außenseiterin, die dann in der Musikszene San Franciscos die Kraft fand, durch ihre musikalische Begabung und ihr Talent ihren eigenen Weg zu finden. Das war in der Männerwelt der Musik der 60er Jahre wahrlich nicht leicht - Joplin erkämpfte sich durch ihre Bühnenpräsenz und starke Stimme jedoch Akzeptanz. Sie wurde Symbolfigur der Hippiekultur und der erste weibliche Superstar der Rockmusik. Den Erfolg ihrer letzten Platte, insbesondere ihres berühmtesten Lieds "Me and Bobby McGee", erlebte die Sängerin nicht mehr. Sie starb an einer Überdosis Heroin im Alter von 27 Jahren.

Auf der aspekte-Bühne: Lukas Graham

Mit "Seven Years"

"Seit 23 Jahren singe ich - jetzt bin ich 27." Lukas Graham ist Dänemarks Soulstar.
Seit Jahren feiert er große Erfolge, 2015 kam der Durchbruch in Amerika. Die Mutter, Musiklehrerin, fördert ihren Sohn, er singt schon als Kind in Dänemarks berühmtesten Knabenchor und wird mit seiner hellen, klaren Stimme zum Sopran-Solisten ausgebildet. Mit 14 reist Lukas Graham, der eigentlich Forchhammer mit Nachnamen heißt, um die Welt, spielt Theater. Vor sieben Jahren komponiert er sein erstes Lied, 2012 kommt er mit seiner ersten Platte in Dänemark groß raus - sie erreicht sofort Platin Status. Seine Musik nennt er "Ghetto-Pop". Das "Ghetto", aus dem er kommt, heißt Christiania - eine autarke Hippiekommune mitten in Kopenhagen, in der Autos und Polizei verboten, aber weiche Drogen erlaubt sind.

Davon sang Graham zunächst: von Freunden, die im Gefängnis saßen, Alkoholexzessen und Mädchen. Am authentischsten aber sang er meist von seiner Familie. Die aktuelle Platte ist ihr überwiegend gewidmet, vorneweg seinem Vater, der überraschend starb, als Graham 2012 in Deutschland gerade sein erstes Album promotete. Von einem Tag auf den anderen versagte ihm die Stimme, keinen Ton konnte er mehr sagen, geschweige denn singen. 15 Konzerte mussten abgesagt, Graham in Kopenhagen behandelt werden. Nun singt er wieder. In seinen Texte spricht er von dem Verlust des Vaters, seiner Erziehung, dem Erfolg, der Liebe - und seiner eigenen Beerdigung.

Um unser Web-Angebot optimal zu präsentieren und zu verbessern, verwendet das ZDF Cookies. Durch die weitere Nutzung des Web-Angebots stimmen Sie der Verwendung von Cookies zu. Näheres dazu erfahren Sie in unserer Datenschutzerklärung.

Gemerkt! Merken beendet Bewertet! Bewertung entfernt Abonniert! Abo beendet