Die Themen am 8. Mai 2015

Moderiert von Tobias Schlegl und Jo Schück

Martin Walser

Kultur | aspekte - Die Themen am 8. Mai 2015

Martin Walser über seine Erinnerungen an das Kriegsende vor 70 Jahren und die Bedeutung von "Schande" und "Scham". Seine höchst umstrittenen Paulskirchenrede von 1998 bedauere er heute.

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Die Themen und Gäste unserer Kultursendung am Freitag ab 23.00 Uhr.

Die Reue des Martin Walser - Der Schriftsteller und der Holocaust

"Seit Auschwitz ist kein Tag vergangen", hat Martin Walser einmal geschrieben. Doch wie soll man sich als Deutscher dazu verhalten? Mit dieser Frage hat sich der Schriftsteller in den vergangenen siebzig Jahren immer wieder beschäftigt und dabei mehrere Wandlungen vollzogen; Wandlungen, die symptomatisch sind für die Auseinandersetzung der Deutschen mit ihrer Geschichte. 1965 beschrieb er in dem eindrucksvollen Aufsatz "Unser Holocaust" die Scham, ein Deutscher zu sein. Seine Paulskirchen-Rede von 1998 hingegen löste einen Eklat aus und wurde von vielen Zeitgenossen als Aufforderung verstanden, einen Schlussstrich unter die deutsche Vergangenheit zu ziehen.  Inzwischen bemüht sich Walser um Rehabilitierung und bedauert die Verwerfungen, die seine Rede ausgelöst hat. Im aspekte-Interview distanziert er sich nun sogar von Teilen seiner Rede. Seine Absicht, so Walser, sei es gewesen, die politische Instrumentalisierung von Auschwitz zu kritisieren; damit seien Kollegen und Politiker wie Günter Grass, Walter Jens und Joschka Fischer gemeint gewesen und nicht die Wiedergutmachungs-Forderungen von jüdischer Seite. „Es tut mir leid.“

Biennale in Venedig - Die Olympiade der Kunst

Sie ist die älteste und wichtigste Kunstschau der Welt: die Biennale in Venedig. Am 9. Mai öffnet sie ihre Pforten und 89 Nationen konkurrieren um den Goldenen Löwen für den besten Länderpavillion. Es ist ein gigantisches Event, ein Kunstrummel mit Jahrmarktflair, Karussels - riesige bunte Vögeln und viele Live-Performances sind angekündigt. Und dennoch geht es im Herzen der Hauptausstellung um nichts geringeres als die Lage der Welt. "All the world’s futures" nennt der diesjährige Kurator und ehemalige Documenta-Macher Okwui Enwezor seine Schau. Mit Zukünften der Welt meint er nichts Utopisches, sondern die Betrachtung der Gegenwart aus allen Perpektiven, die auf dem Globus möglich sind. Tobias Schlegl hat sich vor der Eröffnung ins Getümmel der Lagunenstadt gestürzt und erkundet, wie auf einem Kunstjahrmarkt die Welt und ihre Krisen verhandelt werden - geht das überhaupt? Und was kann der deutsche Pavillion dazu beitragen?

Warum Europäer in den Djihad ziehen - Einblicke ins Innere des "IS"

Der "IS" ist ständig in den Medien, doch wie diese radikalste und grausamste der islamistischen Organisationen "tickt", ist kaum bekannt. Auch, weil Reporter aus dem "Kalifat" so gut wie nie berichten können, sondern mit Geiselnahme oder Enthauptung rechnen müssen. Dennoch wagen es Journalisten immer wieder, diese Mauer zu durchbrechen. Die Französin Anna Erelle hat unter der falschen Identität einer Konvertitin per "Skype" viele Stunden mit einem hochrangigen "IS"-Kämpfer gesprochen. In ihrem Buch "Undercover Djihadistin" zeichnet sie das Psychogramm eines Franzosen mit Migrationshintergrund, der sich einer gründlichen Gehirnwäsche unterzogen hat.

Das Hauptmotiv seines grausamen Tuns liegt aber, so zeigt Erelle, nicht so sehr in der Hoffnung auf den Islamischen Staat, sondern im Wunsch nach Rache und Vergeltung am Westen. Die Motivationslage der "IS"-Kämpfer zu erkunden, die zum Großteil aus Europa stammen, hat sich auch Jürgen Todenhöfer vorgenommen, der als erster westlicher nichtmuslimischer Journalist mit Genehmigung des "Büros des Kalifats" in die "Douwla Islamiyya" einreisen durfte. In seinem Buch "Inside IS - Zehn Tage im Islamischen Staat" spricht er auch mit Deutschen ohne Migrationshintergrund in den Reihen des "IS" - einer ist aus dem Ruhrpott in den Djihad gezogen. Todenhöfers These: Nur wenn wir verstehen, wie bei jungen Menschen die Schalter Richtung islamistischer Terror umgelegt werden, können wir wirksam etwas dagegen tun.

Versponnene Schönheit - Chiharu Shiota auf der Biennale

Ein Faden kann jede beliebige Länge haben. Der Faden, aus dem Chiharu Shiota ihre Installation für den japanischen Pavillon gesponnen hat, ist insgesamt 400 km lang. Ein Faden kann verknüpfen, verbinden - aber auch verstricken, verspinnen, was ursprünglich mal bezugslos und flüchtig war. Shiota arbeitet mit Fäden, die Räume in durchwebte Netze verwandeln, die alltägliche Gegenstände umhüllen, fixieren und verbinden. Betten, Koffer, Schuhe - oder wie jetzt in Venedig - Schlüssel, die sie sich von überall auf der Welt hat schicken lassen. Sie möchte "auf der Luft zeichnen", sagt sie.

In ihren Räumen spürt man die Akribie und Ruhe, die Shiota aufwendet und schafft, um ihre Objekte und teilweise auch sich selbst einzuspinnen und im Raum schweben zu lassen. Erinnerungen und Geschichten von Menschen, die zum Beispiel die Schuhe in ihrer Installation "Over the Continents" oder die 180.000 Schlüssel erzählen. Shiotas Kunst ist handwerklich und meditativ zugleich. Sie verliert sich nicht in intellektuellen Diskursen, sondern dekliniert eine ästhetische Figur durch und umhüllt den Betrachter so im wahrsten Sinne. Heimat und Fremde spielen für sie spätestens seit Ende der 90er Jahre als Themen eine Rolle, als sie ihr Heimatland verließ, um am Ende in Berlin zu leben. Im Trubel von Venedig wirken die mit Booten versponnenen Schlüssel wie ein meditativer Kontrapunkt auf dem Jahrmarkt der Künste.

Mumford & Sons erfinden sich neu - Statt Folk jetzt Stadionrock

Ihr Folk-Sound begeisterte die Massen auf der ganzen Welt. Jetzt meldet sich die britische Band Mumford and Sons mit neuem Album zurück. Mit völlig neuen Klängen - sie haben ihre Akustik-Instrumente beiseite gelegt und sie durch E-Gitarren und Synthesizer ersetzt. Ein radikales Experiment, war das Banjo doch ihr Markenzeichen. Und auch auf den "Road-Test" für ihre Songs - die sie sonst immer live spielten, bevor sie auf ein Album kamen - haben sie diesmal verzichtet. Kann das gut gehen? aspekte trifft Marcus Mumford und den Ex-Banjo- und nun E-Gitarristen Winston Marshall zum Exklusivinterview. Unter anderem wollen wir natürlich wissen: Warum dieser radikale Bruch? Und: was ist eigentlich mit den Banjos passiert?

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