Die Themen am 27. Mai 2016

Moderation: Katty Salié & Jo Schück

Kultur | aspekte - Die Themen am 27. Mai 2016

Zeithistoriker Andreas Rödder hält das Konservative dennoch für eine "legitime Haltung, die besagt, dass man den Wandel verträglich gestalten will." Behutsame Verbesserung statt radikale Umgestaltung.

Beitragslänge:
13 min
Datum:
Verfügbarkeit:
Video verfügbar bis 27.05.2017, 15:14

Die Themen und Gäste unserer Kultursendung am Freitag ab 23.00 Uhr.

Märtyrer im Museum

Provokante Ausstellung in Kopenhagen

Ein dänisches Künstlerkollektiv plant in Kopenhagen eine Ausstellung, in der es um Menschen gehen soll, "die bereit waren für ihre Sache zu sterben". "Märtyrermuseum" heißt die Ausstellung. Rosa Luxemburg wird als Figur thematisiert, aber auch Jeanne d’Arc und - das ist der eigentliche Aufreger - die Attentäter von Paris und Brüssel. Es soll sogar ein Handschuh gezeigt werden, in dem einer der Brüsseler Selbstmordattentäter den Zünder versteckte. Worum geht es? Um Devotionalien des Terrors? Um eine Ästhetisierung des Massenmords?

Die Faszination des Terrors für die Kunst ist nicht neu. Der Komponist Karlheinz Stockhausen nannte 9/11 "das größte Kunstwerk, das es überhaupt gibt". Anselm Kiefer meinte, Osama bin Laden habe das "perfekteste Bild geschaffen, das wir seit den Schritten des ersten Mannes auf dem Mond gesehen haben". Fakt ist: Der islamistische Terror beherrscht den Bildersturm, er basiert auf der so genannten "Kunst des Todes" - ein Werk des Muslimbruders Hassan al Banna von 1938, das den Mythos des Märtyrers begründet. "In die Twin Towers zu fliegen, auf Menschen im Bataclan zu schießen oder sich in Brüssel selbst in die Luft zu sprengen, macht man nur im Glauben an eine bessere Welt“, sagt eine der am Projekt beteiligten dänischen Künstlerinnen. Wir sind am 26. Mai exklusiv dabei, wenn die Skandal-Ausstellung eröffnet.

Was ist 'konservativ'?

Über die Unschärfe einer Idee

Was ist heute überhaupt noch 'konservativ'? In Zeiten des rasanten Wandels sind die Konservativen per Definition diejenigen, die bewahren wollen. Nur was eigentlich? Welche Werte gehören genau dazu? Der Zeithistoriker Andreas Rödder plädiert dafür, den Begriff wieder selbstbewusst zu verwenden, um ihn nicht den neuen Rechten und Rechtspopulisten zu überlassen, die sich damit gerne schmücken. Das Paradoxe ist jedoch, dass Konservative verteidigen, was sie gestern noch bekämpft haben - es gibt für sie gar keine ewigen Werte, es geht eher um eine politische Haltung. Der Politikwissenschaftler Jens Hacke hält dagegen: mit dem Begriff 'konservativ' sei heute politisch kein Blumentopf zu gewinnen, es sei bloß eine leere Hülle geworden. aspekte auf Spurensuche - wer sind die wahren Konservativen und was nützt diese politische Haltung?

Olympia im Selbstversuch

Ilija Trojanow trainiert

Es ist ein bisher einmaliger sportlicher Selbstversuch, einer mit gehörigem literarischem Kollateralgewinn dazu: Der vielfach ausgezeichnete Schriftsteller Ilija Trojanow ("Der Weltensammler") stellt sich im Vorfeld der Olympiade von Rio 2016 allen Einzeldisziplinen der Spiele. Trojanow möchte, unterstützt und trainiert von professionellen und teils prominenten Trainern, zumindest "halbolympisches Niveau" erreichen. Eine einzigartige körperliche wie auch seelische Strapaze, eine Selbsterfahrung, die der Autor (Jahrgang 1965) in einem am 25. Mai erscheinenden Buch "Meine Olympiade - Ein Amateur, vier Jahre, 80 Disziplinen" öffentlich macht. aspekte begleitet diesen Prozess. In einer Reihe im Vorfeld der Olympiade können die Zuschauer bei aspekte (im TV wie auch online) teilhaben am Meistern - oder auch Verzweifeln – des Autors an Disziplinen wie Turmspringen, Stabhochsprung oder Bogenschießen, an Reflektionen des Schriftstellers über die jeweilige Sportart, über seinen Kampf mit sich selbst.

Genie an den Tasten: Daniil Trifonov

Porträt eines Ausnahmepianisten

Schon jetzt wird er als neuer Vladimir Horowitz gehandelt – die Virtuosenlegende des 20. Jahrhunderts. Seine Konzerte sind Monate im Voraus ausverkauft. Er scheint der neue Messias am Klavierhimmel: Daniil Trifonov. 2011 staubte der damals 20-Jährige innerhalb von sechs Wochen bei zwei bedeutenden internationalen Musikwettbewerben erste Preise, Goldmedaillen und Publikumspreise ab, spielte kurz darauf sein weltweit beachtetes Debüt in der New Yorker Carnegie Hall. Er verbindet höchste Virtuosität mit einer großen gedanklichen Reife - und das mit gerade mal 25 Jahren. Es gibt wohl kaum einen Pianisten, der ein solches Pensum absolviert wie er. Mehr als 130 Konzerte spielt er im Jahr. Seine diesjährige Deutschlandtournee startete er in Elmau, dort, wo er 2012 sein erstes Deutschlandkonzert gab. aspekte hat ihn dorthin begleitet und durchaus Überraschendes miterlebt. Zu viele Superlative? Sehen - und hören - Sie selbst.

Münchener Biennale startet

Neues Musiktheater ganz ungewöhnlich

Neugier, Entwicklung, Partizipation, Reflexion - all das will die Münchener Biennale. Es geht um neues Musiktheater unterschiedlichster Formate von Oper, szenischer Installation und Performance, um künstlerische Intervention im Stadtraum, um partizipative Projekte und diskursive Formate. Ambitioniert.

Es ist weltweit das einzige Festival, das ausschließlich Uraufführungen von Musiktheater-Werken zeigt. Gegründet wurde die Münchener Biennale 1988 von Hans Werner Henze. Seit diesem Jahr übernehmen die beiden Komponisten Daniel Ott und Manos Tsangaris die künstlerische Leitung. Viele Projekte sind interdisziplinär und definieren den Musiktheater-Begriff neu. Ott und Tsangaris knüpfen an Hans Werner Henze an und machen das Festival konsequent zu einem Nachwuchsforum: das Durchschnittsalter der Protagonisten liegt bei 30 Jahren. aspekte schaut neugierig nach München, kurz bevor es losgeht.

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