"aspekte - on tour" am 29. Juli 2016

Salzburger Festspiele: Kulturauftrieb und Musikgenuss

In der dritten Ausgabe der Sommerreihe "aspekte - on tour" geht die Reise mit Katty Salié und Tobias Schlegl nach Österreich: in die traditionsreiche Festspielstadt Salzburg.

Schauspielerin Miriam Fussenegger

Die neue Buhlschaft im „Jedermann“

Seit Gründung der Salzburger Festspiele steht das mittelalterliche Mysterienspiel „Jedermann“ von Hugo von Hofmannsthal auf dem Spielplan. Jedes Jahr ist diese Inszenierung Publikumsmagnet und sorgt für volle Ränge auf dem Domplatz. Seit nunmehr 1920 ist dabei die Besetzung der Buhlschaft, der größten kleinsten Rolle der Theatergeschichte, eine der wichtigsten Personalien des Festspiel Sommers. Die Liste derjenigen, die sich schon in dieser Nebenrolle verlustieren durften, ist lang: Senta Berger, Sophie Rois, Nina Hoss, Birgit Minichmayr – und auch Veronica Ferres, um nur einige der 31 Darstellerinnen zu nennen. Die Rolle der Buhlschaft ist von den Auserwählten, obwohl der Text nur aus dreißig Sätzen besteht, geliebt und gefürchtet zugleich. Keiner Rolle wird bei den Festspielen größere Aufmerksamkeit geschenkt als der Buhlschaft. Vom Kleid über die mehr oder weniger opulente Figur bis zum Sitz der Haare – die Schauspielerinnen müssen so einige Beurteilungen über sich ergehen lassen, wenn schon der Text nicht so viel hergibt. Dieses Jahr stellt sich der Herausforderung die junge Schauspielerin Miriam Fussenegger. Vor zwei Jahren hat sie das Max Reinhardt Seminar in Wien abgeschlossen. Letztes Jahr debütierte sie bei den Salzburger Festspielen als Lucy in „Mackie Messer. Eine Salzburger Dreigroschenoper“. In zwei Fernsehfilmen war sie auch schon zu sehen, zuletzt stand sie für einen dreiteiligen Historienfilm vor der Kamera. aspekte trifft Miriam Fussenegger in Salzburg vor einer „Jedermann“-Aufführung.

Stardirigent Franz Welser-Möst

So klingt Richard Strauss heute
Richard Strauss' vorletzte Oper wird nicht von ungefähr selten gespielt. „Die Liebe der Danae“ gilt als eher sperriges Werk. Ihre Entstehung ist fatal mit dem Weltkrieg und Ende des Dritten Reichs verknüpft. Strauss begann 1938 mit der Partitur. Eine "heitere Mythologie" sollte es werden. Tatsächlich ist daraus eine schwerblütige Oper geworden, die der Komponist im Sommer 1940 zu Ende brachte. Die für 1944 geplante Uraufführung der "Danae" bei den Salzburger Festspielen fand nicht statt. Zu der Zeit waren" bereits alle deutschsprachigen Theater geschlossen. Nun ist das selten gespielte Werk wieder einmal zu sehen. aspekte stellt die Neuinszenierung der Salzburger Festspiele vor und spricht anschließend mit dem Dirigenten Franz Welser-Möst: über die „Danae“, über Strauss (einen der Gründungsväter der Festspiele) und die Salzburger Festspiele selbst.

Thomas Adès: „The Exterminating Angel“

Die neue Oper des Briten in Salzburg
Eine feine Abendgesellschaft findet sich nach dem Besuch einer Oper zum Souper in einer Villa ein. Die Gäste betreten einen Salon - und können nicht mehr nach draußen, obwohl alle Türen offen sind. In Luis Buñuels Film-Klassiker "Der Würgeengel" brechen Aggressivität und Barbarei, primitive Instinkte und Leidenschaften hervor - trotz aller Bemühungen, Moral und Manieren zu bewahren. „Der Würgeengel“ - eine Parabel auf den Zustand der Bourgeoisie. Was macht nun der britische Komponist Thomas Adès daraus? „The Exterminating Angel“ ist die erste große Opernproduktion der diesjährigen Festspiele, und alle warten schon gespannt auf diese Uraufführung. Der Komponist gilt als einer der begabtesten zeitgenössischen Komponisten und wird schon als würdiger Nachfolger von Benjamin Britten gesehen. Und Uraufführungen in Salzburg sind ohnehin immer ein Hingucker.

Christian Gerhaher singt Schubert

Bekenntnis zur Hochkultur
Er hat Vorlesungen in Philosophie besucht und ein Medizinstudium abgeschlossen. Doch die Musik ist die große Leidenschaft von Christian Gerhaher. Er gehört zu den besten Liedinterpreten unserer Tage, wird verglichen mit dem großen Dietrich Fischer-Dieskau. Den feinen und klugen Liedinterpreten zieht es eher selten auf die Opernbühne. Eigentlich hat er sich vor allem der melancholischen Klangwelt der Romantik verschrieben. Doch sein Debüt bei den Salzburger Festspielen gab er in einer Oper von Mozart. Vor genau zehn Jahren sang er hier den Papageno in der "Zauberflöte". Seitdem ist er regelmäßiger Gast bei den Festspielen.

„Menschenbilder - Götterwelten"

Kunst in der Salzburger Residenz
Rubens, Rembrandt und van Dyck – für Salzburg nur das Beste. Mit der Ausstellung „Menschenbilder – Götterwelten“ werden in diesem Jahr auch Kunstliebhaber nach Salzburg gelockt. In den prunkvollen Gemächern der Fürsterzbischöfe dreht sich alles um Portraits und Götterbilder, von der Renaissance bis zum Anfang des 19. Jahrhunderts. An der Schnittstelle von menschlicher und vermeintlich gottgegebener Macht verwischen schon mal die Grenzen. Wer ist hier noch Mensch, wer darf schon Gott sein? Auch wenn jedes Jahr Millionen Kulturbeflissene in die kleine Stadt an der Salzach pilgern - die wenigsten dürften ahnen, dass die barocke Prachtentfaltung auch ihre dunkle Seite hatte. Der kleine Gottesstaat war keinesfalls ein Musterbeispiel christlicher Nächstenliebe. Und die katholischen Majestäten machten nicht nur freigeistigen Künstlern wie Mozart das Leben zur Hölle. aspekte schwelgt in barocker Pracht und spricht mit dem Schriftsteller und Regisseur Kurt Palm über das Folterregiment katholischer Herrschaftsausübung.

Knatsch in Bayreuth

Der neue "Parsifal" am Grünen Hügel
Erst hatte die Festspielleitung den umstrittenen Performance-Künstler Jonathan Meese vor die Tür gesetzt, bevor es richtig begonnen hatte - angeblich aus finanziellen Gründen. Dann sprang gerade mal drei Wochen vor der Premiere Stardirigent Andris Nelsons ab. Es wurde viel spekuliert: der andere Dirigentenstar am Hügel Christian Thielemann dulde keine anderen Götter neben sich, er habe Nelsons rausgeekelt. Dann wiederum hieß es, Nelsons und Festspielleitung seien sich uneins wegen der Sänger geworden … Eines steht fest: Bayreuth ohne Skandale scheint unmöglich. Wie aber läuft nun der „Parsifal“ mit den Ersatzspielern Uwe Eric Laufenberg (Regisseur) und Hartmut Haenchen (Dirigent)?

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