Die Themen am 3. Juni 2016

Moderation: Katty Salié & Tobias Schlegl

Kultur | aspekte - Die Themen am 3. Juni 2016

Der belgische Künstler Jan Fabre zu seinem Projekt "Bosch in Congo" im Nordbrabants Museum in ‘s-Hertogenbosch. Im Gespräch mit aspekte-Autor Peter Schiering über seine Verehrung für Hieronymus Bosch.

Beitragslänge:
7 min
Datum:
Verfügbarkeit:
Video verfügbar bis 02.06.2017, 17:22

Die Themen und Gäste unserer Kultursendung am Freitag ab 23.00 Uhr.

Hieronymus Bosch in Madrid

Zum 500. Todesjahr des Visionärs

Hieronymus Bosch ist bis heute einer der gewaltigsten Künstler der Kunstgeschichte. 500 Jahre nach seinem Tod stehen Menschen jetzt in Madrid in der bisher größten Bosch-Schau wieder staunend vor seinen Gemälden und bewundern seine Bild-Erfindungen. Die bösartigen Kreaturen, die andere quälen, die Mischwesen aus Kröte, Fisch und Mensch. Mit wohligem Grausen gehen selbst Kinder vom Paradies in die Hölle. Eine Hölle, die der Maler mit eigenen Augen gesehen zu haben scheint.

Holländische Kunsthistoriker haben in einem großen Joint-Venture Gemälde von Bosch restauriert und sie in seiner Geburtsstadt 's-Hertogenbosch ausgestellt, bevor sie zu der aktuellen Ausstellung in Madrid reisten. Wenig weiß man über den frommen Mann aus Nordbrabant. Das war über die Jahrhunderte Anlass für die wüstesten Spekulationen. Angefangen von dem Verdacht, er habe Drogen genommen oder er wäre Freimaurer gewesen, war alles vertreten, um die fantastischen Mischwesen mit Alptraumpotenzial zu erklären. Heute präsentiert uns die Kunstgeschichte einen braven und fleißigen Menschen, der aus religiöser Überzeugung so glaubwürdig die menschlichen Abgründe dargestellt haben soll. Ein bisschen Resthoffnung bleibt, dass die Abgründe doch vorhanden waren. Denn nur aus religiöser Überzeugung kann seine künstlerische Schaffenskraft nicht gespeist gewesen sein.

Erdogans Feldzug gegen die Kurden

Künstler über die unterdrückte Kultur

Seit Monaten herrscht Ausgangssperre in zahlreichen Städten im Südosten der Türkei. Es toben Straßenkämpfe zwischen PKK-Anhängern und der Regierung, welche mit äußerster Härte vorgeht. Leidtragende: die Zivilbevölkerung. Es ist noch nicht lange her, da standen die Friedensverhandlungen - ausgehandelt von der prokurdischen HDP - zwischen der PKK und der Regierung ganz oben auf der Agenda. Heute spricht niemand mehr über Frieden. Beim Kampf gegen den Terror macht die Regierung vor niemandem halt, auch nicht vor Akademikern oder Künstlern, die sich gegen den Terrorkampf aussprechen. Mit ihnen sprechen wir und sind unterwegs in Diyarbakir - gemeinsam mit einem Kameramann des kurdischen Fernsehsenders, der inzwischen ums Überleben kämpft . Denn auch er ist der türkischen Regierung inzwischen ein Dorn im Auge, zeigt er doch die Bilder von den abgeriegelten Städten, die keiner sehen will.

Kulturschaffende zum 'Brexit'

Tobias Schlegl ergründet die britische Seele

Wie ticken eigentlich die Briten? Warum ist die Stimmung so stark für einen Ausstieg aus der EU? Warum hat die Pro-EU-Kampagne bisher so geringen Widerhall? Liegt es an der traditionellen Insellage? Am innenpolitischen Schaden, den die Regierung Cameron hinterlassen hat? Ein paar EU-Bürger in Großbritannien versuchen inzwischen in einer rührenden Geste mit der Kampagne "Hug a Brit" die Einheimischen zu umarmen und für Europa einzunehmen. Inzwischen melden sich auch fast 300 britische Künstler, Schauspieler und Intellektuelle in einem offenen Brief zu Wort. Tobias Schlegl versucht vor Ort, die britische Seele zu ergründen.

Ilija Trojanows Olympiade

Der 'Achtzigkampf' des Schriftstellers

Ok, man braucht schon Zeit. Und Mut. Und vielleicht auch mangelnde Vernunft. Alle olympischen Einzeldisziplinen wollte Ilija Trojanow erfahren, erleben, erleiden. Als Sportler, mehr aber noch: als Schriftsteller. Er trainierte 80 Disziplinen auf vier Kontinenten, an seiner Seite stets ein kundiger Trainer. Das übliche "Schneller, Höher, Weiter“ war ihm nicht genug. Ihn interessiert das Wesen der Sportarten, ihre Schönheit, ihre Geschichte, zum Beispiel beim Diskus:. „Weil die Scheibe wahrscheinlich keine besonders gute Waffe war, haben sie gesagt: Lasst uns einen Sport daraus machen.“ Bahnradfahren - gänzlich ohne Bremse oder Gänge bei hoher Geschwindigkeit - entlarvt Trojanow als eine paradoxe soziale Übung. Man muss aufeinander Rücksicht nehmen, Freiräume schaffen und will doch zugleich gewinnen. Ein "Foul" wäre zu gefährlich. Immer wieder begegnen ihm Rhythmus und Elemente des Tanzes, ob nun beim Diskus oder im Badminton. Und in der größten Anstrengung verbergen sich Meditation und Spiritualität. Um all das zu spüren, genügte es nicht, Zuschauer zu sein oder Archive zu durchforsten. Vier Jahre hat er sich "seiner Olympiade" verschrieben. Lebensgefahr mit inbegriffen. Auf dem Stabhochsprung-Stab zeigt ihm sein Trainer einen Warnhinweis: „Ernste Verletzungen, einschließlich Lähmung und Tod können eintreten.“ "Meine Olympiade" heißt sein Buch. Es ist schon angenehm, wenn man einem Menschen dabei zuschaut, sich etwas zuzumuten, was man sich selbst nicht traut. Und wenn dieser stellvertretend Wagemutige das Erlebte auch noch unterhaltsam aufschreibt, hat man noch mehr Gründe, bequem sitzen zu bleiben.

"Linke Läufer" in Nürnberger Theater

Jüdische Fußballer im Dritten Reich

"Der Club war der erste. Und muss der erste werden." 2012 erinnerten die Fans der Nürnberger Ultras in einer spektakulären Choreografie beim Heimspiel gegen Bayern München an Jenö Konrad - den ehemaligen Trainer des 1. FC Nürnberg, der überstürzt in der Nacht vom 5. auf den 6. August 1932 seinen Verein verließ. Nachdem "Der Stürmer" nach zwei Meisterschaftsniederlagen titelte: "Der 1. Fußballclub Nürnberg geht am Juden zugrunde.(...) Gib deinem Trainer eine Fahrkarte nach Jerusalem." Damit war für Jenö Konrad seine Karriere beendet. Wie so viele Fußballvereine, hatte es auch der 1.FC Nürnberg mit der Aufarbeitung seiner nationalsozialistischen Vergangenheit nicht wirklich eilig: Erst 2013 verlieh der Verein Jenö Konrad posthum die Ehrenmitgliedschaft und rehabilitierte alle in der NS-Zeit ausgeschlossenen jüdischen Mitglieder.

Der Autor Albert Ostermaier hat jetzt über den vergessenen Trainer Jenö Konrad ein Theaterstück geschrieben. Über einen belesenen, sensiblen und engagierten Mann, der schon vor Übernahme der Nationalsozialisten ein feines Sensorium dafür hatte, was um ihn herum passierte. "Jenö Konrad steht für alle, die einfach das Spiel, den Sport und den Fußball verteidigen wollen, in seinen Werten, die Gleichheit des Miteinanders", sagt Ostermaier im aspekte-Interview", "er steht für alle, die ein Sensorium haben, was heute passiert. Wir leben wieder in einer Zeit, wo es wichtiger denn je ist, Demokrat zu sein und sich auch dafür einzusetzen." Sieht man sich die aktuellen Entwicklungen beispielsweise um Jérôme Boateng an, ist Ostermaiers Forderung aktueller denn je. Das Stück "Linke Läufer" feiert seine Premiere am 9. Juni am Staatstheater Nürnberg.

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