"Lieber aber nach Hause"

"Freedimensional" bringt verfolge Künstler ins Exil

"Freedimensional" heißt eine Hilfsorganisation, die sich als "Amnesty International" der Kunstwelt versteht. Die NGO (Nichtregierungsorganisation) kümmert sich um all diejenigen, die ihre künstlerische Arbeit oft in Lebensgefahr bringt.

Chaw Ei Thein
Chaw Ei Thein im Exil Quelle: ZDF

Chaw Ei Thein ist Künstlerin und Burmesin - und lebt in New York. Doch die Stadt am Hudson River ist für sie keine Traumstadt, sondern Zufluchtsort: "Seit ich die Entscheidung getroffen habe, in den USA politisches Asyl zu beantragen, fühle ich mich irgendwie schuldig. Ich müsste so dringend in Burma selbst helfen. Ich bin jetzt hier in New York und habe mich gefragt, ist das nicht egoistisch? Aber ich hatte auch gar keine andere Wahl." Zur Zeit lebt sie im New Yorker Stadtteil Queens. Auf engstem Raum malt sie weiter, plant Performances.

"Wo ist mein Ort?"

Weit weg von Burma. Dort hatte sie mit Kindern gearbeitet, eine Galerie betrieben und ein Atelier. Mutter, Schwester und Bruder leben dort. Auf einer Auslandsreise erfuhr sie, dass sie wegen ihrer Kunstaktionen nicht mehr in ihre Heimat zurück kann. "Ich versuche, mich hier zu arrangieren", sagt Chaw Ei Thein. "Es ist schon hart, meine Familie ist dort. Ich bin manchmal schon sehr verwirrt und frage mich, wo ist mein Ort? Ich habe das Gefühl, meinen eigenen Raum verloren zu haben. Meine Galerie, mein Atelier."

Chaw Ei Theins Familie in Burma
Chaw Ei Theins Familie in Burma Quelle: ZDF

Chaw Ei Thein malt, zum Beispiel ein Bild von Aung San Suu Kyi - die berühmte Friedensnobelpreisträgerin stand zu Zeiten der Militärdiktatur 15 Jahre unter Hausarrest. 2007 hatte das Regime die "Safranrevolution" blutig niedergeschlagen. Momentan öffnet sich das Land. Gefangene werden entlassen. Doch besonders politische Inhaftierte sitzen immer noch hinter Gittern. Deshalb misstrauen Exilanten wie Chaw Ei dem Wandel. 2005 kam sie ins Gefängnis - wegen einer Straßenperformance, die auf überteuerte Lebensmittel hinwies. "Ich wurde für fünf Tage inhaftiert und bekam große Schwierigkeiten", so Chaw Ei. "Mein Pass wurde nicht verlängert und mir wurde klar, ich konnte nicht mehr zurückgehen."

Verfolgt wegen der künstlerischen Arbeit

Dass sie überhaupt in der Stadt ist, hat mit der Hilfsorganisation "Freedimensional" zu tun. Weltweit kümmert sich die NGO (Non-Governmental Organization, dt.: Nichtregierungsorganisation) um Künstler, die in ihren Ländern bedroht werden. Unbürokratisch und mit kleiner Besetzung helfen sie Künstlern, die nicht den Status von Menschenrechtsaktivisten haben, sondern wegen ihrer künstlerischen Arbeit verfolgt werden - von Afrika, über die arabische Welt bis nach Asien. Todd Lester von "Freedimensional" erläutert: "Wir sind ein großes Netzwerk und arbeiten mit insgesamt 500 unabhängigen Kultureinrichtungen in über 80 Ländern zusammen. Zunächst mal fragen wir dort an, wenn wir von einem Künstler in Gefahr hören. Ob in der Nähe ein Ort ist, wo er oder sie schnell außer Gefahr gebracht werden kann."

Todd Lester von der Hilfsorganisation "Freedimensional"
Todd Lester von Freedimensional Quelle: ZDF

Auch Lawman Lynch ist mit Hilfe von "Freedimensional" nach New York gekommen. Der 24-jährige Jugendaktivist und Musiker aus Jamaika lebt in einem Künstlerhaus und wird von einem "Freedimensional"-Mitarbeiter betreut. Jamaika ist nicht als Unrechtsstaat bekannt. Trotzdem ist Lawman wegen seiner Aktivitäten in Gefahr geraten. Das ist das Hauptkriterium der Organisation um zu helfen. "Ich habe mich im Fernsehen für den Rücktritt des Premierministers ausgesprochen", erzählt Chaw Ei Thein. "Stunden später explodierte ein Sprengsatz in meinem Auto. Ich denke, das war ein Warnschuss, dass ich besser das Land verlasse. Ehrlich gesagt, wollte ich nicht gehen. Ich wollte diesen Kampf alleine durchstehen. Aber es wäre zu gefährlich für meine Familie gewesen. Und deshalb dachte ich, das beste ist, das Land zu verlassen."

Lawman Lynch vor den Trümmern seines Autos
Lawman Lynch Quelle: ZDF

Lieber heute als morgen zurück

Chaw Ei und Lawman sind nur zwei von Hunderten Künstlern und Aktivisten, die Hilfe von "Freedimensional" bekommen. Alle wollen sie lieber heute als morgen in ihre Länder zurück. "Mir ist klar, dass es diese Probleme nicht nur in Burma gibt, sondern überall auf der Welt", sagt Chaw Ei. "Deshalb frage ich mich, wie soll das mit der nächsten Generation weitergehen? Das habe ich in meinem Bild von Aung San Suu Kyi zum Ausdruck gebracht."

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