Lieblingssport der Künstler

Was reizt Kopfarbeiter am Faustkampf?

Boxen ist populärer denn je - und kein anderer Sport hat seit jeher Künstler und Schriftsteller so fasziniert und inspiriert. Was reizt Kopfarbeiter so am Faustkampf?

Norman Mailer und Muhammed Ali
Norman Mailer und Muhammed Ali Quelle: ap

Boxen ist populärer denn je: Wenn einer der Klitschkos boxt, dann fiebern weltweit bis zu 500 Millionen Zuschauer mit, in Deutschland um die 15 Millionen. Das liegt nicht nur am "Klitschko-Effekt" - obwohl die beiden cleveren Charismatiker auch viele anziehen, die sonst kein Boxen mögen.



Klitschko boxt
Klitschko boxt Quelle: dpa

Kein anderer Sport hat seit jeher Künstler und Schriftsteller so fasziniert und inspiriert. Was reizt Kopfarbeiter so am Faustkampf? Es ist nicht nur das Archaisch-Körperliche, sondern auch die Dramatik von Sieg und Niederlage: "Du musst erst furchtbar verletzt werden, bevor du ernsthaft schreiben kannst", so Boxfan Ernest Hemingway. "Man muss die Niederlage kennengelernt haben, bevor man den Sieg zu schätzen weiß", sagt Schwergewichtler George Foreman. Sogar Marlene Dietrich nahm einst Box-Unterricht.

"Ein einzigartiges Drama"

Die Reihe der boxbegeisterten Bleistift-Athleten ist lang: Sie reicht von Lord Byron und Jack London über Arthur Conan Doyle und Bert Brecht zu George Bernard Shaw und Norman Mailer. Im Ring spiegeln sich alle Elemente des Lebens wider: "Jeder Boxkampf ist eine Geschichte, ein einzigartiges und bis zum Äußersten verdichtetes Drama ohne Worte", so die amerikanische Schriftstellerin Joyce Carol Oates.

Ernest Hemingway boxt
Ernest Hemingway boxt

Boxen ist kein wildes Aufeinander-Eindreschen. Auch hier gibt es Regeln. Doch je abstrakter und hochtechnisierter unsere Welt wird, desto beliebter wird ein so unmittelbarer Sport wie Boxen. Es setzt aufgestaute Emotionen frei und die Zwänge der Zivilisation außer Kraft. Im Ring gilt die Devise: "Was du nicht willst, was man dir tu, das füge deinem Gegner zu". Boxen lebt von den Extremen: Brutalität und Schmerz, aber auch Taktik und Disziplin - Es geht um alles oder nichts.

Der Kampf mit sich selbst

Zwischen Boxer und Künstler existiert eine Art Seelenverwandtschaft: Ganz auf sich allein gestellt sein und alles aufs Spiel setzen, dieselbe Unterwerfung der eigenen Persönlichkeit unter ein selbstgewähltes Schicksal, der Kampf auch mit sich selbst, das Sich-Vollständig-der-Öffentlichkeit-preisgeben, die Einsamkeit des Losers. Boxen ist eine Metapher für das Leben - seine Schönheit, Verletzlichkeit, Verzweiflung und Vergänglichkeit. "Durch den Schmerz hindurchzugehen und dann zu triumphieren, das hofft der Schriftsteller wie auch der Boxer", schreibt Oates.So ist es auch kein Zufall, dass der boxbegeisterte holländische Aktionskünstler Lepe Rubingh eine neue Sportart erfand: das Schachboxen. Hier drückt sich aus, wie sehr Boxen sich im Kopf abspielt: In elf Runden wird immer abwechselnd eine Partie Blitzschach gespielt und eine Runde geboxt.

"Boxen für Kulturinteressierte"

Inzwischen werden sogar Weltmeisterschaften im Schachboxen ausgetragen. Boxen unters Volk zu bringen, eine alternative Boxkultur zu schaffen, das haben sich die Veranstalter der Berliner Kiezboxgalas vorgenommen. "Boxen für Kulturinteressierte" nennt es Björn von Swietkowsky, und das kommt an: Für kleines Geld spielen Bands, treten Burlesque-Nummerngirls auf, kämpfen Amateure. Und die Zuschauer sind ganz nah dran.

"Die so genannte Ringintelligenz" - Clemens Meyer im InterviewBoxen ist Kultur: aspekte hat mit Katharina Thalbach, Hugh Jackman und dem ostdeutschen Hemingway Clemens Meyer über die Faszination am Boxen gesprochen.

Boxenluder beim Kiezboxen?

Um unser Web-Angebot optimal zu präsentieren und zu verbessern, verwendet das ZDF Cookies. Durch die weitere Nutzung des Web-Angebots stimmen Sie der Verwendung von Cookies zu. Näheres dazu erfahren Sie in unserer Datenschutzerklärung.

Gemerkt! Merken beendet Bewertet! Bewertung entfernt Abonniert! Abo beendet