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Shooting-Star Ocean Vuong

Der Schriftsteller zu Gast im Studio

Vuongs Debütroman "Auf Erden sind wir kurz grandios" erzählt die ewige Geschichte von Krieg, Flucht und Fremde. Vuong verwebt seine Familiengeschichte mit seinen Romanfiguren - ein Einwandererschicksal, ein Leben an den Rändern. "Schmerzhaft, toxisch, u...

Beitragslänge:
13 min
Datum:
Verfügbarkeit:
Video verfügbar bis 20.09.2020

Er war ein No Name, ein literarischer Underdog: Ocean Vuong, 1988 in Saigon geboren, kam als Zweijähriger mit Mutter und Großmutter in die USA. Bis zu seinem elften Lebensjahr konnte er aufgrund einer ererbten Legasthenie kaum lesen. Doch zehn Jahre später studierte er Englisch am Brooklyn College und veröffentlichte seit 2010 Gedichte.
Vor zwei Jahren erhielt er sogar den hochrangigen englischen T. S. Eliot Prize - dennoch war sein Name nur Eingeweihten bekannt. Heute ist Ocean Vuong der Shootingstar der amerikanischen Literatur. Sein Debütroman "Auf Erden sind wir kurz grandios" erzählt die ewige Geschichte von Krieg, Flucht und Fremde. "Unsere Muttersprache zu sprechen heißt, nur teilweise auf Vietnamesisch zu sprechen, aber ganz auf Krieg", sagt er.

Vuong verwebt seine Familiengeschichte mit seinen Romanfiguren - in Form eines Briefs, den der Sohn an die Mutter schreibt, um die eigene Geschichte zu verstehen. Ein Einwandererschicksal, ein Leben an den Rändern - "schmerzhaft, toxisch, unterbezahlt" nennt es der Autor. Nie wird die Mutter die Sprache der mächtigen USA verstehen. Sie arbeitet in einem der unzähligen Nagelstudios, typisch für Amerikas Vorstädte. Pflegt Hände und Füße der Kunden und bleibt doch immer eine Fremde. Ihr familiärer Alltag mit Sohn und Großmutter ist geprägt von Gewalt, Sprachbarrieren und Sprachlosigkeit. Die Angst, die Liebe, das Leben, gar sich selbst zu verlieren – sie ist allgegenwärtig.

Ocean Vuong rebelliert dagegen – überraschend und schmerzhaft offen. Unterwerfung als Aufbegehren – das hat im testosterongetriebenen, latent gewaltbereiten Amerika noch kein Schriftsteller gewagt. Das kommt an. Es ist die subtile Kampfansage des queeren Schriftstellers an die Feinde der Vielfalt, an Spießer und Rassisten. Ocean Vuongs Roman ist auch die literarische Abrechnung mit dem 'American Dream'. Für die Mutter aus Vietnam ist er nie wahr geworden: "Du und ich, wir waren amerikanisch, bis wir unsere Augen öffneten."

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