Lost in Hollywood

Sofia Coppolas preisgekrönter Film "Somewhere"

Routine im Leben eines Filmstars - Johnny Marco hat das alles schon x-Mal absolviert: die lästige Werbearbeit, umgeben von professionellen Schmeichlern und PR-Leuten. Nichts ist echt, selbst Freundschaften und Beziehungen sind nur gespielt.

Die Leere hinter dem Glamour. Ganz neu ist das Thema nicht, und natürlich sind das irgendwie auch Luxusprobleme. Aber Sofia Coppola hat das am eigenen Leib erfahren - von klein auf. Jetzt ist sie auf dem Höhepunkt ihres Ruhms. Einen Oscar hat sie schon und den Goldenen Löwen noch dazu.

Coppola kreiert Gefühle

Johnny Marco hat die besten Tage vielleicht schon hinter sich. Jetzt haust er wie ein einsamer Geist im legendären Hotel Chateau Marmont - begafft von Mädels, die ihn nicht kennen, beleidigt von jenen, die ihn schon kennengelernt haben. "Ich würde sagen, er ist zusammengesetzt aus einem Dutzend Schauspielern und Rockstars", sagt Regisseurin Sofia Coppola, "Leuten, die ich getroffen, und Geschichten, die ich gehört habe über das Chateau Marmont. Die habe ich alle kombiniert für diese Figur."

Wieder hat Sofia Coppola einen Film gedreht, so weich und kuschelig wie ein ungemachtes Bett. Sie erschafft nicht so sehr Geschichten, sondern Gefühle. Der Zuschauer versinkt in Melancholie und lässt sich mittreiben. Johnny ist im Irgendwo zwischen zwei Filmen gestrandet. 'Somewhere' eben. Bis ihn eines Morgens seine Tochter aus einer früheren Beziehung überrascht.

Ist es die Geschichte der Regisseurin?

Ein berühmter Vater und seine Tochter - drängt sich da nicht die Frage auf, wie sehr Coppolas Film auch ihre eigene Geschichte ist? Als Kind wohnte sie selbst eine Zeitlang im Chateau Marmont. "Für mich steht die Tochterfigur für etwas Echtes und Authentisches in seinem oberflächlichen Lifestyle, ein Gegengewicht", sagt Sofia Coppola. "Ich habe das Gefühl, beides erlebt zu haben. Ich war am Rande Teil dieser Welt und hatte zugleich eine Jugend außerhalb Hollywoods. Ich habe das alles gesehen, aber es ist nicht mein Alltag."

Doch was ist schon alltäglich, wenn man als Tochter eines Hollywood-Paten wie Francis Ford Coppola aufwächst? Die Stars gingen zuhause ein und aus. Sie wurde auf Filmfesten herumgereicht. Vom Vater bekam sie ihre erste Filmrolle in "Der Pate 3" und erntete furchtbare Verrisse. Danach wechselte sie hinter die Kamera und umkreist seitdem das Thema Einsamkeit: im Oscar-gekrönten "Lost in Translation" ebenso wie in ihrem Film über Marie Antoinette - "Lost in Versailles", schrieben Spötter.

Bilder statt Worte

Und nun "Lost in Hollywood"? Man würde jetzt gerne wissen, wie es in Sofia Coppola aussieht? Woraus sich die dunklen Momente ihrer Filme speisen? Doch das verrät sie nicht: Sie interessiere sich eben für Menschen an einem Übergangspunkt, ist ihre Standard-Antwort. Man liest diesen Satz von ihr immer wieder. Im Interview sagt sie ihn in drei Varianten auf. Mehr gibt sie nie preis.

Ihre Filme sind so viel klüger als ihre Interviews. Vielleicht, weil sie in Wirklichkeit den ganzen Zirkus hasst? Verachtet? Das Medien-Tamtam, die Glamourwelt? Ihr Film schwelgt in Bildern statt in Worten. Sie lässt dem Zuschauer Zeit, sich selbst zu fragen: Wer bin ich eigentlich? Bin ich glücklich? Johnny Marco erhält eine zweite Chance ins Leben einzutauchen - ohne Maske.

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