Made in South Africa

Modellabels aus Südafrika glänzen am Markt

Vor 20 Jahren wurde der Toi-Toi, der Xhosa-Tanz, zum Symbol des Widerstands gegen die Apartheid. Heute tanzen ihn mal Busfahrer, mal Lehrer, mal die Müllkutscher in Johannesburgs - gegen die mageren Löhne in Südafrika. Nichts hat sich geändert, meinen hier viele und gehen auf die Straße. Auf den schillernden Laufstegen von Johannesburgs Edelvierteln Rosebank oder Sandton aber sieht man das anders.

Nkhensani Manganyi
Nkhensani Manganyi

Hier demonstriert die neue schwarze "Upper Class" den Anschluss an die Haute Couture. David Tlale, ein Selfmade-Man, der im Dreck der Townships groß wurde, ist heute einer der großen Modezaren Südafrikas. Er verstand als einer der ersten, dass die wachsende schwarze Mittelschicht in seinem Land sich auch erstklassig anziehen will. "Du kannst ja keinen BMW fahren und in ausgebeulten Hosen herumlaufen", sagt Tlale, "Stil gehört dazu. Also wurde Mode sehr, sehr wichtig."

David Tlale
David Tlale

Zupackende Designer

Ein Fest soll David Tlales Fashion sein: überbordend, üppig, ein bisschen Rokoko oder ein flirrender Farbrausch - wie auf einer großen schwarzen Hochzeit. Unter 2500 Euro geht kein Abendkleid raus. Die Nähmaschinen rattern bei Tlale. Die besten Schneider sind bei ihm untergekommen, als weiße Fashiondesigner das Land verließen. Und die Gehälter? Prustendes Gelächter - darüber spricht man nicht in Südafrika. David Tlale regiert heute ein Imperium, das auch in Paris beachtet wird. Obamas "Yes we can" ist sein Motto - und Tlale meint, jeder kann es schaffen: "Früher wurden wir in jeder Weise benachteiligt - keine Frage. Aber das ist doch kein Grund, sich hinzusetzen und gar nichts zu tun und nur zu jammern, wie schlimm die Apartheid war. Man hat immer eine Wahl. Man muss nur zupacken. Aber das muss man schon selber tun."

18 Tragvarianten des Kleides "Everyone can be a designer" des Modelabels "Black Coffee"

Ein Modelabel gründen? Kein Problem - meint auch Nkhensani Manganyi. Nur muss man sich auf dem Markt auch durchsetzen. Nkhensani gilt seit zehn Jahren als die kreativste Hoffnung der Branche, ihr Label "Stoned Cherrie" als Südafrikas erfolgreichste Modemarke. Doch Nkhensani, die als Model und Fernsehmoderatorin startete, sitzt heute vor allem in Business-Meetings - immer die chinesische Billigkonkurrenz im Hinterkopf. Also verhandelt sie hartnäckig und charmant mit der mächtigen Foschini-Kette. Hat sie Erfolg, kann sie ihre Herbstkollektion schon bald in den 1500 Foschini-Shops Südafrikas vermarkten. "Wer in unserer Branche erfolgreich sein will, muss kämpfen wie David gegen Goliath", so Nkhensani. "Du hast ja all die großen Department Stores gegen dich. Sie haben die Mittel, das Kapital, das Marketing, die ganze Maschinerie. Und du musst dir buchstäblich jeden Zentimeter erkämpfen. Das ist die größte Herausforderung in meinem Job, ganz klar."

Spiel mit den Traditionen

Nkhensanis Erfolgsgeheimnis ist auf den ersten Blick kaum sichtbar. In den Läden von "Stoned Cherrie" scheint es die bunte und trendige Streetware zu geben, wie sie auch andere Labels bieten. Tatsächlich aber spielt die Mode von "Stoned Cherrie" mit den Farben und Dekors der Xhosa und Zulu, sie übersetzt schwarze Identität in Fashion - kulturell und politisch. Das schillernde "1976" auf einem T-Shirt - es steht für den Beginn des Soweto-Aufstandes.

Nkhensani Manganyi bei der Arbeit
Nkhensani Manganyi

Wer "Stonded Cherrie" trägt, der trägt Miriam Makeba, die Stimme des Widerstandes. "Ich gehöre noch zu der Generation, die die Panzerfahrzeuge in den Townships erleben musste", erzählt Nkhensani. "Die Gummigeschosse, das Wegrennen - ich war da mittendrin. Und deshalb wollte ich, dass bestimmte Bilder - wie das von Steve Biko, der von der Polizei zu Tode gefoltert wurde - nicht in staubigen Büchern in irgendwelchen Archiven vergessen werden, sondern in uns lebendig bleiben."

Unverbraucht, exotisch

Wie Nkhensani ist inzwischen eine ganze Riege junger Designer aus Südafrika auf den Catwalks von New York oder Berlin angekommen. Mode aus Südafrika - Urban Southafrican - ist unverbraucht und exotisch. Vorreiter auf dem globalen Markt sind auch Jacques van der Watt und Danica Lepen, zwei weiße Kreative, die ihr Modelabel ironisch "Black Coffee" tauften.

Jacques van der Watt und Danica Lepen
Black Coffee

Mit luftigen Schwarz-Weiß-Kontrasten haben sie nach dem Ende der Apartheid angefangen - damals, als der Fall der Rassenschranken den Modemarkt in Südafrika enorm verbreiterte. Inzwischen landete "Black Coffee" farblich - auch das mit Augenzwinkern - bei einem Grau: der perfekten Mischung aus schwarz und weiß , wie sie meinen. "Dass Schwarz und Weiß zusammenkommen, Mandelas Traum von der Regenbogen-Nation, ist natürlich idealistisch", so van der Watt. "Aber tatsächlich leben wir heute miteinander. Und für jemanden, der kreativ ist, der von seiner Inspiration lebt, ist Südafrika ein großartiger Mix der Kulturen."

Universelle Kleidung"

Gibt es den universellen Schnitt für diese bunte Mischung? Das ist es, wonach wir in unseren Entwürfen suchen", sagt seine Partnerin Danica Lepen. "Und mit dieser Schmelztiegel-Idee kommen wir inzwischen gut bei den Leuten an." Ihre clevere Designer-Lösung für Mode, die in Südafrika ebenso funnktioniert wie international, ist ein Universal-Abend-Dress, dass auf Zulu-Art, aber auch im Marilyn-Monroe-Stil getragen werden kann. Preis: 150 Euro. Peanuts für die einen - und für viele in den Townships ein Traum ...

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