Minimalistischer Pop

Kameras sind ihnen immer noch etwas unangenehm, obwohl die drei Briten seit über einem Jahr von Auftritt zu Auftritt reisen. Sie haben bereits Europa, Asien und die USA getourt. Häufig mussten sie zwei Konzerte am selben Abend geben, weil die Karten so schnell ausverkauft waren. Irgendwas ist an ihrer Musik, die so spaßfrei daherkommt und vielleicht gerade damit auch beim Massenpublikum einen Nerv zu treffen scheint.

Dunkle Popmusik

"Wenn uns jemand fragt, was für eine Art Musik wir machen, sage ich: Popmusik!", so Sänger und Bassist Oliver Sim. "Eigentlich dunkle Popmusik, einfach weil es alles bedeuten kann. Es ist ein so schön weit gefasster Begriff, der einen nicht eingrenzt." Vergangenes Wochenende waren "The XX" der Top Act auf dem populären Melt-Festival - in einem ehemaligen Braunkohle-Tagebau in Sachsen-Anhalt - der Höhepunkt von über 100 Bands. 20.000 Menschen im Publikum - dabei kannten ihre Musik Anfang 2009 gerade mal ihre Freunde.

Als Kleinkinder spielten Oliver Sim und Romy Madley Croft schon zusammen Xylophon, mit 15 gründeten sie ihre Band. Ihre Musik haben sie lange für sich selber gemacht, sagen sie, nicht fürs große Publikum. "Wir hatten lange echte Probleme damit, selbstbewusst auf der Bühne zu stehen", sagt Sängerin und Gitarristein Romy Madley Croft. "Ich habe lange gebraucht, überhaupt ins Publikum hochzugucken. Wir werden zwar immer selbstsicherer, aber wir waren und werden niemals Bühnenkinder, die ständig im Scheinwerferlicht stehen wollen. Deshalb hat es uns viel Zeit gekostet, da anzukommen, wo wir jetzt sind."

Geradezu "unpeinliche" Popsongs

"The XX" beschreiben das Gefühl einer Generation, die sucht - aber das nicht als etwas Schlechtes empfindet. Es geht auch in den Texten um so einfache Dinge wie sie vielleicht nur Teenager beschreiben können: "Jetzt ist es gut. Jetzt nicht mehr." Selten werden Erfahrungen und Gefühle so glaubwürdig und geradezu "unpeinlich" in Popsongs verpackt. "Bei uns soll alles in einem Song einen bestimmten Zweck haben -wir wollen kein Füllmaterial", betont Oliver Sim.

Vielleicht beschleicht einen das Gefühl, das alles schon mal gehört zu haben. Das mag daran liegen, dass "The XX" nicht den aktuellen Pop-Business als Inspiration nutzen. Vielmehr gelingt es ihnen, Popgeschichte zu verarbeiten - in einer ganz eigenen, konzentrierten Form. Kritiker feiern ausgerechnet das Debütalbum dieser Oberschüler als reifes Meisterwerk, das von Dauer sein wird. Zu recht.

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