"Mover and Shaker"

Über das Geschäft hinter den Filmen

Unzählige Filme laufen auf der Berlinale - die wenigstens davon kommen in die Kinos. Das ist - meist zumindest - sehr schade. Woran liegt's?

Natürlich am Geld. Der "European Film Market" ist der Platz für die Einflussreichen, die "Mover and Shaker", im Geschäft. Berlin ist seit Jahren im Aufschwung als Marktplatz - von der Anmutung irgendwo zwischen einem Eselsmarkt und der New Yorker Stock Exchange "Options".

"Hier spielt die Musik"

Lange ein alternativer Nischenmarkt, kommen heute 7000 Filmhändler nach Berlin. "Der rote Teppich ist ja schön und gut, aber hier wird Business gemacht", sagt Anais Clanet vom Vertrieb "Wide House", "hier wird gekauft und verkauft, weltweit. Hier spielt die Musik" Weltweit agierende Vertriebe, Filmverleihe, Produzenten aus 90 Ländern suchen hier das beste Geschäft, schnüren Pakete aus Filmen und Rechten.

Dass die Kinos vergangenes Jahr 17 Prozent Einbußen hatten, ist fast vergessen - längst geht es um die Zukunft, darum, welche Filme 2012 und danach auf die Leinwand kommen. Die in der Türkei geborene Schweizerin Beki Probst leitet den Filmmarkt seit 22 Jahren - wer die Stimmung testen will, geht mit ihr über den Markt. "Wie läuft's bei dir?" "Großartig, danke" "Gut, das könnte doch dann ein Film für dich sein, wer verkauft den?" Noch hadert der Markt mit der vergangenen Krise, viele Käufer kamen damals nur, um Rabatte für bereits gekaufte Filme rauszuschlagen. Doch die Zahlen erholen sich langsam.

Mehr Mainstream ist heute gefragt

"2010 war schon viel besser", sagt Beki Probst. "Da hat man schon ruhiger geatmet und gedacht: Okay, jetzt gehen wir langsam aus diesem dunklen Tunnel heraus und 2011, hoffe ich, sind wir am Schluss von diesem Tunnel." Hier geht es nur um Frischware, ein Film vom letzten Jahr ist uralt. Anais Clanet handelt mit Dokumentarfilmen und hat in diesem Jahr gut zu kämpfen: "In der Vergangenheit konnte man kleine Filme ohne bekannte Schauspieler noch richtig gewinnbringend verkaufen. Heute - und das hat die Krise mit sich gebracht - wollen alle mehr Mainstream."

In den Kabinenkinos entscheiden sich die Schicksale tausender Filme. Schon nach zehn Minuten wissen die Käufer - die "Buyer"- Bescheid. Bei Interesse geht es hinter verschlossenen Türen weiter. Und jeder Film wird ausgeschlachtet, es geht bei weitem nicht nur ums Kino. "Wir kaufen Rechte", erklärt Martin Kochendörfer, Käufer für X-Verleih, "Rechte werden hier ge- und verkauft." Rechte bedeutet: die Auswertung im Fernsehen, Kino, DVD.

Nicht alles ist verkäuflich ...

Als Trend ist natürlich auch auf dem Europäischen Filmmarkt "3-D" auszumachen, aber alles geht natürlich auch nicht über den Ladentisch. Dafür sorgt die Grande Dame der Berliner Filmbörse. "Im September schon bekamen wir eine Mail von einer Firma aus Hongkong", erzählt Beki Probst. "Da stand in großen Buchstaben: 'We have the first Porno in 3-D!' Und wir dachten: 'Oops - alles, was man sieht, ist zu groß.'"

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