Nur die Liebe zählt

Die Botschaften des Heiko Beck Kos

Am Rheinufer in Köln sollten Bäume gefällt werden - und da stand plötzlich ein Pappmännchen und große weiße Buchstaben: "Düsseldorf ist eh viel grüner". Das war Anke Engelkes erste Berührung mit dem Künstler Heiko Beck Kos vor zwei Jahren. Wer ist dieser Mann? Was sollen diese merkwürdigen Botschaften, die er auf Plakaten persönlich in die Öffentlichkeit trägt?

Anke Engelke und Heiko Beck Kos unterwegs
Anke Engelke und Heiko Beck Kos unterwegs Quelle: ZDF

Ganz einfache Sätze wie "Du bist schön" oder "Ich bin faul" stehen zum Beispiel auf den Schildern, mit denen er Passanten in Fussgängerzonen oder Manager vor Unternehmen konfrontiert. Anke Engelke ist für aspekte nach Düsseldorf gefahren, um Heiko Beck Kos persönlich kennenzulernen.

Aktionen aus Leidensdruck entstanden

Der hat eine erstaunliche Wandlung durchgemacht. Noch vor zehn Jahren war er erfolgreicher Designer in Düsseldorf, hatte nach dem Studium eine Design-Agentur gegründet, sich bereits mit 28 seinen ersten Porsche gekauft, nur noch Maßanzüge, Dolce und Gabbana, getragen. "Der Burn out hat mich erlöst" erzählt er heute. Er wollte nicht mehr so weitermachen. "Ich hab halt immer nur für Außen gelebt, immer nur für den Schein, immer nur Darstellen."

Heiko Beck Kos: "Düsseldorf ist viel grüner!"
Düsseldorf ist viel grüner! Quelle: Heiko Beck Kos

Seine erste Aktion war vor sechs Jahren "Ich bin einsam": An einem weiß gedeckten Tisch setzt er sich an einem Samstagnachmittag auf die Königsallee in Düsseldorf und hält ein Schild hoch: "Ich bin einsam". Unter dem Aspekt Kunst habe er das damals noch nicht gemacht, sagt er. "Wieviel ist wahr von dem, was auf den Schildern steht", interessiert Anke Engelke, "ist das immer ein Jetzt-Zustand?" Genau darum ginge es, erklärt Beck Kos. "Das, was heutzutage am meisten in unserer Gesellschaft fehlt, ist Vertrauen. Und Vertrauen kann nur entstehen durch Ehrlichkeit." Seine Aktionen seien aus einem Leidensdruck enstanden - er wollte sich sein eigenes Umfeld schöner machen.

"Du willst doch gar nicht lustig sein"

In der Brunnenstraße in Düsseldorf lebt er in seiner Galerie - als er Anke Engelke durch die Wohnung und das Atelier führt, bleibt sie begeistert vor einem Foto stehen. Heiko Beck Kos steht in einer großen Masse von Menschen und hält ein Schild hoch: "Bitte alle knutschen". Das liebe sie sehr, erklärt Engelke, "weil du dich da in einen Raum begeben hast, in dem sowieso eventuell Menschen knutschen." Das Problem dabei sei allerdings gewesen, erklärt der Künstler, dass alle das fehlinterpretiert hätten. Er wollte, dass Menschen knutschen, aber die meisten hätten gedacht, er wolle geküsst werden. "Das war nicht immer angenehm, wer da so kam."

Dreh-Szenen: Anke Engelke unterwegs mit Heiko Beck Kos

Vor einem großen Bild mit Zeichnung und Schrift bleiben die beiden lange stehen im Atelier. "Ich verkaufe mich auch" steht darauf oder "Meine Bilder sehen immer mehr wie eine Toilettentür aus - eigentlich ganz geil". Das sei doch lustig, meint Anke Engelke. "Aber das gibt's doch gar nicht - du willst doch gar nicht lustig sein". "Das ist ja auch das Tragische", antwortet Heiko Beck Kos trocken "dass die Leute das lustig finden." Von seiner Kunst kann er inzwischen leben. Er verkauft Zeichnungen und Fotos seiner Aktionen oder wird für Aktionen gebucht. Aber er macht nichts, was er nicht von sich aus möchte.

Wiedersehen im aspekte-Studio

Warum er nicht bei den Okkupisten stehe, fragt sich Anke Engelke, und für die Abschaffung des Kapitalismus demonstriere und schiebt gleich hinterher: "Aber natürlich willst du da nicht hin. Jetzt verstehe ich das." Ihm sei das egal, ob man seine Kunst politisch nennt oder nicht, das, was er ausdrücken will, sei eben sehr emotional und liebevoll gedacht, darum ginge es doch auch. Als es darum geht, ob die beiden noch einen Spaziergang mit Plakat machen, stößt Anke Engelke auf eine Überraschung. "Ich mache das nur für's Fernsehen", hat Heiko Beck Kos auf ein Plakat gedruckt und "Ich mach das nur für Dich, Anke" - schließlich sind seine Botschaften einfach und schlicht der "Jetzt-Zustand".

Heiko Beck Kos: "Bitte alle knutschen!"
Heiko Beck Kos: "Bitte alle knutschen!" Quelle: Heiko Beck Kos

Sie entscheiden sich dafür, dass Anke Engelke ein Plakat auf die Straße trägt mit der Botschaft "Warum fotografierst Du alles?" - und siehe da - die Entertainerin wird diesmal auf der Straße weder fotografiert noch angesprochen, wie das sonst der Fall ist. "Wenn dich das mal stören sollte mit dem Fotografiert-Werden", schlägt der Künstler vor "brauchst du einfach nur so ein Plakat dabei haben". "Hat dir schon mal jemand gesagt: 'Alter, das ist ja nur Blabla, geh weg?'", fragt Engelke zum Schluss. Heiko Beck Kos überlegt. "Nö." "Super", findet Engelke. Die beiden verabreden ein Wiedersehen - im Studio von aspekte.

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