Platzangst

Mit Architekturkritiker Gerhard Matzig auf Bausündenjagd in München

Im öffentlichen Raum bewegen wir uns jeden Tag - er ist Bestandteil unseres Alltags. Vor allem öffentliche Plätze gehören zum festen Inventar unserer Städte: Wir laufen über Plätze, um zu U-Bahn Stationen zu kommen, passieren sie, um ins Kaufhaus zu gehen oder gelangen von dort aus in die Tiefgarage. Die Gestaltung von Plätzen aber spielt in der öffentlichen Wahrnehmung eine eher untergeordnete Rolle, schon gar nicht werden sie als „Bausünden“ wahrgenommen. Der Aufreger ist die neu gebaute Shoppingmall, das missratene Museumsgebäude oder Neubaukomplexe jeglicher Art.

"Ich glaube", sagt Architekturkritiker Gerhard Matzig von der Süddeutschen Zeitung, "dass man, wenn man ein einzelnes Objekt hat, eine Shoppingmall, ein Parkdeck oder ein neues Rathaus, dann hat man eine bestimmte Architektursprache. Das Gebäude hat eine bestimmte Materialität, Proportionen, da kann man viel leichter sagen: Das gefällt mir oder das gefällt mir nicht, das ist eine Bausünde. Über ein Bauwerk kann man viel leichter diskutieren als über den öffentlichen Raum. Der ist sehr diffus und schwer zu begreifen. Da lässt sich schwerer in der Öffentlichkeit darüber diskutieren und wir sind auch bereit, da mehr hin zu nehmen. Mich wundert das, weil der öffentliche Raum, die Straßen, Wege, Plätze viel wichtiger sind für unser Wohlbefinden. Denn wir halten uns dort viel öfter auf, als an diesem einen missratenen Kaufhaus, an dem ich vielleicht einmal im Monat vorbei komme.“PLACEHOLDER

Plätze sind die relevanteren Bausünden

Für ihn sind öffentliche Plätze, die so genannte "Alltagsarchitektur", die wirklichen Bausünden und die Drehschrauben, an denen im öffentlichen Raum etwas verändert werden muss. Denn: "Im öffentlichen Raum bin ich ständig unterwegs, da wäre es viel wichtiger, dort und im Städtebau eine Qualität zu haben, als sich die Köpfe einzuschlagen über einzelne Architekturen - was ja auch oft nur eine Formdebatte ist."

"aspekte" hat sich mit Gerhard Matzig in München getroffen und die öffentlichen Bausünden besucht: den Willy-Brandt-Platz in der Messestadt Riem, den Vogelweide-Platz und den Münchner Stadtteil Waldtrudering. Und dort ist Matzig etwas passiert, an das er nicht gedacht hätte: Plötzlich wird sein Wohnhaus zur Bausünde, denn die Wahrnehmung von gebauter Umwelt ist oft eine andere, als man das so denkt!

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