Popstar am Klavier

Zum 200. Geburtstag von Franz Liszt

Er war dünn wie Mick Jagger und versetzte die Damenwelt in Trance: Franz Liszt, der vor 200 Jahren geboren wurde.

Franz Liszt
Franz Liszt Quelle: dpa

Die 24jährige georgische Pianistin Kathia Bunatisvilli folgt den Spuren Franz Liszts. Ihre Performances sind voller Spiel, Erotik und Maskerade. So wie List es liebte, den sie verehrt und den sie aufregend und frisch spielt.

Charismatisch, freizügig

Auch Liszt, der Autor wilder Piano-Tiraden und herzergreifender Nocturnes, war ein Meister der Verführung, einer der sich selbst zelebrierte. Er löste Hysterien aus, er wurde gestalkt, verehrt, angebetet. Frauen füllten den von ihm stehen gelassenen Tee in ihre Flacons. Und er tobte sich auf dem Podium aus. Der Künstler als der Verführer, der mit dem Publikum spielt. Das Konzert war bei ihm ein Event:

Der charismatische Liszt präsentierte sich seinen Zeitgenossen als Rätsel, als Wunder. Gerüchte über sein freizügiges Leben und seine zahllosen Liebesabenteuer steigerten sein Image. Diesen abenteuerlichen Lebensroman erzählt Oliver Hilmes in seiner Biographie prall und detailreich.

Von den Nazis missbraucht

Liszt Klavierwerk ist unverwüstlich, höchst eigenwillig. Es umfasst 99 CDs, aber nur das Repertoire von 5 CDs findet sich im Konzertbetrieb wieder. Überschattet wird sein Werk bis heute von seinem berühmten Schwiegersohn. Richard Wagner, der fast gleichaltrige Kollege, heiratete, zu Liszts Verdruss, dessen Tochter Cosima, die spätere Herrin von Bayreuth.

Beschädigt wird Liszts Werk durch den Missbrauch der Nazis. Die sinfonische Dichtung "Les Preludes" wird zur Wehrmachts-Frontberichts-Fanfare. Liszt hatte es in Weimar geschrieben, im Rahmen eines umfangreichen orchestralen Werkes, dessen größter Teil kaum gespielt wird. Der Sinfoniker Liszt ist ziemlich tot.

Genie und Dandy

Der Lebensroman dieses Klassikers dagegen verliert nicht an Spannung. Virtuosen-Leben, Komponisten-Leben, Liebesleben. Am Ende wird der stets für Religion empfängliche Komponist vom Vatikan gar mit dem Ehrentitel eine Abbé ausgezeichnet.

Die Liszt-Formel: wild und zärtlich, Genie und Dandy, liebeshungrig und musikbesessen, verträumt und auch kantig. Ein Bilderbuch- Romantiker.

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