Ricky

Ein äußerst gelungener Genremix von Francois Ozon

Berlinale-Stammgast François Ozon zeigte den bisher überraschendsten Film im Wettbewerb. "Ricky" beginnt als realistisches Sozialdrama. Die alleinerziehende Fabrikarbeiterin Katie (Alexandra Lamy) schildert unter Tränen einer Sozialarbeiterin ihre Lage. Sie ist mit Vollzeitjob und zwei Kindern überfordert und denkt in ihrer Verzweiflung sogar daran, den Jüngsten in Pflege zu geben.

"Ricky", Berlinale- Wettbewerb
"Ricky", Berlinale- Wettbewerb Quelle: ,Concorde Film

Eine Rückblende erzählt feinfühlig und genau beobachtet vom schwierigen Alltag Katies und ihrer kleinen Tochter Lisa. In der Fabrik trifft Katie den Spanier Paco (Sergi Lopez), schnell ziehen die beiden zusammen und bald ist Katie schwanger.

Vom Sozialdrama zur Komödie

Die Ankunft von Baby Ricky stellt das Zusammenleben aller auf eine harte Probe. Lisa fühlt sich benachteiligt, die Beziehung der Eltern leidet. Als Rickys Körper seltsame Wunden aufweist und Katie Paco verdächtigt, ihn mißhandelt zu haben, verläßt der die Familie. Dann nimmt der Film eine verblüffende Wendung: Ricky ist nicht wie andere Kinder - ihm wachsen Flügel! Plötzlich ist das Sozialdrama eine erstaunliche, vergnügliche Fantasy-Komödie.

Schallendes Gelächter im Publikum als 'Petit Ricky' einen fröhlichen Rundflug im Supermarkt unternimmt. Schnell ist das wundersame Kind eine Mediensensation - und als er der Meute schließlich präsentiert wird, entschwindet er in den Wolken. Katie ist am Boden zerstört - und doch findet eine Familie am Ende in einem idyllischen Triptychon zusammen.

Schwebend-leicht

Ozons Genremix mag zunächst verrückt erscheinen, doch gerade dass er dem Zuschauer vielfältige Interpretationsmöglichkeiten lässt, macht "Ricky" so außergewöhnlich. Ist der geflügelte Ricky etwa nur ein Traum der verzweifelten Katie, die nicht mehr aus noch ein weiß und Schuldgefühle hat, weil sie ihn weggeben muß? Nie lässt Ozon seine Charaktere ins Groteske abgleiten, er nimmt sie ernst und seine wunderbaren Darsteller finden sich mit Rickys Andersartigkeit glaubwürdig zurecht.

Ozon hat eine schwebend-leichte Metapher gefunden für Gedanken über Behinderung, Überforderung, Elternschaft und Familie. Ozon sprengt mit "Ricky" jeden Rahmen - dieser Film beflügelt.

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