Rockstar der Kunstgeschichte

Der Maler Jean Michel Basquiat

Live fast, die young. Sein Leben hatte alle Zutaten für eine Legende. Er war jung, begabt und rebellisch. Seinem kometenhaften Aufstieg folgte der bühnenreife Fall. Jean Michel Basquiat: der erste schwarze Superstar der Kunstgeschichte.

Er war noch keine 20, als er Ende der 70er Jahre durch die Straßen von Manhattan zog und rätselhafte Sprüche an die Wände schrieb, die er mit SAMO - für same old shit - signierte. Graffiti war gerade geboren. Die Kunst ging auf die Straße. Keith Haring wurde für seine Sprühmännchen verhaftet. New York war ein kreativer Hot Spot und Basquiat mittendrin. Er wollte nach oben, ein Star werden. "Jean Michel war sehr cool und seine Kunst war es auch", sagt Tamra Davis, Regisseurin des Basquiat-Dokumentarfilms"The Radiant Child". "Er war sehr charismatisch. Egal, wo du mit ihm hingegangen bist: Die Leute schauten ihn an wie einen Rock-Star. Mit seinen Bildern ist es das Gleiche. Sie verlangen Aufmerksamkeit. Sie sind geheimnisvoll und er war auch geheimnisvoll."

Ein Getriebener

Den Bildern sieht man an, dass er getrieben war. Basquiat legte die wohl kürzeste und schillerndste Karriere der Kunstgeschichte hin. Sie dauerte nur wenige Jahre, bis zu seinem Tod mit 27 Jahren. Die Krone machte er zu seinem Logo. Als schwarzer Künstler ernannte er sich selbst zum König. Wie seine Helden Charlie Parker oder Muhammed Ali. "Er war der erste schwarze Künstler, der den internationalen Durchbruch geschafft hat", so Sam Keller, Kurator und Direktor der Fondation Beyeler, die bis zum 5. September eine große Basquiat-Schau zeigt. "Der erste hat es immer sehr schwer. Und er hat früh darüber nachgedacht, dass er auch zu einem tragischen Helden werden könnte."

Tamra Davis war mit Basquiat eng befreundet. 20 Jahre hat sie Interviews mit ihm in der Schublade liegen lassen, bevor sie nun sein Leben nochmal in einen Dokumentarfilm erzählte. Im Film sagt sie zu ihm: "Mein Eindruck ist, dass du von all den angesagten Leuten derjenige warst, den sie als echte Persönlichkeit akzeptierten." Jean Michel Basquiat antwortete: "Mir hat es gefallen, dass sie dachten, ich bin ein 'bad boy'." "Er war ein sehr enger Freund von mir", so Davis. "Ich sah ihn einige Wochen bevor er starb, und er war sehr aufgebracht über einige seiner Freunde, die Arbeiten, die er ihnen geschenkt hatte, einfach verkauft hatten. Für mich war es wichtig, obwohl er tot ist, dass er nicht denkt, dass ich Kapital aus unserer Freundschaft schlage."

Inspirationen holte er sich überall

Basquiats hatte viele Frauen, Madonna war die prominenteste Liebhaberin. Die meisten mussten ihn jedoch durchfüttern, wie seine langjährige Freundin Suzanne Mallouk: "Eines Tages kam er nach Hause und weinte. Er sagte: Ich würde dir so gerne helfen, Geld zu verdienen, aber ich kann mich nicht so erniedrigen lassen und Hilfsarbeiten für die Weißen machen, die mich wie einen Sklaven behandeln.' Dann war klar: Ich gehe arbeiten und er malt."

Und das tat wie ein Besessener. Seine Bilder wirken nur auf den ersten Blick naiv. Das Image vom ungebremsten Ghettokid passt nicht. Seine Eltern kamen aus Haiti und Puerto Rico nach New York - sie lebten bürgerlich. Er selbst hat nie eine Kunstakademie von innen gesehen. Seine Inspirationen holte er sich querbeet aus Comics, Kinderzeichnungen oder Da Vincis Anatomie. Und immer wieder geht es um die Geschichte der Schwarzen in den USA und den Rassismus, dem er selbst begegnete.

Immer suchte er Anerkennung

Die wichtigste Begegnung war die mit Andy Warhol. Der Pop-Art-Papst war schon über dem Zenit. Basquiat für ihn das unverfälschte Junggenie, mit wildem Künstlerleben. Seine Karriere bekam durch Warhol einen weiteren Kick, die Preise stiegen rasant. Schließlich machten die beiden zusammen Kunst. "Ich denke, sie hatten eine wunderbare Beziehung", sagt Tamra Davis. "Andy hat sich wirklich um ihn gekümmert. Er half ihm, gesünder zu leben. Aber als die Sache sich drehte, die gemeinsamen Ausstellungen nicht gut ankamen und die Presse ihre Beziehung kritisierte, hat das beiden sicher sehr weh getan."

Basquiat wollte von allen anerkannt werden, auch von der Kritik. Persönlich hatte er Schwierigkeiten, das schnelle Geld und den Ruhm zu verdauen. "Das Verhältnis von Kunst und Markt ist sicher ein sehr spannendes. Der Markt hat ihm geholfen, mehr als die Museen, die haben ihn nicht bekannt gemacht", weiß Sam Keller. "Aber gleichzeitig hat ihm diese zu große Vermarktung auch geschadet." Die Kunsthändler wollten immer mehr, ein Meisterwerk nach dem anderen. Basquiat brauchte immer härtere Drogen um den Druck auszuhalten. Sein Stil änderte sich.

Allein gelassen von der Kunstwelt

Als Warhol starb, brach für ihn eine Welt zusammen. Er nahm noch mehr Drogen. Die Kunstwelt ließ ihn allein. Tamra Davis hat erlebt, wie Basqiuat damit umging: "Erst sagten alle: Du bist der beste Maler überhaupt. Und dann sagten sie: Deine Karriere ist vorbei und du bist erst 25, 26 Jahre alt. Es ist etwas anderes, wenn du Mitte 40 bist, aber in dem Alter haut dich das um." Er selbst hat den Tod in seiner Malerei vorausgeahnt und in den letzten Monaten mit die stärksten Bilder geschaffen. 20 Jahre nach seinem Tod ist seine Arbeit im Museum angekommen. Das heißt, dass sie kein Strohfeuer war.

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