Rückzug ins Private

Warum macht Kristina Schröder ihren Job nicht?

Erst gab es Zweifel, ob Kristina Schröder als Kinderlose eine gute Familienministerin sein könne. Als sie schwanger war, wurde sie gefragt, ob sie denn mit Kind dem Amt überhaupt gewachsen sein würde. Von solchen Fragen hat die Bundesministerin nun genug. Kristina Schröder hat es satt, dass sie oder andere Frauen Rechenschaft für ihren Lebensentwurf ablegen sollen.

Bundesfamilienministerin Kristina Schröder
Bundesfamilienministerin Kristina Schröder Quelle: dpa

"Danke, emanzipiert sind wir selber" heißt ihr Buch, das sie in dieser Woche in Berlin vorstellt. Sie kritisiert, die Frauen würde heute zwischen zwei konkurrierenden Rollenleitbildern zerrieben: Auf der einen Seite stehe das feministische Rollenbild von Alice Schwarzer oder Bascha Mika, die das Modell einer Karrierefrau ohne Kinder propagieren. Auf der anderen Seite stehe das Rollenbild der "Strukturkonservativen", die die Hausfrauen-Ehe als einzig richtige Lebensform anpreisen.

Wenig frauenpolitische Initiative

Von diesen dogmatischen Leitbildern müsse man Abschied nehmen. Schröders Gegenprojekt lautet: Vereinbarkeit von Familie und Beruf. Letzteres klingt zwar sympathisch, aber ist es nicht genau das, was die Autorin vermeiden will - ist es nicht wieder ein Rollenleitbild? "Jeder muss selber wählen", sagt sie, "das Private muss privat bleiben".

Doch wäre es nicht die Aufgabe der Politik, Bedingungen für diese Wahlmöglichkeiten zu schaffen? Und wäre das nicht der Job der Ministerin? Wer das Buch liest, versteht, warum Frau Schröder so wenig frauenpolitische Initiative zeigt und eine so große Enttäuschung für viele ist.

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