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Radikal neu oder verstaubt?

Begegnungen bei den Salzburger Festspielen

Mit u.a.: Birgit Minichmayr in "Maria Stuart" - Die Schauspielkönigin als Königin; Die Festspielpräsidentin - Der letzte Akt der Helga Rabl-Stadler; Lars Eidinger als neuer "Jedermann" - Das "Enfant Terrible" in Salzburg

43 min
43 min
13.08.2021
13.08.2021
Verfügbarkeit:
Video verfügbar bis 13.08.2022

Birgit Minichmayr in "Maria Stuart"

Die Schauspielkönigin als Königin

Perner Insel, Hallein, 2021: Hier treffen sie aufeinander. Die beiden berühmtesten Königinnen aus Schillers Drama "Maria Stuart". Verkörpert von keinen geringeren als Birgit Minichmayr und Bibiana Beglau. Die Premiere am 14. August in Salzburg wird so etwas wie das Gipfeltreffen mächtiger Frauen werden. In einer bearbeiteten Textfassung nähert sich Burgtheater-Intendant und Regisseur Martin Kusej den beiden Königinnen, die so zum ersten Mal in der 100-jährigen Salzburger Festspielgeschichte auf der Bühne zu sehen sind. Birgit Minichmayr als Maria Stuart wird mit ihrer Widersacherin die großen Fragen des Lebens ausfechten: Was ist Gerechtigkeit? Wie wollen wir leben? Und was bedeutet politische Macht?

Der letzte Akt der Helga Rabl-Stadler

Die Festspielpräsidentin

Sie ist der Star hinter den Kulissen: die Festspielpräsidentin Helga Rabl-Stadler. Seit 1995 leitet sie die Salzburger Festspiele. Setzt sich ein für die Kunst, die Künstler*innen und die finanziellen Mittel dahinter. Zum 100. Jubiläum hat sie noch einmal alles gegeben, gekämpft und der Pandemie getrotzt. Mit Erfolg: Die Festspiele fanden statt und waren ein Leuchtturmprojekt für die Kunst- und Kulturszene in den darauffolgenden Monaten. Helga Rabl-Stadler beherrscht das, was für eine erfolgreiche Durchführung der Festspiele im Vorfeld nötig ist: Die charmante Form des Strippenziehens, hartnäckig und mit dem entsprechenden Bewusstsein um die Wichtigkeit ihres Amtes. Wie sieht ein Tag hinter den Kulissen aus? Helga Rabl-Stadler öffnet aspekte ihre Türen zum letzten Akt ihrer Amtszeit.

Lars Eidinger als neuer "Jedermann"

Das "Enfant terrible" in Salzburg

Jetzt ist die Rolle der Rollen auch bei ihm angekommen: Lars Eidinger spielt den neuen "Jedermann". Ob beim Boxkampf im Ring oder gefühlvoll zurückhaltend: Lars Eidinger gibt dem "Jedermann" eine vielschichtige Persönlichkeit. Mit Verena Altenberger als Buhlschaft und Angela Winkler als Jedermanns Mutter stehen mit ihm zwei unverwechselbare Charakterdarstellerinnen auf der Bühne. Viele Ideen, die in der Inszenierung umgesetzt wurden, hat Lars Eidinger zusammen mit dem Ensemble während der intensiven, nur vierwöchigen Probenzeit entwickelt. Seine private rote 70er-Jahre Frotteebadehose wurde zum Beispiel spontan zu seinem "Jedermann"-Kostüm. Denn alles, was sich für eine Inszenierung entwickelt, entsteht aus einem spielerischen Moment auf der Bühne und kann nicht vorher schon festgelegt werden, so Eidinger. Von den Warnungen, die Rolle anzunehmen (da es ja eigentlich schon das Karriereende bedeute), hat er sich nicht beeindrucken lassen - sondern sein Repertoire damit glücklicherweise furios erweitert.

Luigi Nonos "Intolleranza"

Wie politisch kann Oper sein?

Wie politisch aktuell kann Musik eigentlich sein? Im Falle von Luigi Nonos "Intolleranza" beantwortet der Dirigent Ingo Metzmacher diese Frage sehr eindeutig: sehr! Für ihn steckt das Politische nicht nur im Libretto der "szenischen Aktion", sondern in den Tönen von Nono selbst. In seiner "Intolleranza 1960" beschwor der italienische Komponist die tragische Isolation vom "Gastarbeiter". Selten wird das Werk dargeboten: zu groß, zu teuer, zu kompliziert. In Salzburg wird die Opernbühne in diesem Jahr zur moralischen Anstalt. Nonos "Intolleranza" zählt zu den gewichtigen Klassikern des zeitgenössischen Musiktheaters. Dieses Stück Musiktheater ist ein Manifest der Agitprop-Kunst, des bekennenden Weltanschauungsrepertoires: Nono wollte sich einmischen. Und auch wenn heute die Emphase des Klassenkampfes nachgelassen hat – Nonos' Kernaussagen zu Intoleranz, Fremdenhass, Krieg und Rechtsradikalismus sind aktuell wie schon vor 60 Jahren.

Salzburger Festspiele: Anna Lucia Richter (Zerlina) und Davide Luciano (Don Giovanni) in der Oper "Don Giovanni" im Großen Festspielhaus
Anna Lucia Richter (Zerlina) und Davide Luciano (Don Giovanni) in der Oper "Don Giovanni" im Großen Festspielhaus
Quelle: dpa/Barbara Gindl

Auf dem Gipfel mit Anna Lucia Richter

Die Sängerin und ihre Leidenschaft

Sie macht derzeit Weltkarriere - die Sängerin Anna Lucia Richter. Sie begann als Sopran und wurde dann zum Mezzosopran. Bei den Salzburger Festspielen gab sie bereits Konzerte, 2021 macht sie dort zum ersten Mal große Oper. Sie singt die Zerlina in der Salzburger Neuinszenierung von Mozarts "Don Giovanni". "Ein Typ wie die junge Hildegard Knef, nur nicht so verrucht", schrieb eine Journalistin in der 'Zeit'. Anna Lucia Richter stammt in vierter Generation von Musiker*innen ab. Mit vier sagt die heute 31-Jährige, dass sie Sängerin werden will, mit neun erhält sie ersten Unterricht bei der Mutter und tritt in den Mädchenchor des Kölner Doms ein, mit 15 wird sie Schülerin des Schweizer Gesangspädagogen Kurt – und mit 16, als es um ein Jungstudium an der Kölner Musikhochschule geht, überlegt sie: Will ich das alles überhaupt? Ja, sie will - und mittlerweile ist sie ganz oben angekommen. Im "Hollywood der Opernsänger", wie sie selbst sagt.

Teodor Currentzis: Guru? Manierist?

Der Dirigent und sein "Don Giovanni"

Er mache in Zentraleuropa die spektakulärste Musikerkarriere seit Karajan, schrieb ein Journalist über diesen Dirigenten: Teodor Currentzis. Für die einen ist er ein Guru, für viele andere ein Scharlatan. Der aus Athen stammende und in Russland lebende Musiker spaltet die Musikwelt. Die einen verehren ihn, die anderen hassen ihn. In Salzburg ist er kein Unbekannter: 2017 dirigierte er hier "La Clemenza di Tito", 2019 den "Idomeneo". Er brachte die wilde Seite Mozarts zum Vorschein - rebellisch, kühn. Stets versucht er neue Wege zu gehen, gibt nicht nur das große Drama in der Oper, sondern auch atmosphärische Konzerte in dunklen Kirchen.

Der Bariton Georg Nigl

Ein Liederabend: "Bach privat"

"Wenn ich in einer Vorstellung bin und mein EKG ist null, dann krieg ich die Krise". Das sagt der Bariton Georg Nigl. Als Sänger geht er ganz in seine Figuren hinein. 1972 in Wien geboren, ist Nigl heute einer der gefragtesten Opernsänger. Am liebsten spielt er die großen Schmerzensmänner: Lenz, Wozzeck, Orest. In Salzburg gibt er sich ganz "privat" – mit Bach. Als Siebenjähriger kam der Bariton zu den Wiener Sängerknaben. Er war der erste Sängerknabe, der auf den Programmzetteln nicht nur anonym firmierte, sondern namentlich genannt wurde. Tourneen nach Japan brachten ihm waschkörbeweise Fanpost. Später arbeitete er für kurze Zeit als Schauspieler am Burgtheater. Noch heute begreift er sich als ein Schauspieler, der singt. "Bach privat" - ein intimer Liederabend bei den Salzburger Festspielen.

Stab

  • Moderation - Jo Schück
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