Sammlerin mit Trüffelnase

Ingvild Goetz entdeckt zukünftige Stars der Kunst

Sie ist eine Grande Dame unter den internationalen Sammlerinnen. Seit Jahrzenten entdeckt, sammelt und fördert Ingvild Goetz internationale Künstler mit einem Riecher für besondere Qualität.

Seit Jahrzehnten entdeckt sie Künstler. In der internationalen Sammlerliga spielt sie ganz vorne mit und erklärt das so. "Das ist so eine Idee: Ich möchte, dass mir das Freude macht. Ich möchte die Kunst mit anderen teilen. Das macht mir unglaublich viel Spaß, auch das Kuratieren."

Zwei Mal hinschauen

In der von den Architekten Herzog & DeMeuron gebauten Ausstellungshalle sind zurzeit die Schweizer Künstler Fischli/Weiss ausgestellt. Berühmt wurden die beiden mit ihrem Dominohappening aus Alltagsdingen - mittlerweile ist "Der Lauf der Dinge" ein Kultfilm. Auch als Ratte und Bär haben sie schon die Welt erkundet. Ingvild Goetz sammelt Fischli/Weiss schon lange. "Das Wunderbare, das sie schaffen, ist der Blick auf alltägliche Dinge", so Goetz, "die Dinge, die wir allzu gerne übersehen. Wir glauben, dass die Kunst sehr aufwändig und sehr kompliziert sein muss, und Fischli/Weiss öffnen ihren Kühlschrank - und es entsteht ein großartiges Kunstwerk."

Ingvild Goetz hat eine Vorliebe für Kunst, bei der man zwei Mal hinschauen muss, so wie bei Andreas Slominskis listigen Tierfallenobjekten. Oder bei dem belgischen Aktionskünstler Francis Alys, der in einer Videoarbeit mit einer Pistole durch Mexico City lief, um Reaktionen zu provozieren. Auch den Bildmagier Matthew Barney entdeckte sie früh. Seine mythenbeladenen Werke verbinden Skulptur und Film, wie in "Drawing Restraint Nr. 9", wo er mit seiner Frau Björk rätselhafte Performances auf einem Walfangschiff machte. Mittlerweile hat Ingvild Götz die weltweit größte Sammlung seiner Filme und Objekte.

Kein Protz, keine Gigantomanie

Goetz ist bei den Künstlern bevor sie vom Markt gehyped werden. "Alle Künstler, die man hier bei mir sieht, habe ich gekauft, als sie noch ganz jung und unbekannt waren", erzählt Goetz im Interview. "Ich habe auch sehr viele Künstler, die unbekannt geblieben sind, die ich genau so interessant finde. Es ist mir nicht wichtig zu sagen 'Ich habe jetzt große Namen.' Dann hätte ich ganz anders eingekauft." Gigantomanie und Protz liegen der Hanseatin nicht. Sie hat ihre kleine Münchner Halle bauen lassen, lange bevor andere Sammler sich Privatmuseen in Baumarktdimensionen hinstellten.

Angefangen hat Goetz mit dem Sammeln nach einer schmerzlichen Erkenntnis: "Ich wollte eigentlich selbst Künstlerin werden. Irgendwann habe ich festgestellt, dass ich nicht so genial bin, wie ich es gedacht hatte und habe dann angefangen, die Kunst zu sammeln, die ich vielleicht auch gerne selbst gemacht hätte." Bevor die Kunst in ihre Sammlung kommt, muss sie dem Alltag standhalten. Goetz, die selbst mal eine Galerie hatte, lebt mit den Werken. Auch ihre Privaträume haben die Ausstrahlung eines Museums.

"Kunst im Dialog mit mir"

Hinter der Fassade steckt eine Kunstfanatikerin mit eigenem Urteil. "Für mich darf Kunst sich nicht sofort erschließen", sagt sie. "Ein schönes Bild interessiert mich nicht. Ich muss mich mit dem Kunstwerk auseinandersetzen, das Kunstwerk muss sozusagen mit mir im Dialog stehen und in dem Moment, wenn das nicht mehr passiert, dann interessiert mich das Kunstwerk auch nicht mehr so sehr."

Mit dieser Strategie ist sie zu einer Sammlerin geworden, deren Stimme international gehört wird. Zahlreichen öffentlichen Museen leiht sie ihre Kunst, weil diese schon lange keine großen Namen mehr kaufen können. Die Preisspirale am Kunstmarkt wird auch durch vermögende Sammler angeheizt. "Das entsteht tatsächlich durch die Sammler und durch das Geld, das auf den Markt gekommen ist", sagt Goetz, "und durch Galeristen, die diesen Hype anheizen. Ich finde es sehr bedauerlich, dass die Museen sich kaum noch eine Sammlung leisten können."

Beharrlichkeit und Gespür

Sammeln ist erst mal eine Sache des Mutes und der Cleverness. Denn jeder berühmte Künstler hat mal als erschwinglicher Nobody angefangen. Doch ganz ohne finanziellen Hintergrund ist es schwer. "Den hatte ich zum Teil von zu Hause", so Goetz, "und ich hatte Kunstwerke aufgehoben, die dann sehr teuer wurden und damit konnte ich doch gleich sehr gut einkaufen." Mittlerweile hat Ingvild Goetz fast 5000 Werke in ihrer Sammlung. Neben Beharrlichkeit und Geschick hat sie viel Gespür, Kunst so zu zeigen, dass sie bei den Menschen ankommt.

Um unser Web-Angebot optimal zu präsentieren und zu verbessern, verwendet das ZDF Cookies. Durch die weitere Nutzung des Web-Angebots stimmen Sie der Verwendung von Cookies zu. Näheres dazu erfahren Sie in unserer Datenschutzerklärung.

Gemerkt! Merken beendet Bewertet! Bewertung entfernt Abonniert! Abo beendet