Saranghanda

Tiefgründig, lähmend, unentschlossen

Da war sie wieder: die "universelle Verlorenheit!", die Festival-Direktor Dieter Kosslick auf der Berlinale Pressekonferenz schon angekündigt hatte - angedroht, muss man im Rückblick wohl eher sagen. Der koreanische Wettbewerbsbeitrag "Saranghanda/Kommt Regen, kommt Sonnenschein" handelt wie schon der argentinische Beitrag "Un Mundo Misterioso" und auch der Film der Amerikanerin Miranda July "The Future" von einem Paar um die 30 und den meist recht sprachlosen Untiefen ihrer Beziehung.

So wenig Leidenschaft war selten. Der Film beginnt mit der Autofahrt der Eheleute ( Lim Su-jeong, Hyun Bin), deren Namen der Zuschauer nie erfährt. Als er fragt, wann er sie wieder vom Flughafen abholen soll, erwähnt sie beiläufig, dass sie ihn verlassen wird - für einen anderen. Er fragt nochmal kurz nach, ob man da nicht vielleicht nochmal drüber nachdenken wolle, ergibt sich dann aber gleichmütig seinem Schicksal - "Ok, hab ich verstanden."

Vage, gleichgültig

Der Film beobachtet die beiden in ihrem Haus an ihrem letzten Tag, bevor der neue Mann die Frau abholen wird. Sie soll eigentlich packen, driftet aber immer wieder ab, starrt in den zunehmenden Regen vor dem Fenster. Ihr Ex-Mann in spe packt liebevoll ihre Lieblingstassen ein, kocht ihr Kaffee und bestellt einen Tisch in ihrem Lieblingsrestaurant. Sie scheint nicht wirklich gehen zu wollen, er will nicht wirklich, dass sie geht - und dennoch finden sie keinen Weg zueinander. Die Trennung wird wohl einfach passieren, weil keinem der beiden so recht etwas anderes einfällt. Als plötzlich ein entlaufenes Kätzchen maunzend vor der Tür sitzt, kommt es einem plötzlich so vor, als statte das wahre Leben den beiden einen Besuch ab: sie müssen handeln, das Kätzchen einfangen, es abtrocknen, er wird gekratzt, sie versorgt seine Wunde.

Der koreanische Regisseur Lee Yoon-ki kritisierte auf der Pressekonferenz der Berlinale, viele Filme aus seinem Heimatland seien schnelllebig, es brauche mehr tiefgründige Beiträge wie seinen, um den koreanischen Film voranzubringen. Doch auch wenn "Kommt Regen, kommt Sonnenschein" - was korrekt übersetzt eigentlich "Ich liebe dich, ich liebe dich nicht" heißt - vielleicht durchaus eine Annäherung an Beziehungen unserer Zeit sein mag, kommen die Charaktere in ihrer vagen Gleichgültigkeit dem Zuschauer nicht wirklich nah.

Tut was!

Der Versuch des Regisseurs, in ihre unausgesprochene Gefühlswelt vorzudringen, bleibt am Ende selbst doch sehr an der Oberfläche und erschöpft sich in (gespielt) tiefgründigen, unentschlossenen Blicken und zögernden Dialogen. Es mag sein, dass sich Paare derart sprachlos gegenüberstehen - wie es dazu kommen konnte, dazu scheint auch Lee Yoon-ki nichts einzufallen. Bei fast allen dieser Wettbewerbs-Beziehungs-Geschichten bleibt am Ende vor allem eins - man möchte ihnen zurufen: Ja, bitte trennt euch, fangt an zu leben, kauft euch eine Katze, was auch immer - nur: tut irgendwas.

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