Schlafkrankheit

Über die Heimatlosigkeit eines Entwicklungshelfers

Der deutsch-französisch-niederländische Wettbewerbsbeitrag spielt in Afrika und ist dennoch ein Film über Europäer. Das etwas nebulöse Schlagwort des Berlinale-Präsidenten Dieter Kosslick von der "universellen Verlorenheit" findet sich in diesem Film mehr als deutlich. Im Zentrum steht der Entwicklungshelfer Ebbo Velten (Pierre Bokma), der seit 20 Jahren mit seiner Frau in verschiedenen afrikanischen Ländern lebt.

Nun geht sein Projekt zur Bekämpfung der Schlafkrankheit in Kamerun dem Ende entgegen. Die Krankheit ist nahezu besiegt, Ebbo plädiert dafür, den Etat für das Projekt zu kürzen. Er bereitet mit seiner Frau Vera (Jenny Schily) die Abreise nach Deutschland vor.

Nirgends ein wirkliches Leben

Sie freut sich - vor allem darauf, sich mehr der Tochter widmen zu können, die zu Hause ein Internat besucht. Aber Ebbo hat zunehmend Angst vor der Rückkehr nach Europa. Er bringt seine Frau und Tochter zum Flughafen und zögert seine eigene Abreise immer weiter hinaus.

Jahre später soll der französische Mediziner Alex Nzila das Schlafkrankheitsprojekt überprüfen und bewerten. Der Franzose hat zwar selbst kongolesische Wurzeln, aber wirkt deplaziert in dem für ihn fremden Land. Ebbo Velten, dessen Schlafkrankheits-Projekt nur noch Fassade und Geldquelle zu sein scheint, entzieht sich dem Gutachter wie ein Phantom. Als Alex ihn dann doch aufspürt, stellt er fest: Ebbo hat den Absprung nicht geschafft, aber sich durch seine Unentschlossenheit auch in Kamerun kein wirkliches Leben aufgebaut.

Ebbo bleibt in Afrika ein Fremder

Eine junge Afrikanerin bekommt ein Kind von ihm, er versorgt ihre gesamte Familie - und doch gehört er nicht dazu. Alles scheint ihm nur so zugestoßen zu sein. Auf beiden Kontinenten ist er ein Fremder, ein Verlorener. Die Begegnung mit ihm nimmt Alex jede Illusion von einem sinnvollen Leben als Entwicklungshelfer.

Regisseur Ulrich Köhler ist ein durchaus spannendes Thema angegangen, aber leider verliert sich auch dieser Film ähnlich wie die Hauptfigur im Nirvana des afrikanischen Dschungels. Die Problematik der Entwicklungshelfer, die sich eine bequeme Zweitheimat in Afrika in einer internationalen Community aufgebaut haben, die Angst davor haben, zurückzugehen - oder ein Leben in Europa fürchten, ist realistisch. Die Frage, wie sinnvoll rein finanzielle Entwicklungshilfe ist und ob nicht fairer Handel mehr für die Menschen bewirken würde, ist so interessant wie aktuell.

Erwartbar - und langweilig

Regisseur Köhler konnte auf eigene Erfahrungen zurückgreifen - seine Eltern waren Entwicklungshelfer, und als Kind lebte er in einem Dorf in Zaire, der heutigen Demokratischen Republik Kongo. Die Rückkehr in die hessische Kleinstadt sei ein brutaler Einschnitt gewesen, berichtet er. Dennoch: Sein Film "Schlafkrankheit" wirkt auf eine merkwürdige Art durchkonstruiert und erwartbar.

Das Schicksal von Ebbo Velten ist relativ absehbar - und leider schafft es der Regisseur auch nicht, den Zuschauer über die Dauer einer Spielfilmlänge wirklich für seine Charaktere zu interessieren und in die Geschichte zu ziehen. Ein spannendes Thema, eine gute Story - aber als Film leider etwas langweilig.

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