Schlaflos am Flughafen

Der Musiker Moby zeigt seine Fotos der Einsamkeit

Moby fotografiert. Der New Yorker Musiker geht jetzt also unter die Bildkünstler. Ein Bildband zur neuen Platte ist auf dem Markt. Seine Fotos touren durch Kunstgalerien.

Richard Melville Hall, genannt Moby zeigt Bilder von den globalen Unorten, die ein Pop-Musiker auf seinen Tourneen sieht. Die anonymen Hotelzimmer, die Flughäfen, die Einsamkeit zwischen den Zeitzonen und den Rummel der Konzert-Auftritte.

Bildtrack zum Sound seines Lebens

Noch ein älter werdender Elektronikmusiker, der die Knochentour des Nachtclublebens satt hat? Viele Kollegen seiner Generation suchen nach 20 Jahren Tourzirkus ein neues Standbein: machen Clubs auf oder Restaurants, wechseln ins Produzentenfach. Doch für Moby sind die Fotos eher der Bildtrack zum Sound seines Lebens, ein Schlaglicht auf die eigene rastlose Existenz. "Das ist das Umfeld, in dem ich lebe", sagt er. "Ich finde es sehr merkwürdig, manchmal auch schön, aber es ergibt wenig Sinn für mich. Dieser Bildband ist darum mit einer Frage verbunden. Als würde ich dieses Buch jemandem geben, damit er mir hilft, mein Leben besser zu verstehen."

Es sind kalte, stille Bilder von den Nachtseiten eines globalen Künstlerlebens, die Moby festhält - nur sein Blick von der Bühne hält das pralle Leben fest. "Die Bilder von Menschenmassen erschrecken mich", sagt er. "Ich mache gern Musik, aber große Menschenansammlungen, da passiert so viel, da ist Lärm. In den leeren Bildern fühle ich mich wohl. Meine Haltung zum Touralltag ist vermutlich eine andere als bei den meisten Menschen."

Ein Auge für's Absurde

Moby stammt aus einer Künstlerfamilie. Fotos macht er seit seiner Kindheit. Beim Dreh in Berlin entdeckt er eine abgegriffene Secondhand-Puppe und ihre Flugbahnen vor Plattenbauten. Vielleicht ein neues Projekt, vielleicht nur Spaß am Experiment oder Klamauk vor der Kamera. Ein hintersinniger Humor und ein Auge für's Absurde sprechen aus vielen seiner Bilder. So auch aus dem Titelbild seines Fotobuchs "Destroyed" ("Zerstört"), das entstand, als er auf einem Flughafen festsaß. Moby erzählt: "Da war eine Leuchtschrift mit dem Satz: ¿Unbeaufsichtigtes Gepäck wird zerstört.' Aber es war ein sehr kleines Schild, auf das immer nur ein Wort passte. Ich stand also da und das Schild sagte: Unbeaufsichtigtes. Pause. Gepäck. Pause. Wird. Pause. Zerstört. Das Wort ¿zerstört' wirkte so interessant. Mich persönlich sprach es an, weil es genau beschrieb, wie ich mich auf Tour fühle."

Natürlich ist das Jammern auf hohem Niveau, das sagt er selbst. Und deshalb steigt er wieder und wieder auf die Bühne. Auch wenn die Getriebenheit des Musikerdaseins, das Unwohlsein unter Leuten immer wieder durchbrechen. Vielleicht treibt es ihn hinterher wieder zum Fotografieren in die Nacht hinaus.

"Ich habe genau den falschen Job"

Er kann ja nicht anders: "Es ist schon lustig: Seit meinem fünften Lebensjahr leide ich an Schlaflosigkeit. Nur in meinem eigenen Bett schlafe ich gut. Das Problem ist nur: Ich bin Tournee-Musiker. Für jemanden mit Schlafproblemen habe ich genau den falschen Job." Das nächste Fotoprojekt ist schon geplant. Er will noch besser werden. Das Gedränge um Moby wird dann noch größer.

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