Schmeichlerisch nie, eher wahrhaftig

Ein Nachruf auf Lucian Freud

Er sagte: "Ich möchte, dass jedes Bild, an dem ich arbeite das einzige Bild ist, an dem ich arbeite, oder um noch weiter zu gehen, das einzige Bild an dem jemals Jemand gearbeitet hat." Lucian Freud, der Enkel von Sigmund Freud, dem Erfinder der Psychoanalyse, ist gestorben. 88 Jahre wurde der erstaunliche Maler: In Berlin 1922 geboren, floh er mit seiner Familie vor den Nazis nach London.

In seinem kleinen Londoner Atelier haben seine meist nackten Modelle Tage und Wochen für ihn gesessen. Bilder, so fleischig und wuchtig, dass man sich kaum entziehen kann. Der zurückgezogen lebende Künstler war kein extrovertierter Kunststar, aber einer, der sehr intensiv gelebt und gearbeitet hat. Er suchte die "animalische Seite" der Menschen. Und machte keinen Unterschied zwischen dem Bild und der Person.


Es sind keine naturalistischen Portraits, sondern psychologische Studien der Menschen, die auf Freuds Sofa - man beachte die Parallele zu seinem Großvater Sigmund -, einem Sessel, oder einfach auf dem Boden zu sehen sind. Schlafend, lasziv sich räkelnd. Freud hatte aber keinen voyeuristischen sondern einen analytischen Blick, der hinter der fleischlichen Hülle den Menschen Person suchte und meist auch fand.

Schmeichlerisch nie

Schmeichlerisch waren seine Gemälde nie, eher wahrhaftig. Und so intensiv, dass sie einen fast erschlagen. Sein berühmter Malerfreund Francis Bacon malte ihn 1965. Und er portraitierte den manischen Realisten Bacon ebenso intensiv.

Lucian Freud - "Sleeping Beauty"
Lucian Freud - "Supervisor Sleeping" Quelle: dpa

Auch Fotomodels wie Jerry Hall oder Kate Moss wollten von ihm gemalt werden. Erstaunlich, dass der Maler, der keine Hautfalte ausließ im Zeitalter von Faltenangst, Schönheits-Operationen und Botox-Hysterie zu einem der gefragtesten Künstler der Gegenwart wurde. 2008 ersteigerte der russische Oligarch und Luxusjachtenkapitän Roman Abramovic sein Bild "Supervisor Sleeping" für den Rekordpreis von 33 Millionen Dollar.

Platz im Kunstolymp sicher

Auch die Queen wusste den Maler zu schätzen und ließ sich 2002 von ihm portraitieren. Schon 1983 hatte sie ihn als "Companion of Honour" in einen der höchsten Orden des Commonwealth aufgenommen. Lucian Freuds Marktpreis wird nun weiter steigen. Doch seinem künstlerischen Wert tut selbst das keinen Abbruch. Denn der Platz im Kunstolymp wäre dem Meister auch ohne Hype am Kunstmarkt sicher gewesen.

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