Schöner Wohnen mit Fantasie und wenig Geld

Minimal-Architektur in Berlin

Man kann viel über die Verheißungen modernen Wohnens erfahren, wenn man die Werbetafeln teurer Immobilienprojekte in Berlins Zentrum studiert. Es wird einem ganz schwindlig von all dem "metropolitan", dem "urban easy living", diesem Leben auf ganzer Linie, all den Penthouses und Townhouses, die einem zuschreien: "Zieh hier ein und alle anderen lästigen Nebensächlichkeiten schrumpfen!" Dabei gibt es abseits dieser normierten Luxusimmobilien eine neue Art des Bauens.

Eine Minimalarchitektur, nicht zu verwechseln mit minimalistischer Architektur. Es geht hier nicht um edlen Purismus, sondern darum, mit einfachen Mitteln möglichst viel an Lebensqualität und Ästhetik zu erreichen.

Bezahlbar und anders

Ein Beispiel aus Berlin-Pankow: Ein geräumiges Holzhaus auf mehreren Etagen, nach außen ideal gedämmt durch einen der simpelsten Baustoffe überhaupt: Dachziegel. Im Sonnenlicht sieht das Einfamilienhaus, entworfen von den Architekten Ralph Brandt und Martin Simon, mit seinen grün lackierten Dachziegeln aus wie ein Reptil. Und so etwas wie ein Reptil ist es auch, eine andere Spezies von Haus.

Berlin-Mitte: Auf einem ehemals verwahrlosten Grundstück mit Kellergeschoss stapeln sich schlichte Kunststoffboxen: das Galerie- und Atelierhaus von Arno Brandlhuber. Verbunden durch eine gewagte Außentreppe, haben inzwischen eine Galerie, die Redaktionsräume einer Zeitschrift, ein Architekturbüro und eine Künstlerin Unterschlupf gefunden. Alle bezahlen ziemlich niedrige Mieten - was rar ist in Berlin Mitte. Im Dachgeschoss wohnt übrigens der Architekt selbst, das Dach ist deshalb angeschnitten, um dem Hinterhaus das Sonnenlicht nicht zu nehmen. Brandlhuber hat dieser Notwendigkeit ein erklimmbares Hügelchen abgewonnen.

Neoromantik versus Behörden

Berlin-Wedding: Auf einem Dach steht das bewohnte Gewächshaus eines Künstlerpaares. Es ist ihr Hegemonietempel, wie die Bauherren Christian von Borries und Vera Tollmann sagen - eine Unabhängigkeitserklärung an den Immobilienmarkt. In das Gewächshaus sind zwei Zimmer eingemauert, für die Zeiten im Jahr, wenn es in Berlin richtig kalt ist. Ansonsten lebt man hier oben im fast neoromantischen Einklang mit der Umgebung und mit dem Wetter.

Übrigens ist all diesen Projekten gemein, dass die Scherereien mit den in Berlin besonders normverliebten Behörden zum größten Problem beim Bauen gehörten. Das Bauamt wird sich wohl an diese Art von Architektur gewöhnen müssen. Die Aussicht ist einfach viel zu gut.

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