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"Pssst …" - Über unsere Sehnsucht nach Stille

aspekte vom 30. April 2021 mit Jo Schück

"Unter freiem Himmel" - Markus Torgebys Leben in wilder Natur; Hören mit dem ganzen Körper - Die taube Schlagzeugerin E. Glennie; Meeresbiologin Julia Schnetzer taucht ab - "Wenn Haie leuchten"; Dirigent Ingo Metzmacher im Gespräch über Musik und Stille

44 min
44 min
30.04.2021
30.04.2021
UT
UT
Verfügbarkeit:
Video verfügbar bis 30.04.2022

"Unter freiem Himmel"

Markus Torgebys Leben in wilder Natur

Setze Dich hin und atme, soll Buddha gesagt haben, als er gefragt wurde, wie Glück zu erlangen sei. Einfach mal die Klappe halten. Nichts tun. Nichts denken. Doch das ist gar nicht so einfach. Denn wird es still, beginnen die Gedanken zu rasen. Das hat auch er erlebt: Markus Torgeby war 21, als er das erste Mal seinen eigenen Puls schlagen hörte. Damals hatte er einige Monate im Freien gelebt. Im Wald, abgeschnitten von allen, völlig still. Stille war für den ehemaligen Marathon- und Langstreckenläufer mehr als Abwesenheit von Geräusch. Stille, das war für ihn auch ein Moment der Selbstvergessenheit - zurückgeworfen auf sich selbst. Der Schwede brauchte Abstand von seinen Problemen und von sich. Deshalb zog es ihn mit Mitte 20 erneut hinaus in die Natur. Vier Jahre blieb er im Wald in Nordschweden. Um ihn herum nur Natur, keine Menschen, keine Gespräche. Über sein Leben in und mit der Natur hat er ein Buch geschrieben: "Unter freiem Himmel". Demnächst wird seine Geschichte auch in einem Dokumentarfilm erzählt.

Hören mit dem ganzen Körper

Die taube Schlagzeugerin Evelyn Glennie

Zwei Fakten - Erstens: Evelyn Glennie ist taub. Zweitens: Sie spielt Schlagzeug wie vom anderen Stern. Und als Musikerin benutzt sie ihren gesamten Körper als großes Ohr. Ihr Ziel: Die Welt hören zu lernen. Die gebürtige Schottin hat in den 80er Jahren das Außenseiterinstrument Schlagzeug als Soloinstrument etabliert und aus den hinteren Orchesterreihen ins Rampenlicht gerückt. Sie war die erste Frau. Zu Beginn hätte ihr kaum jemand eine musikalische Karriere zugetraut: Mit zwölf Jahren verlor Evelyn Glennie durch eine Erkrankung fast vollständig ihr Gehör, wahrscheinlich durch eine verschleppte Entzündung wurde ihr Hörnerv geschädigt. Nun nimmt sie nur noch die allerhöchsten und tiefsten Töne wahr. Hören kann sie dafür mit dem ganzen Körper. "Ich sehe und fühle die Musik und ihre Vibrationen, und ich schließe von den Körpern der Musiker auf ihr Spiel." Diese Sensitivität für Resonanzen wurde für die Vollblutmusikerin zu ihrem sechsten Sinn. Sie selbst nennt sich Klang-Schöpferin. Seit ihrem Solo-Debüt 1986 in der Londoner Wigmore-Hall, bei dem sie der Musikkritik mit ihrem "ganz außergewöhnlichen Talent" den Atem verschlug, haben sich renommierte Orchester und Dirigenten wie Sir Georg Solti, Seiji Ozawa oder Mstislaw Rostropowitsch um die Trommelvirtuosin bemüht Aber auch mit Sting oder Björk hat sie zusammen gespielt. Inzwischen ist sie die einzige Full-time-Solo-Perkussionistin auf der Welt.

Eine Meeresbiologin taucht ab

Julia Schnetzers "Wenn Haie leuchten"

Die Meeresbiologin Julia Schnetzer gibt in ihrem Buch "Wenn Haie leuchten" einen Einblick in die geheimnisvolle Welt der Meeresforschung. Sie macht uns bekannt mit kuriosen Wesen wie leuchtenden Haien, sprechenden Delfinen und unsterblichen Quallen, zeigt aber auch deutlich die Bedrohung der Ozeane durch Verschmutzung und Überfischung durch den Menschen. Julia Schnetzer taucht mit den Leser*innen in eine Welt unter Wasser, in der die Geräusche gedämpft und fremd sind. Beim Tauchen ist man völlig bei sich, Kommunikation funktioniert nur mit Blickkontakt und Handzeichen. Auch das Atmen rückt in den Fokus, da es bewusst zu hören ist – es gleicht der achtsamen Wahrnehmung der Atmung beim Meditieren. Doch absolute Ruhe und Stille findet man nur selten im Meer – Geräusche unter Wasser sind um ein Vielfaches lauter zu hören als an Land und nehmen permanent zu, auch durch den immer weiter wachsenden Schiffsverkehr.

Gesprächsgast

Vor der Musik kommt die Stille - Jo Schück im Gespräch mit Dirigent Ingo Metzmacher

Das Schweigen im Schreiben

Die Lyrikerin Ulrike Draesner

Jo Schück und Lyrikerin Ulrike Draesner im Kloster Chorin
Jo Schück und Ulrike Draesner im Kloster Chorin
Quelle: Jula Hoepfner

Eine Annäherung an die Stille in der Poesie mit der Schriftstellerin und Lyrikerin Ulrike Draesner. In ihrem Werk spielt Stille regelmäßig eine Rolle. Sie verbrachte einige Zeit auf einem Kloster, um dort zu schreiben. Im vergangenen Jahr hat sie für ihren Essay "Radio Silence" den Deutschen Preis für 'Nature Writing' bekommen. Auf dem Gelände des Kloster Chorins spricht Jo Schück mit Ulrike Draesner über die Bedeutung von Stille und Schweigen im literarischen Schaffen.

Stille zum Seelenheil

Im Wald mit dem Soziologen Hartmut Rosa

Stille - die heimliche Sehnsucht des Menschen. Doch Ruhe ist Luxus: Den Deutschen dröhnen die Ohren. Verkehrslärm, Fluglärm, laute Musik, Baulärm, lärmende Nachbarn, fast rund um die Uhr werden unsere Ohren beschallt. Acht von zehn Deutschen klagen über Krach – am Tag und in der Nacht. Millionen schlafen schlecht, weil es zu laut ist. Lärm macht krank. Die Sehnsucht nach Stille wächst in dem Maße, in dem die Unruhe zunimmt. Jo Schück trifft den Soziologen Hartmut Rosa bei sich zuhause im Hochschwarzwald, geht mit ihm in den Wald und auf eine Sternwarte. Warum benötigen wir Menschen Stille so dringend? Warum ist diese immer schwieriger zu finden? Die Hirnforscherin Dr Britta Hölzel leitet ein Institut für Achtsamkeit und Meditation in München. Sie spricht darüber, wie Menschen wieder zur Ruhe kommen können. Doch absolute Ruhe, die gibt es nicht. Wie nehmen wir überhaupt Geräusche wahr? Warum stört uns Verkehrslärm - das Rauschen der Meeresbrandung aber nicht? Darüber klärt Prof. Dr. Brigitte Schulte-Fortkamp auf. Sie ist Psychoakustikern an der TU Berlin und hat vor fast 25 Jahren den internationalen "Tag gegen Lärm" nach Deutschland gebracht. Der findet immer Ende April statt - auch in diesem Jahr.

Stab

  • Moderation - Jo Schück
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