"Sister Africa"

Auma Obama ist die Schwester des US-Präsidenten

Washington am 20. Januar 2009: Barack Obama leistet seinen Eid auf die Verfassung der Vereinigten Staaten. Hunderttausende schauen an diesem Tag auf den ersten schwarzen Präsidenten Amerikas. Dabei ist auch seine Schwester Auma aus Kenia.

Obamas Hand auf der Lincoln Bibel
Obamas Hand auf der Lincoln Bibel Quelle: dpa


Ganz privat kann Auma Obama ihren Bruder erst später im Oval Office umarmen. Sein Sieg ist auch ihr Erfolg: Gemeinsam mit Ehefrau Michelle hat die kleine Frau mit den Rasta-Locken beim Wahlkampf geholfen. Und doch kann sie die Amtseinführung ihres Bruders kaum fassen. Auma Obama: "Man hat schon für einen Moment das Gefühl gehabt: 'Oh was mach ich überhaupt hier, gehöre ich hier hin?' Aber in dem Moment, wo ich meinen Bruder hörte, wie er redete, und dann da vorne auf der Mall im Stadtpark - Tausende und Tausende von Leuten, die alle da waren, um ihn zu sehen, um ihn zu hören, um zu sehen, wie er diese Position einnimmt - da war es okay, und ich hatte das Gefühl, das ist schon richtig so."

Auma studierte in Heidelberg

Von ihrem berühmten Bruder und ihrer Patchwork- Familie, von den ungewöhnlichen Stationen ihres Lebens, erzählt Auma Obama jetzt in ihrer Autobiografie mit dem Titel "Das Leben kommt immer dazwischen". Eine ihrer wichtigsten Lebensstationen heißt Heidelberg: Hier studiert Auma Obama Germanistik, ganz berauscht von der altehrwürdingen Uni. Ihre erste Gastfamilie ist eine kiffende Hippy-Kommune - ein Kulturschock. 16 Jahre lebt Auma in Deutschland, promoviert in Bayreuth, schreibt Drehbücher, macht Filme. Geblieben sind aus dieser Zeit vor allem die Freunde.

"Für mich ist es so: Ich pflege meine Freundschaften sehr und weiß sie sehr zu schätzen. Ich bin, wer ich bin, wegen meiner Freunde - noch mehr als durch meine Familie. Sie haben mich geprägt," sagt Auma Obama. Auma ist 25, als sie in Chicago endlich ihren Bruder kennenlernen will. Dass ihr Vater nicht nur in Kenia zwei Kinder und Familie hat - daraus wurde bei den Obamas kein Geheimnis gemacht. Doch von der Studienzeit des Vaters, von seinem Sohn in Amerika, gab es nur ein paar Fotos. Das letzte zeigt Vater und Sohn kurz vor dem tödlichen Autounfall des Vaters.

Anwalt in den Armenvierteln Chicagos

Obama Großmutter in Kenia Quelle: reuters


Die Armenviertel von Chicago erinnern Auma an die Slums von Nairobi. Und noch erstaunlicher: Statt als Harvard-Absolvent Karriere zu machen, jobbt ihr Bruder damals hier als Anwalt der kleinen Leute. Während Auma gerade ein Projekt in England betreut, um Jugendliche aus ihrer Null-Bock-Mentalität rauszuholen.


Kurz darauf kommt Barack Obama zum ersten Mal nach Kenia und besucht mit Auma die Familie. Dass man seine Schwester gern für ein paar Kühe verheiratet hätte, kann er kaum glauben. Das ist doch Tradition - erklärte ihm seine Großmutter. Und heute? Ist die Oma stolz auf Auma, obwohl sie ihren eigenen Weg ging? "Was für eine Frage", sagt die Großmutter, "ich bin ganz zufrieden. Mit beiden, mit Auma und Barack."

Projekt "Box Girls"

Seit fünf Jahren arbeitet Auma Obama wieder in Kenia, für die Hilfsorganisation CARE, in den Eastlands, den Slums von Nairobi. Nur an die Allgegenwart des Namens Obama musste sie sich erst gewöhnen. Auma Obama: "Ich sehe das eigentlich überall, denn "Obama" gibt's auch auf Minibussen und im Fernsehen.Inzwischen habe ich mich zwar ein bisschen daran gewöhnt. Aber ich muss immer schmunzeln, wenn ich so was sehe."

"Box- Girls" - so heißt eines von Aumas wichtigsten CARE-Projekten. Seit 2007 sorgt sie für die Finanzierung von Trainingsmöglichkeiten für Mädchen in mehr als 30 Ländern. Hier werden die Mädchen nicht nur gecoacht, sondern selbst zum Trainer ausgebildet. Es geht um sportlichen Erfolg - aber mehr noch ums Selbstvertrauen. "Viele Jungs schauen zu und sind erstaunt, dass die Mädchen hier boxen können. Und die jungen Frauen kriegen mehr Respekt. Dadurch, dass sie stärker respektiert werden, haben sie weniger Angst, in dieser Umgebung zu leben", sagt Auma.

Hilfe in vielen Lebenslagen

Ihre Arbeit mit den "Box-Girls" endet nicht in der Turnhalle. Sport ist doch nur der Aufhänger, meint Auma Obama. Wichtiger sind die Gespräche: über Familienplanung, AIDS-Prävention, die Zukunftschancen. Muss eine gute Boxtrainerin wie Christin Gemüse verkaufen? Oder könnte sie sich bei den "Box-Girls" auch mal an den Computer setzen? "Ich sag immer wieder: 'Guck mal, was die Mädchen hier machen, unter den Bedingungen, die sie haben.' Also - es ist ganz wichtig, zu wissen: Man kann sehr viel, wenn man will", so Auma.

Klingt fast wie "Yes we can!" Ein tolles Motto - schreibt Auma Obama. Denn "Yes we can" ist seit Jahren der Schlachtruf ihrer moslemischen Fußballmädchen. Lange bevor er zum berühmtesten Wahlkampfslogan der Welt wurde.

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